Merinoschaf

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Merinoschafe

Das Merinoschaf (Kurzform: das Merino) ist eine Feinwoll-Schafrasse, die ursprünglich wohl aus Nordafrika stammt. Im Hochmittelalter gelangten Merinoschafe nach Spanien, hier erlangten sie wegen ihrer begehrten Wolle große wirtschaftliche Bedeutung. Erst im 19. Jahrhundert gab es auch in anderen Ländern große Merinoherden, heute ist Australien der Hauptlieferant für Merinowolle.

Die Tiere werden bis auf die Haut geschoren und geben zwischen zwei und vier Kilogramm Wolle (gewaschen) pro Jahr. Bis zu zehn Kilogramm Merinowolle können von Spitzentieren gewonnen werden.

Herkunft und Zucht in Spanien[Bearbeiten]

Jesus als Knabe mit einem Merinoschaf, Gemälde von Bartolomé Esteban Murillo (Prado)

Der Name geht vermutlich auf die Berberdynastie der Meriniden zurück, die zur Zeit der Almohaden (1150–1300) nach Spanien vordrangen.[1] Die Berber betrieben Viehzucht und brachten wohl Zuchttiere mit nach Spanien. Dem Merino ähnliche Rassen kommen bis heute in den Küstenebenen im Westen Marokkos vor, zwischen dem Rif und Oued Bou Regreg.[2]

Das Wort „Merino“ wurde 1307 in einem notariellen Kaufvertrag über 29 Säcke Wolle (lana que appellatur merinus), die die genuesische Kaufmannsfamilie der Usodimare in Tunesien erworben hatte, zum ersten Mal erwähnt.[3] Manche Historiker nehmen an, dass genuesische Wollhändler Merinoschafe nach Spanien brachten oder zumindest ihre weitere Zucht anregten. Spanien, vor allem das Königreich Kastilien, entwickelte sich daraufhin zum wichtigsten Lieferanten für qualitativ hochwertige Wolle. Merinoschafherden legten hier auf den halbjährlichen Wanderungen zwischen Winter- und Sommerweiden (Transhumanz) bis zu 800 km zurück. In Kastilien verhinderte die Mesta, ein Verband der Schafzüchter, die Weiterverbreitung der Rasse.[2] Die Ausfuhr der Merinos wurde damals durch das spanische Königshaus bei Todesstrafe untersagt. Dadurch konnte Spanien bis zum 18. Jahrhundert mit der sogenannten „spanischen Wolle“ weltweit Handel treiben.

Zucht in anderen Ländern[Bearbeiten]

Ungeschorenes Merinoschaf

Im 18. Jahrhundert gelangten die ersten Merinos nach Deutschland (Sachsen 1766, Preußen 1783, Württemberg 1786, Bayern 1802). Hier wurden die Merinoschafe mit einheimischen Rassen gekreuzt. Dabei wurden das Merinolandschaf und seit 1860 das Merinofleischschaf durch Rudolf Behmer (* 13. November 1831 in Merzien; † 12. Februar 1902 in Berlin) herangezüchtet. Das Merinolandschaf ist mit fast 30 % des Schafbestandes die häufigste Rasse in Deutschland. In Bayern beträgt der Anteil rund 70 %. Das geschorene, noch vollständig zusammenhängende Wollkleid wiegt drei bis fünf Kilogramm, wobei die Hälfte des Gewichts Schmutz, Wollfett, Schweiß und Pflanzenreste sind.

Durch die Einfuhr von Merinos nach Australien und Neuseeland durch europäische Siedler entwickelten sich diese Länder zu den weltweit größten Wollproduzenten. Der Anteil von Merinowolle am gesamten Jahreswollumsatz beträgt etwa 40 %. Fast 100 % davon stammen vom australischen Merinoschaf. Insbesondere die australische Produktion von Merinowolle wird von einigen Tierschutzorganisationen mit dem Vorwurf der Tierquälerei konfrontiert, da dort die Methode Mulesing zur Vermeidung von Parasitenbefall angewandt wird. Dabei wird ohne Betäubung ein Teil der Haut rund um den Schwanz entfernt, sodass dort kein Fliegenbefall auftreten kann.

Nutzung[Bearbeiten]

In Spanien wurden die Merinoschafe früher nur in geringem Umfang als Fleischlieferanten genutzt. Sie waren wegen ihrer Wolle zu wertvoll, zudem hieß es, dass die langen Wanderungen das Fleisch zäh machen würden.[1]

Die deutschen Merinorassen (Merinolandschaf, Merinofleischschaf, Merinolangwollschaf) können heute eigentlich auch der Gruppe der Fleischschafrassen zugeordnet werden; denn auch bei ihnen wird die Fleischerzeugung züchterisch betont. Man räumt ihnen jedoch auf Grund der feinen Merinowolle eine Sonderstellung ein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hazzi Joseph von: Ueber die Veredlung des landwirthschaftlichen Viehstandes zugleich die Grundlage des Wohls und Reichthums einer Nation. München 1824.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Julius Klein: The Mesta: A Study in Spanish Economic History 1273–1836 (PDF; 17,7 MB). Harvard University Press, 1920
  2. a b Charles Julian Bishko: Sesenta años después: La Mesta de Julius Klein a la luz de la investigación subsiguiente. 1981, Universidad Sevilla, "Historia, instituciones, documentos". S. 9-57
  3. R. Sabatino López: El origen de la oveja merina. In: Estudios de Historia Moderna. 4, Nr. 4, 1954. Abgerufen am 1. August 2010.