Merkur (Österreich)

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MERKUR Warenhandels AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1969
Sitz Wiener Neudorf, OsterreichÖsterreich Österreich
Leitung
  • Alexandra Draxler-Zima
    (Vorstandssprecherin)
  • Harald Mießner
    (Vorstand)
Mitarbeiterzahl rund 9.500
Branche Lebensmitteleinzelhandel
Website www.merkurmarkt.at

Merkur-Markt in Wien-Floridsdorf
Merkur-Markt in Wien-Floridsdorf

Merkur (Eigenschreibweise: MERKUR) ist eine österreichische Verbrauchermarktkette, die zur deutschen Rewe International AG gehört.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Merkur Warenhandels AG wurde im Jahr 1969 von Karl Wlaschek gegründet und ist seit 1996 Teil der Rewe International AG, einem der größten privatwirtschaftlichen Arbeitgeber Österreichs. Merkur verfügt über 130 Märkte in ganz Österreich und beschäftigt rund 9500 Mitarbeiter. Merkur gilt als Marktführer im Verbrauchermarkt-Segment. Am 1. September 2009 wurden die Magnet-Märkte von Merkur übernommen. Mit „Merkur – Ihr Urlaub“ ist das Unternehmen auch im Reisesegment vertreten. Mobile-Payment wird in Zusammenarbeit mit Blue Code angeboten.

Um gegen die prognostizierte Marktsättigung von Merkur-Märkten vorzugehen, begann Rewe Österreich im Jahr 2017 mit der Eröffnung von Kompaktmärkten, welche eine Fläche von rund 1000 m² aufweisen. Derartige Märkte wurden zuerst in Kittsee und Hadersdorf errichtet, weitere folgten, unter anderem in Gmünd oder Wieselburg.

Ende August 2018 entschied sich Merkur für die Schließung des eigenen Onlineshops.[1]

Philosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merkur versteht sich als Erlebnismarkt mit integriertem Marktplatz-Konzept. Die Märkte bieten auf einer Verkaufsfläche von rund 2000 m² eine Auswahl an Produkten (rund 20.000 Artikel von regionalen Anbietern über in- und ausländische Spezialitäten bis zu 800 Produkten aus dem Preiseinstiegssegment) unter einem Dach an. Der Merkur-Slogan lautet: „So macht man sich Freunde.“

Aufgrund des stärker werdenden Kampfes um Marktanteile im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel verbilligt Merkur seit 2017 eine Reihe von Eigenmarken- sowie Markenartikel, welche in Diskontern wie Hofer erhältlich sind, auf das Preisniveau der Diskonter. Die gesenkten Preise werden als Diskontpreis betitelt und in den Geschäften mit zusätzlichen Hinweisschildern am Regal angepriesen.

Architektur der Merkur-Märkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fassadengestaltung der Merkur-Märkte ist durch die Farben Grün und Weiß sowie die Verwendung eines grünen Apfels als Key-Visual bestimmt. Dadurch sollen die Qualitätskriterien Frische und Sauberkeit sichtbar nach außen transportiert werden. Für das Design wurde Merkur bislang zweimal ausgezeichnet: 1994 mit einem Architekturpreis für den Merkur-Markt in Deutsch-Wagram, 2006 mit dem „Innovationspreis für Architektur“ in New York.

Sortiment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merkur bietet eine Produktpalette von mehr als 20.000 Artikeln an, darunter zahlreiche Non-Food-Produkte.

  • Regionalinitiative: In der Sortimentgestaltung setzt das Unternehmen auf heimische Produkte. Dem Credo „Aus der Region – für die Region“ folgend beliefern 40.200 österreichische Bauern Merkur mit Fleisch, welches direkt in den Märkten zerlegt, portioniert und verpackt wird. Diverse Feinkost- und Käsespezialitäten sowie Säfte, Honig und Wein kommen direkt von regionalen Lieferanten. Zudem wurde im Jahr 2015 die Rewe-Eigenmarke „Da komm’ ich her“, welche speziell Obst, Gemüse und Eier aus Österreich bewirbt, eingeführt.
  • Im April 2009 begann Merkur in 53 Märkten in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland eine Kooperation mit dem AMA-Gütesiegel, das als zusätzliches Qualitätsmerkmal für Schweinefleisch herangezogen wird. Die Kooperation soll österreichweit ausgebaut werden.

Eigenmarken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Diskontpreissegment wird bei Merkur durch die Eigenmarke clever bedient, die 1999 eingeführt wurde. Die Marke wurde von 40 auf 550 Artikel aus dem Bereich Lebens- und Nahrungsmittel, Nonfood sowie Drogerie ausgebaut. Clever ist auch noch bei Billa, ADEG, Sutterlüty und Bipa erhältlich.
  • Die Marke Merkur Immer Gut wurde eingeführt, um eine geeignete Marke im Mittelpreissegment zu haben. Die Produkte heben sich von Clever-Produkten durch höhere Preise und oftmals einen Mehrwert ab (beispielsweise sind die in den Merkur Immer Gut Fleckerl enthaltenen Eier aus österreichischer Freilandhaltung und die in den Clever Fleckerl enthaltenen Eier aus Bodenhaltung). Diese Produkte stehen vor allem in direkter Konkurrenz zu vergleichbaren Markenartikeln.
  • Mit Ja! Natürlich führte Rewe im Jahr 1994 eine eigene Bio-Marke ein. Heute sind in diesem Bio-Sortiment rund 1000 verschiedene Produkte vertreten, es gibt auch eigene „Ja! Natürlich Bio Backshops“. Seit 2018 sind alle Produkte dieser Marke palmölfrei.[2]
  • Im Bereich der Putz-, Wasch- und Reinigungsmittel bietet Merkur neben Produkte der Eigenmarken Clever und Merkur Immer Gut auch umweltfreundlichere Alternativen der Marke Merkur Immer Grün an. Diese Produkte sind mit dem Österreichischen Umweltzeichen zertifiziert.
  • Weitere Eigenmarken, die jeweils nur eine Produktgruppe abdecken und noch in anderen Vertriebsschienen von Rewe Österreich vertrieben werden:
    • Hofstädter: Hendl-, Puten-, Schweine- und Rindfleisch aus konventioneller Haltung aus Österreich mit AMA-Gütesiegel sowie Wurstwaren und Fleischprodukte, welche in Österreich hergestellt werden
    • Full Speed: Eigenmarke für Energydrinks, höher positioniert als die Clever-Energydrinks
    • Maximal G: Weitere Energydrink-Eigenmarke, welche ursprünglich aus Deutschland stammt
    • Landgraf: Diskontpreis-Bier aus Österreich
    • Wegenstein: Eigenmarke für Weine, welche größtenteils aus Österreich stammen
    • Da komm' ich her!: Eier, Obst und Gemüse aus Österreich
    • Fertiggerichte und kochfertige Zutaten unter den Marken Chef Menü (traditionelle Gerichte, wie Gulasch mit Spätzle) und Simply Good (gesunde Fertiggerichte, vorgeschnittenes Gemüse und frische Teigwaren)
    • BABYWELL: Produkte für Babys und Kleinkinder, wie Windeln
    • Vegavita: Vegane Ersatzprodukte, welche oftmals Bio-Qualität haben
    • today: Eigenmarke für Kosmetikprodukte, ersetzte 2018 die Marke MY und die Kosmetiksparte von clever; stammt ursprünglich vom Diskonter Penny

Friends of Merkur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1996 führte Merkur mit „Friends of Merkur“ ein Kundenbindungsprogramm ein. Teilnehmern dieses Programms werden Treueangebote offeriert. So erhalten „Friends of Merkur“ beispielsweise mit dem Kassenbon Gutscheine, zum Geburtstag 10 Prozent Rabatt auf ihren Einkauf oder werden zu Veranstaltungen eingeladen. Teilnehmer bekommen kostenlos das Kundenmagazin „friends“, das acht Mal jährlich mit einer Auflage von 400.000 Stück erscheint.

Soziale Verantwortung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merkur ist seit 1997 Sponsor-Partner der CliniClowns, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Genesung von Kindern durch Lachtherapie zu fördern. Das Unternehmen unterstützt auch die Wiener Krebshilfe und insbesondere die Krebsforschung. Merkur arbeitet außerdem intensiv mit Global 2000 daran, Pestizide bei den Produzenten von Obst und Gemüse zu minimieren, setzt Energiesparmaßnahmen zum Beispiel bei der Beleuchtungstechnik oder bei Kühlmöbeln ein und achtet auf eine möglichst effiziente und schadstoffarme Logistik, zum Beispiel mit der Beimischung von Biodiesel bei seinen LKWs.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feinkost[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. August 2019 teilte die Arbeiterkammer Vorarlberg in einer Aussendung mit, dass Produkte der Feinkostabteilung, vor allem Käse mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum, aus den Regalen genommen wurden, neu verpackt wurden, das Mindesthaltbarkeitsdatum um zehn oder mehr Tage verlängert wurde und diese dann wieder zum Verkauf angeboten wurden – mit neuem Mindesthaltbarkeitsdatum und zum selben Preis. Auch seien Brote, die am Samstag nicht mehr verkauft wurden, eingefroren und am Montag wieder aufgetaut und als Frischware verkauft worden. Diese sei schon seit Herbst 2018 praktiziert worden. Rewe bestätigte am 14. August die Vorwürfe und spricht von einem Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter.[3][4]

Informelles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kartellgericht hat den Lebensmittelhändler Rewe (u. a. Billa, Merkur) im Jahr 2013 wegen Preisabsprachen zu einem Bußgeld in der Höhe von 20,8 Mio. Euro verurteilt und damit die zweithöchste jemals ausgesprochene Kartellstrafe in Österreich ausgesprochen. Rewe bezeichnete das Urteil in einer ersten Reaktion als „für beide Seiten akzeptable Lösung“.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Merkur schließt seinen Onlineshop Ende August - News. In: heute.at. 23. August 2018, abgerufen am 16. August 2019.
  2. Ja! Natürlich ist palmölfrei. In: http://www.janatuerlich.at. Ja! Natürlich, abgerufen am 22. April 2018.
  3. ORF Vorarlberg: Chronik: Supermarktkette bestätigt Irreführung. 14. August 2019, abgerufen am 16. August 2019 (österreichisches Deutsch).
  4. Etikettenschwindel: Merkur bestätigt Täuschung. In: vol.at. Abgerufen am 16. August 2019.
  5. Kartellgericht: 20,8 Millionen-Euro-Strafe für Rewe. In: Wiener Zeitung. 13. Mai 2013, abgerufen am 25. Januar 2017.