Mesocco

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Mesocco
Wappen von Mesocco
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Region: Moesa
Kreis: Mesocco - Bis 31. Dezember 2017
BFS-Nr.: 3822i1f3f4
Postleitzahl: 6563
Koordinaten: 737782 / 139198Koordinaten: 46° 23′ 24″ N, 9° 13′ 48″ O; CH1903: 737782 / 139198
Höhe: 769 m ü. M.
Fläche: 164,76 km²
Einwohner: 1349 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 8 Einw. pro km²
Website: www.mesocco.ch
Mesocco

Mesocco

Karte
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Mesocco (rätoromanisch Mesauc, deutsch auch Misox) ist eine politische Gemeinde des Kreises Mesocco in der Region Moesa des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde Mesocco gehören die nördlich gelegenen Orte Pian San Giacomo (1170 m ü. M.) und San Bernardino (1626 m ü. M.). Südlich des Dorfes dominiert das auf einem Felssporn gelegene Castello di Mesocco das Tal. Unterhalb der Ruine steht die wegen ihrer kunsthistorisch wertvollen Monatsbilder bedeutende Kirche Santa Maria del Castello.

Das Gebiet der Gemeinde erstreckt sich hinauf bis zum Tambohorn (3279 m ü. M.) auf dem Alpenhauptkamm, der hier auch die Grenze nach Italien markiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Jungsteinzeit (4500 vor Christus) war Mesocco Tec-Nev schon bewohnt. [2] Mesolithische Werkzeuge aus Silex und Keramik wurden bei einer neolithischen Feuerstelle gefunden, als die Autostrasse A13 erbaut wurde. Festere Siedlungen gehen auf die Bronzezeit und die vorrömische Eisenzeit zurück. Im Dorf wurde eine beachtliche Nekropole aus der ersten Eisenzeit ausgegraben. Auf dem Hügel Gorda befand sich eine römische Siedlung und Gräber aus dem frühen Mittelalter. Der Ort wurde erstmals im 9. Jahrhundert im Churrätischen Reichsgutsurbar erwähnt. 1203 tauchte er als Mesoco und 1383 als Misogg auf; später wurde Misox in Deutsch daraus und Mesauc in der romanischen Sprache.

Noch heute gut sichtbar sind die Ruinen des Castello di Mesocco, das von etwa 1100 bis 1480 den Freiherren von Sax und 1480 bis 1549 den Trivulzio, der damaligen Herren des Misox, als Herrschaftssitz diente. 1219 wird die Kirche S. Maria mit ihren wertvollen Fresken von 1450 aus der Werkstatt der Seregnesi unterhalb der Burg erwähnt. Die Pfarrkirche SS. Pietro e Paolo wird ebenfalls 1219 bezeugt, sie wurde im 17. Jahrhundert verändert und 1959 renoviert.

Mesocco war das nördlichste der vier Felder (italienisch: Squadre) des Hochgerichts Misox und war in die vier Degagne Crimeo, Cebbia, Andergia und Darba unterteilt, die je von einem Konsul geführt wurden. 1480 traten Mesocco und Soazza freiwillig dem Grauen Bund bei. Seit 1538 ist die Kirche S. Rocco mit angegliedertem Hospiz, in dem seit 1668 Kapuzinermönche tätig sind, belegt. Unter etlichen Kapellen sind die 1419 erstmals erwähnte Kapelle S. Giacomo, S. Giuseppe in Andergia, die den Evangelischen während der Reformation als Versammlungsort diente, und S. Giovanni Nepomuceno in Cebbia, die 1978 durch eine Überschwemmung zerstört und dann wieder aufgebaut wurde, die bekanntesten.

1549 kam der aus Locarno geflüchtete Reformator Giovanni Beccaria ins Misox nach Roveredo und Mesocco, wo er als evangelischer Lehrer und Prediger tätig war. 1555 reiste er mit den evangelischen Flüchtlingen Locarnos ins Exil nach Zürich. 1559 kehrte er nach Mesocco zurück und nahm seine Lehr- und Predigttätigkeit im Tal wieder auf, um den entstandenen evangelischen Gemeinden zu dienen. 1561 wurde er von Mesocco aufgrund katholischer Interventionen im Rahmen der Gegenreformation verbannt und flüchtete ins tolerantere Chiavenna und 1571 nach Bondo, wo er als reformierter Pfarrer tätig war.[3][4]

Zahlreiche Patrizierhäuser stammen aus dem 19. Jahrhundert, teilweise auch von früher. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Wasserkraftwerke Isola und Spina erstellt, in den Sechzigerjahren die Autobahn A13 erbaut, 1967 der San-Bernardino-Tunnel eingeweiht und die touristische Infrastruktur in San Bernardino aufgebaut, so dass das Misox und die Gemeinde Mesocco einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben konnte. Trotzdem haben Landwirtschaft und Viehzucht Bedeutung behalten, weil einige Alpweiden weiterhin mit Rindern, Ziegen, Schafen und Schweinen bestossen werden.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der seit 1907 bestehende Betrieb der Bahnstrecke Bellinzona–Mesocco von Bellinzona nach Mesocco wurde 1972 eingestellt, seither gewährleisten Postautos von Bellinzona und Roveredo GR, San Bernardino GR und Thusis den öffentlichen Verkehr. Die Hauptstrasse 13 führt durch Mesocco hindurch, die Autostrasse 13 dagegen ist westlich von Mesocco angelegt.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Football Club Alta Moesa[16]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emilio Tagliabue: È davvero esistita la zecca di Mesocco?. In: Rivista Italiana di Numismatica, anno 1890, fascicolo III, Milano 1890, S. 369-424.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band VI: Die italienischbündnerischen Talschaften Puschlav, Misox und Calanca. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 17). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1945, ISBN 978-3-906131-55-9.
  • Rinaldo Giambonini, Agostino Robertini, Silvano Toppi: Mesocco. In: Il Comune. Edizioni Giornale del Popolo, Lugano 1971, S. 193-204.
  • Cesare Santi: Famiglie originarie del Moesano o ivi immigrate. Menghini, Poschiavo 2001, S. 157-160.
  • Luigi Corfù: Microparcellizzazione ed economia idrica: il caso di Mesocco. In: Archivio Storico Ticinese. 2. Serie, Nummer 145, Bellinzona 2009, S. 41–56.
  • Aurelio Ciocco: Mesòcch e i sò sitt. Due secoli di storia dei nomi di luogo e nelle testimonianze locali. Tipo-Offset Jam, Prosìto 2012.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mesocco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Coira Visita al Museo retico (italienisch) auf e-periodica.ch (abgerufen am 17. Januar 2017).
  3. Emidio Campi: Beccaria, Giovanni. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  4. Rudolf Pfister: Um des Glaubens willen. Die Evangelischen Flüchtlinge von Locarno und ihre Aufnahme zu Zürich im Jahre 1555. Evangelischer Verlag, Zollikon 1955, S. 39–40
  5. Fondazione Archivio a Marca auf archivioamarca.ch
  6. Cesare Santi, La Fondazione Archivio a Marca di Mesocco (italienisch) auf e-periodica.ch/digbib (abgerufen am 11. Januar 2017).
  7. Cesare Santi, Archivio a Marca Mesocco: indice dei documenti che sono stati classificati al 31 ottobre 1990. (italienisch) auf bsg.nb.admin.ch/lib (abgerufen am 11. Januar 2017).
  8. Katholische Pfarrkirche SS. Pietro e Paolo
  9. a b c d e f g Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 494
  10. Katholische Kirche San Rocco
  11. Ponte Cascella und Ponte Nanin
  12. Kirche Santa Maria del Castello
  13. Renzo Dionigi: Kirche Santa Maria del Castello, Fresken
  14. Castello di Mesocco
  15. Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Armando Dadò editore, Locarno 2013
  16. Football Club Alta Moesa