Merlauer Vertrag

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Der Merlauer Vertrag wurde am 8. September 1583 zwischen Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel und dem neuen Mainzer Erzbischof Wolfgang von Dalberg in Merlau, einem heutigen Ortsteil der Gemeinde Mücke im Vogelsbergkreis in Hessen, geschlossen.[1]

In dem Vertrag einigten sich die beiden Seiten über schon lange schwelende Grenzkonflikte zwischen Kurmainz und der Landgrafschaft, wobei fast alle noch verbliebenen Mainzer Besitzungen in Nordhessen endgültig an die Landgrafschaft fielen, dafür jedoch Hessen-Kassel seine Ansprüche im Eichsfeld aufgab. Alle während der Mainzer Stiftsfehde gemachten Pfandschaften kamen damit gegen eine weitere Zahlung von 40.000 Gulden endgültig an Hessen. Dies betraf u. a. die Ämter Battenberg und Wetter nebst den Burgen Kellerburg (bei Battenberg) und Mellnau sowie die Orte Rosenthal, Hofgeismar, Jesberg und eine Anzahl von Dörfern (darunter Linsingen und Hertingshausen).

Das Erzstift Mainz behielt danach in Hessen nur noch Fritzlar, das durch Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg von den Grafen von Waldeck eingelöste und 1588 an das Erzstift zurückgegebene Naumburg, Neustadt und Stadt und Amt Amöneburg, sowie das Einlösungsrecht für die halbe Herrschaft Itter.

In einem anschließenden Vertrag zu Eschwege zwischen Hessen und Kurmainz wurde 1583 Gebietsstreitigkeiten beigelegt und die Zugehörigkeit von Dörfern im Werratal geklärt.[2] Dabei wurden das ehemals kurmainzische Frieda und hessische Döringsdorf (mit dem Keudelstein) getauscht und die Grenze zwischen Hessen und dem Eichsfeld wurde mit 343 Grenzsteinen festgelegt. In diesem Zusammenhang wurde eine detaillierte Karte des Grenzgebiets im südlichen Eichsfeld und angrenzenden Hessen angefertigt. Diese Grenzfestlegung bildet noch heute die Grenze zwischen Hessen und Thüringen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich P. Kahlenberg: „Konsolidierung und Arrondierung des Territorialstaates in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Merlauer Vertrag von 1582 zwischen Hessen und Mainz“. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 14, 1964, ISBN 3-921254-14-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Rehm: Handbuch der Geschichte beider Hessen. Marburg und Leipzig 1842, Erster Band, Viertes Buch, Erstes Kapitel, §37 Seiten 62-64
  2. Archive in Hessen: Vertrag zu Eschwege über den Austausch von Dörfern zwischen Hessen und Mainz. HStAM Bestand 40a Rubr. 54 Nr. 183