Meteotsunami

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Ein Meteotsunami oder meteorologischer Tsunami ist ein tsunamiähnliches Phänomen, das durch Luftdruckschwankungen und Resonanzphänomene in seichten Gewässern ausgelöst werden kann. Dieses Phänomen ist in verschiedenen Ländern unter verschiedenen Namen bekannt. Auf den Balearen heißt es Rissaga, in Malta Milghuba, auf Sizilien Marrubio, in der Bucht von Fiume Stigazzi und in Japan Abiki oder Yota. In der Nord- und Ostsee (wie z. B. in Finnland) ist es auch unter der Bezeichnung Seebär beschrieben worden.

Seebär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Begriff Seebär für einen Meteotsunami entstand aus einer Verballhornung des niederdeutschen Wortes boeren (vgl. im Englischen: bore), was in etwa „heben“ bedeutet. Bereits 1756 beschreibt der deutsche Naturforscher Daniel Gottlob Thebesius einen Meteotsunami unter der Bezeichnung Seebären. Seebären treten sowohl an Nord- und Ostseeküste auf. Für die nordfriesische Insel Sylt sind Seebären unter anderem für den 14. Juni 1964 und den 18. Juni 2002 dokumentiert. Es wird jedoch angenommen, dass die Zahl der tatsächlich stattgefunden Meteotsunamis höher ist.

Seebären mit einer Wellenhöhe von über einem Meter sind extrem selten. Die Gefahr von Seebären besteht aber darin, dass sie (anders als Sturmfluten) nicht vorhergesagt werden können.

Rissaga[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rissaga in Ciutadella, Menorca.

Rissaga (Resarca, Rissague) ist ein hydrologisches Phänomen, das im Hafen von Ciutadella auf der Baleareninsel Menorca auftritt. Es kommt nur ein- bis zweimal im Jahr vor und ist meistens nur schwach ausgeprägt. In einzelnen Fällen jedoch läuft das Hafenbecken innerhalb weniger Sekunden fast völlig leer, das Wasser kehrt dann in einer gewaltigen Welle zurück und verursacht mitunter große Schäden, wie am 21. Juni 1984 und am 15. Juni 2006.

Nach Untersuchungen der Universität der Balearen entspringen die Wasserstandsschwankungen nicht seismischen Ursachen und haben i. d. R. auch mit den Gezeiten nichts zu tun; es handelt sich viel mehr um einen plötzlichen kurzen Luftdruckabfall um max. 8 hPa, dem viele Luftdruckschwankungen in Minutenabständen um 2 hPa vorausgehen.

Die Schwingungen der Atmosphäre übertragen sich offensichtlich auf die Wasseroberfläche. Damit große Wasserstandsschwankungen auftreten können, bedarf es zweier Voraussetzungen: geringe Wassertiefe und eine enge Bucht. An einem Messpunkt vor der Hafenbucht Ciudadelas schwingt der Wasserstand während einer Rissaga um max. 60 cm, im Buchtinnern um weit über 2 Meter.

Wenn besondere meteorologische Faktoren (typischerweise schwül bei bedecktem Himmel und Südwind) sowie eine bestimmte Mondphase zusammenkommen, kann es allerdings zu einer hohen Flutwelle (4 Meter) ähnlich einem Tsunami kommen. Seit Beginn der Messungen ist die Rissaga nur einmal bei Nordwind aufgetreten.

Letzte große Vorkommen dieses Effekts:

  • 21. Juni 1984: mit Schäden in Millionenhöhe an Bars, Restaurants und Booten
  • 15. Juni 2006: Anstieg um vier Meter binnen kürzester Zeit, zahlreiche Boote zerstört, Bars und Restaurants unter Wasser gesetzt

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch sich blockierende Luftströmungen werden lokale Luftdruckunterschiede erzeugt, die auf Meereswellen mit der gleichen Geschwindigkeit treffen müssen. Dann kann es zu einer Resonanz zwischen Luftdruck- und Wasserwellen kommen, sodass durch Resonanzüberhöhung Wellen mit bis zu mehreren Dezimetern Höhe entstehen können. Wenn die Wellen eine Bucht erreichen, werden sie wie bei herkömmlichen Tsunamis gestaut und erreichen Höhen von mehreren Metern unter der Voraussetzung, dass die Bucht über die „richtige“ Länge verfügt, um die Wellen nicht auszulöschen, sondern zu verstärken.[1]

Weitere Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 27. Juni 2011: Ein ungefähr ein Meter hoher Tsunami überspülte in Südwestengland die Küsten und setzte Buchten unter Wasser[2]
  • 13. Juni 2013: Ein mysteriöser Tsunami auf einer Breite von mehr als tausend Kilometern hat Strände an der Ostküste der USA überschwemmt.[3]
Meteotsunamis weltweit
Ort Land Max. Höhe (m)
Bucht von Nagasaki Japan 4,8
Hafen von Pohang Südkorea 0,8
Hafen von Longkou Volksrepublik China 3
Hafen von Ciutadella Spanien 4
Golf von Triest Italien 1,5
Westlicher Teil von Sizilien Italien 1,5
Malta Malta 1
Stari Grad Kroatien 2,5

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Etling: Tsunami und Meteotsunami (PDF; 10,74 MB). In: Mitteilungen DMG 1/2015, S. 2–6.
  • Ivica Vilibić, et al.: Meteorological Tsunamis: the U.S. East Coast and other coastal regions. Springer, Cham 2015, ISBN 978-3-319-12711-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Axel Bojanowski: Überraschende Flut: Schluckauf über dem Mittelmeer verursacht Tsunamis. In: Spiegel Online. 28. Dezember 2006, abgerufen am 6. Januar 2017.
  2. Axel Bojanowski: Seltenes Naturereignis: Luftwirbel spült Tsunami an Englands Küste. In: Spiegel Online. 8. Juli 2011, abgerufen am 6. Januar 2017.
  3. Axel Bojanowski: Tsunami aus dem Nichts: Rätselhafte 1000-Kilometer-Welle trifft US-Ostküste. In: Spiegel Online. 2. Juli 2013, abgerufen am 6. Januar 2017.