Merkers

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 50° 49′ 21″ N, 10° 7′ 3″ O

Merkers
Höhe: 232 (225–255) m ü. NN
Einwohner: 1500
Eingemeindung: 30. Juni 1994
Eingemeindet nach: Merkers-Kieselbach
Postleitzahl: 36460
Vorwahlen: 036969, 036963
Karte

Lage von Merkers in Krayenberggemeinde

Blick auf die Ortslage

Blick auf die Ortslage

Merkers ist ein Ortsteil der Krayenberggemeinde im Wartburgkreis im Westen Thüringens. Die an der Werra gelegene Ortschaft hat etwa 1500 Einwohner.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt am Nordrand des thüringischen Teils der Rhön. Im Norden befindet sich der 431 m hohe Krayenberg. Die geographische Höhe des Ortes beträgt 225 m ü. NN.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merkers wurde erstmals beim Verkauf der „Ronnmühle“ an das Kloster Frauensee im Jahr 1308 erwähnt. Im 15. Jahrhundert wurde der Ort als Wüstung erwähnt. Vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges lebten 28 Familien in Merkers, danach noch zwölf. Der Ort gehörte zum Amt Krayenberg.

Am 24. Juni 1878 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau der zunächst meterspurigen Feldabahn bei Merkers. Im Jahre 1910 wurde im Merkerser Schacht die Förderung von Kalisalzen aufgenommen, 1925 das Kaliwerk Merkers eröffnet. Dies führte zu einem rasanten Anstieg der Einwohnerzahl von knapp über vierhundert auf das Zehnfache. 1929 wurde die Kirche des zuvor kirchenlosen Ortes geweiht. 1938 forderte ein Kohlendioxidausbruch im Schacht Merkers elf Menschenleben.[2]

Während des Zweiten Weltkrieges verrichteten 700 Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus zahlreichen besetzten Ländern Zwangsarbeit in den Kalischachtanlagen I und II von Merkers sowie in den Schächten I und II der Nachbarorte Kaiseroda und Hämbach.[3]

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges rückte Merkers im Mai 1945 in das Licht der Öffentlichkeit, als in den Schachtanlagen große Mengen Gold, Geld und Kunstschätze, welche die Nationalsozialisten im Bergwerk versteckt hatten, von der US-Army entdeckt wurden. Der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa und spätere US-Präsident General Dwight D. Eisenhower besuchte den Ort und das Bergwerk, um den Fund zu begutachten. Dies wird im US-Amerikanischen Spielfilm Monuments Men – Ungewöhnliche Helden thematisiert.[4]

Die Gemeindegebietsreform von 1994 führte zum Zusammenschluss der Gemeinden Kieselbach und Merkers.[5] 2013 schloss sich die Gemeinde Merkers-Kieselbach mit Dorndorf zur Krayenberggemeinde mit Sitz in Dorndorf zusammen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

US-Soldaten entdecken am 15. April 1945 im Salzbergwerk Reichtümer der Reichsbank, Beuteschätze der SS und Gemälde aus Berliner Museen

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als weltgrößte Kalifabrik nahm das Kalibergwerk Merkers der Wintershall AG 1925 den Betrieb auf. Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurden große Teile der Goldbestände der Reichsbank (unter anderem des Nazigoldes), Bargeld in Reichsmark und viele Kunstgegenstände (unter anderem aus der Gemäldegalerie (Berlin) und die Büste der Nofretete) durch amerikanische Truppen entdeckt.[4]

Das Kalibergwerk gehört in DDR-Zeiten zum Kombinat Kali und nach dem Ende der DDR von der Treuhandanstalt verwaltet und stillgelegt. Seit Ende der Förderung im Jahr 1993 dienen die Schächte zu Sicherungsarbeiten im Grubenrevier Merkers und das Bergwerk als Schaubergwerk.

Gewerbegebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gewerbepark Merkers befindet sich am östlichen Ortsrand von Merkers auf einem Teilgelände der ehemaligen Schachtanlage. Es verfügt über eine Gesamtfläche von ca. 75 ha (Stand 2014).[6]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 62 führt in west-östlicher Richtung durch den Ort. Eine Gemeindestraße verbindet Merkers mit Kieselbach. Merkers hatte einen Haltepunkt an der stillgelegten Bahnstrecke Bad Salzungen-Vacha. Vom 3. bis 10. Dezember 2012 wurde vom Bf. Merkers ein Teil abgerissen, der ehemalige Wartesaal.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Dichter des Rhönliedes, Andreas Fack, kam am 1. März 1863 in Merkers zur Welt.
  • 1957 wurde der Fußballspieler Martin Iffarth im Ort geboren.
  • Der Arzt Günther Deilmann bekam am 3. Oktober 1995 zu seinem 91. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Merkers/Kieselbach verliehen. Zu Ehren von Günther Deilmann wurde ein Teil des Lengsfelder Weges in Merkers in Dr.-Günther-Deilmann-Straße umbenannt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Merkers-Kieselbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtliche topographische Karten Thüringen 1:10.000. Wartburgkreis, LK Gotha, Kreisfreie Stadt Eisenach. In: Thüringer Landesvermessungsamt (Hrsg.): CD-ROM Reihe Top10. CD 2. Erfurt 1999.
  2. Ilga Gäbler: Drei, die das Gas-Unglück erlebten. 24. Mai 2013, abgerufen am 5. Oktober 2013.
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 327, ISBN 3-88864-343-0
  4. a b Greg Bradsher: Nazi Gold. The Merkers Mine Treasure. Abgerufen am 22. Februar 2016.
  5. Thüringer Verordnung über die Auflösung und Zusammenlegung der Gemeinden Kieselbach und Merkers vom 20. Januar 1994 (GVBl S. 234), a) § 5 geändert durch Verordnung vom 6. April 1994 (GVBl. S. 410)
  6. Gewerbegebiete in der Wartburgregion. In: Wartburgkreis.de. Abgerufen am 23. Oktober 2014.