Messschraube

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Bügelmessschraube (abgelesener Wert 1,64 mm)
(Differential-)Mikrometerschraube

Eine Messschraube (oft auch Mikrometerschraube oder einfach nur Mikrometer genannt) ist ein Längenmessgerät.

Mikrometerschraube mit Nonius (abgelesener Wert 5.783 mm)

Sie besteht in den meisten Fällen aus einer festen und einer mit einem Feingewinde verstellbaren Messfläche, die meist durch einen Bügel (Bügelmessschraube) miteinander verbunden sind. Der zu messende Prüfling wird zwischen diese beiden parallelen Messflächen gebracht und das Gewinde wird mittels einer Einstellschraube (meist gerändelt) so weit zugedreht, bis beide Messflächen den Prüfling berühren. Das Abbesche Komparatorprinzip wird dabei eingehalten. Die Rundheit eines Prüflings kann dagegen mit einer Bügelmessschraube nicht gemessen werden.

Auf einer Skala parallel zur Verschiebungsrichtung kann die Größe des Prüflings in ganzen Ganghöhen der Schraube, meist ganze oder halbe Millimeter, abgelesen werden; eine zweite Skala entlang des Umfangs dient zur Ablesung jenes Anteils, der nur Bruchteile der Ganghöhe (Gewindesteigung) ausmacht. Meistens kann man an dieser Feinskala die 0,01 mm ablesen. Wenn ein Nonius vorhanden ist, können auch 0,001 mm abgelesen werden. Um Verfälschungen des Messwerts durch unterschiedliche Messkraft (Deformation des Prüflings und der Messschraube) zu vermeiden, wird das Gewinde über eine Rutschkupplung, umgangssprachlich auch als Ratsche oder Gefühlsschraube bezeichnet, gedreht. An fast allen Messchrauben sind zur Isolierung und Verhinderung der durch die Handwärme resultierende Ausdehnung der Schraube und des Bügels Griffe oder Schalen aus Kunststoff angebracht. Es gibt hochwertige Geräte mit einer zusätzlichen digitalen Anzeige der Messwerte.

Messschrauben werden auch in anderen Instrumenten, zum Beispiel Theodoliten, Universalinstrumenten und Nivelliergeräte integriert. Sie werden auch verwendet, um in diversen optischen Geräten Glasplatten definiert zu verkippen und so einen Parallelversatz des Strahlengangs zu erreichen.

Zur Messung von Innen-, Außen- und Tiefenmaßen sowie der Messung an Zahnradflanken werden unterschiedliche Messschrauben benötigt.

Henry Maudslay entwickelte das Messgerät 1829, da die Messergebnisse der bis dahin verwendeten Geräte sehr von ihrer Handhabung abhingen. Dieses, einem heutigen Schraubstock ähnliche Gerät bestand in der Basis aus Messing und verfügte über zwei aus gehärtetem Stahl gefertigte Backen, von denen eine mittels einer feinen Schraube verschoben werden konnte. Entlang der Führungsfläche der Backen befand sich eine in zehntel Zoll unterteilte Skala, während die Kurbel hundertstel und tausendstel Zoll anzeigte.[1]

Typen und Verwendung von Messschrauben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bügelmessschrauben zur Aussenmessung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bügelmessschrauben werden in den meisten Fällen zur Messung von runden Aussendurchmessern an Wellen, Bolzen, Rohren verwendet. Dabei bilden die Messschraube und der Bügel eine feste Einheit. Gebräuchliche Größen in Handwerk und Industrie liegen zwischen 0 und 500 mm; es gibt jedoch - je nach Bedarf - größere Meßbereiche, die abgedeckt werden müssen. Dabei werden auch Bügelmesschrauben verwendet, die auswechselbare Messschrauben unterschiedlicher Größe (Meßbereich) besitzen. Zur Messung von Zahnradverzahnungen verwendet man Bügelmessschrauben, die an Stelle der einfachen Meßflächen Teller mit einem vergrößerten Durchmesser als dem Schraubenschaft besitzen. Im betrieblichen Alltagsgebrauch werden diese "Teller-" oder "Flankenmikrometer" genannt. Zur Messung von Radialnuten verwendet man Bügelmeßschrauben mit flachen, ebenen Messflächen. Des Weiteren gibt es Einsätze mit verjüngten Spitzen. Außengewinde an Schrauben, Gewindebolzen u. ä. werden mit Bügelmessschrauben gemessen, die Einsätze verwenden, die der Steigung und dem Typ des zu messenden Gewindes entsprechen.

Innenmeßschrauben zur Innenmessung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenmeßschrauben kommen als Zwei- bzw. Dreipunkt-Innenmessschrauben vor. Mit ihnen werden Bohrungsdurchmesser gemessen. Auch mit Innenmessschrauben kann keine Rundheit gemessen werden. Die Messflächen sind als Punkt-, Linien- oder der Sonderform Schnabel-Messflächen erhältlich.

Sonderformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Messung von Drei- bzw. Fünf- oder Mehrkanten werden Bügelmessschrauben mit Meßamboss verwendet. Besondere Formen werden auf Kundenwunsch von Herstellern angefertigt.

Prüfung von Messschrauben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Selbstprüfung vor Ort erfolgt durch Einstellnormale oder Endmaße bzw. Messringe. Je nach Organisation und Anforderung können Messschrauben intern durch Qualitätssicherung oder extern beim Hersteller oder zertifizierten Kalibrierstellen geprüft werden.

Zubehör[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Zubehör von Messschrauben gehören neben Reinigungsprodukten je nach Bedarf Einstellnormale, Messringe, Plangläser, Endmaße, Messdose (zur Prüfung der Messkraft), Schrauben, Schlüssel, Hebel, Muster-, Vergleichs- oder Normteile, Ständer, Halter, Verlängerungen, digitale Geräte mit Schnittstelle zur Auswertung oder Protokollierung von Messergebnissen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2-Punkt Messschrauben für Innenmaße

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Spur: Vom Wandel der industriellen Welt durch Werkzeugmaschinen, eine kulturgeschichtliche Betrachtung der Fertigungstechnik. Carl Hanser Verlag, München Wien 1991, ISBN 3-446-16242-9, S. 154.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Messschrauben – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien