Merten (Eitorf)

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Merten
Gemeinde Eitorf
Koordinaten: 50° 46′ 7″ N, 7° 23′ 35″ O
Höhe: ca. 100–130 m ü. NHN
Einwohner: 368 (2014)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1935
Postleitzahl: 53783
Vorwahl: 02243
Über der Sieg auf bewaldeten Höhen: Merten
Über der Sieg auf bewaldeten Höhen: Merten

Merten ist ein Ortsteil der Gemeinde Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis im südlichen Nordrhein-Westfalen. Bis zum 1. Januar 1935 war Merten mit den umliegenden Ortschaften eine eigenständige Gemeinde im damaligen Siegkreis.[2]

Merten mit dem Union-Gestüt

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merten liegt nördlich der Sieg am Rand der Nutscheid. Nördlich liegt die Mertener Höhe. Nachbarorte sind im Osten Lützgenauel, im Süden Bach und im Westen Bülgenauel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kreuz am Kloster
Das Ostportal des Eisenbahntunnels an der Mertener Hardt

Mittelalterliche Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merten verfügt mit dem früheren Rittersitz Burg Merten und dem ehemaligen Kloster Merten (im Volksmund auch Schloss Merten), in dem heute am Ortseingang unter anderem ein Alten- und Pflegeheim untergebracht ist, über eine alte Geschichte. Die alte Burg, bei der wahrscheinlich auch das erste Kloster Merten stand, war vermutlich in Höhe des Eisenbahneinschnitts gelegen.

Gemeinde Merten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem 1815 dem Königreich Preußen auf dem Wiener Kongress das Rheinland zugesprochen wurde, wurde Merten eine selbständige Gemeinde, die von der im Jahr 1816 neu geschaffenen Bürgermeisterei Eitorf im Kreis Uckerath verwaltet wurde. Der Kreis Uckerath wurde bereits 1820 aufgelöst und dem Kreis Siegburg (1825 umbenannt in Siegkreis) zugeordnet. Zum 1. Januar 1935 wurde die Gemeinde Merten zugunsten der Gemeinde Eitorf aufgelöst.[2]

Im Jahr 1885 bestand die Gemeinde Merten aus 22 Ortschaften und Wohnplätzen, in 186 Wohngebäuden lebten 968 Einwohner. 955 der Einwohner waren katholisch und 13 evangelisch.[3]

Die zu Merten gehörenden Ortschaften waren: Bach, Balenbach, Bourauel, Bruch, Büsch, Driesch, Happach, Harmonie, Hatzfeld, Heckerhof, Hohn, Jägeroth, Juckenbach, Leye, Lützgenauel, Merten, Schiefen, Schmelze, Storch, Untenroth, Wassack und Weiden.[3]

Die Gemeinde Merten hatte 1885 eine Gesamtfläche von 1.511 Hektar, davon waren 548 Hektar Ackerland, 88 Hektar Wiesen und 758 Hektar Wald.[3]

Die Gemeinde Merten wurde zum 1. Januar 1935 in die Gemeinde Eitorf eingegliedert.[2]

Merten hatte auch eine eigene Volksschule, die zuerst im säkularisierten Kloster Merten abgehalten wurde, später in einem Gebäude daneben.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr[4] Einwohner
1816 805
1843 1.050
1871 902
1905 1.208
1933 1.389

Kriegsereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. März 1945 wurde das südliche Gemeindegebiet den amerikanischen Besatzungstruppen überlassen. Die Brücken Merten, Bourauel, Kelters und mittags als letztes die Brücke bei Alzenbach wurden gesprengt. Die Alliierten standen auf dem Lindscheid und nahmen durch Tiefflieger- und Artilleriebeschuss fast alle Ortsteile unter Feuer. Das Schloss Merten brannte auch aus und stand jahrelang als Brandruine leer.

Dorfleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merten war über viele Jahre hinweg eine eigene Kirchengemeinde mit eigenem Seelsorger, ist mit seiner Rektoratskirche St. Agnes spätestens seit Ende der 1980er Jahre aber der Pfarrgemeinde St. Patricius Eitorf angegliedert. Die seelsorgerische Arbeit wird mittlerweile vollständig von der Kirchengemeinde in Eitorf übernommen; bis Ende der 1990er Jahre war Merten noch ein eigener Subsidiar zugeteilt, der im örtlichen Pfarrhaus lebte und arbeitete. Merten hat einen eigenen Friedhof.

Im dörflichen Leben gibt es sowohl einen Kirchenchor (St. Agnes Merten) als auch einen mitgliederstarken Männergesangsverein. Darüber hinaus besteht der sog. Dorfverein sowie der vor vielen Jahren von einer Elterninitiative gegründete Kindergarten Mertener Schloßgespenster e. V. Erwähnenswert ist das große, in der Siegaue liegende Union-Gestüt, in welchem auch jährlich Treckertreffen mit hundert Fahrzeugen durchgeführt werden.[5] Eine Gastronomie ist bis auf das Café in der Orangerie von Schloss Merten nicht mehr vorhanden.

Insbesondere für Fahrrad- und Wandertouristen lohnt sich ein Besuch in Merten, das mit dem ÖPNV, aber auch über den Natursteig Sieg sowie über Fahrradwege, sowohl aus Richtung Windeck als auch aus Richtung Hennef (Sieg), gut erreichbar ist.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrstechnisch liegt Merten vermeintlich abgeschieden, ist über eine Siegbrücke aber in weniger als 500 m an die Siegtalstrecke Landesstraße 333 angebunden.

Im ÖPNV liegt Merten an der Siegstrecke der Deutschen Bahn und besitzt einen S-Bahn-Haltepunkt. Im Stundentakt lassen sich mit der S-Bahn-Linie 12 die Bahnhöfe Au (Sieg) in der einen und Düren in der anderen Richtung ohne Umsteigen erreichen, der Flughafen Köln/Bonn montags bis freitags mit der S-Bahn-Linie 19. Morgens wird Merten sogar von dem Rhein-Sieg-Express (RE 9) Richtung Aachen erreicht und bietet eine umsteigefreie Fahrt nach Aachen an. Auf dem Weg nach Düren sind die Fernverkehrsbahnhöfe Siegburg/Bonn in 15 und Köln Hauptbahnhof in gut 35 Minuten zu erreichen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Merten (Eitorf) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeinde Eitorf, abgerufen am 24. Februar 2014
  2. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Siegkreis. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  3. a b c Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Band XII. Provinz Rheinland. Verlag des Königlichen statistischen Bureaus, Berlin 1888, S. 116 (online [PDF; 1,5 MB; abgerufen am 17. März 2016]).
  4. Volkszählungsergebnisse von 1816 bis 1970 der Städte und Gemeinden. Beiträge zur Statistik des Rhein-Sieg-Kreises. Band 17. Siegburg 1980, S. 36.
  5. Harald Röhrig: Treckertreffen in Merten – Stelldichein der schmucken Gefährte. In: Rhein-Sieg-Anzeiger. 15. August 2017, S. 30 (ksta.de [abgerufen am 16. August 2017]).