Methylquecksilberverbindungen

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Sicherheitshinweise
Name

Methylquecksilber

CAS-Nummer

22967-92-6

GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[2] ggf. erweitert[1]
06 – Giftig oder sehr giftig 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 330​‐​310​‐​300​‐​373​‐​410
P: ?
MAK

Methylquecksilberverbindungen, häufig kurz als Methylquecksilber bezeichnet (Abk. MM von englisch Methylmercury, MeHg), sind eine Gruppe von metallorganischen Verbindungen aus Quecksilber (quecksilberorganische Verbindungen) mit einer Methylgruppe. Sie liegen als einfach positiv geladene Ionen vor (CH3Hg+) und können Verbindungen mit negativ geladenen Ionen wie dem Hydroxid- oder Chloridion eingehen. Methylquecksilber bildet sich in der Natur durch Biomethylierung, wirkt giftig und reichert sich in der Nahrungskette an. Die Vergiftung mit Methylquecksilber äußert sich beispielsweise in der Minamata-Krankheit.

Einzelverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Methylquecksilberverbindungen werden vor allem Methylquecksilberchlorid und Methylquecksilberhydroxid gezählt.

Methylquecksilberverbindungen
Name Methylquecksilberchlorid Methylquecksilberhydroxid
Strukturformel Strukturformel von Methylquecksilber
Andere Namen MM-Cl MM-OH
CAS-Nummer 115-09-3 1184-57-2
EG-Nummer 204-064-2 214-667-2
ECHA-Infocard 100.003.695 100.013.334
PubChem 409301 14451
Wikidata Q21010649 Q27277443
Molare Masse 251,09 g·mol−1 232,6 g·mol−1
GHS-
Kennzeichnung
06 – Giftig oder sehr giftig 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich
Gefahr[4]
06 – Giftig oder sehr giftig 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich
Gefahr[5]
H- und P-Sätze 300+310+330​‐​373​‐​410 330​‐​310​‐​300​‐​373​‐​410
keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze
260​‐​273​‐​280​‐​301+310+330​‐​302+352+310​‐​304+340+310[6] ?
Toxikologische Daten

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Methylquecksilber zeichnet sich durch eine hohe Affinität zu Schwefel, insbesondere Sulfhydrylgruppen, aus, wie sie zum Beispiel bei der Aminosäure Cystein vorkommen. Mit diesen ist es in der Lage, kovalente Bindungen zu knüpfen. In Fischen liegt Methylquecksilber – durch die hohe Affinität zu Schwefel – als Cysteinkomplex vor.

Methylquecksilberchlorid ist fettlöslich und hautgängig und kann so in den Körper gelangen.

Sicherheitshinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organische Quecksilberverbindungen sind sehr giftig und als umweltgefährlich eingestuft. Sie haben die Wassergefährdungsklasse 3 und gelten somit als stark wassergefährdend. Sie wirken toxisch auf das zentrale und periphere Nervensystem und schädigen in höheren Dosen zusätzlich Leber und Nieren sowie die Herzmuskulatur. Sie stören weiterhin die Immunantwort des Körpers. Bei der Arbeit sollten unbedingt spezielle beschichtete Schutzhandschuhe getragen werden, da z. B. Nitril-Handschuhe als Schutz nicht ausreichend sind.

Nachweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die analytische Bestimmung des Methylquecksilbergehalts in Umwelt- und Lebensmittelproben erfolgt üblicherweise mittels ICP-MS-Spektroskopie.[8]

Einer vergleichenden Studie aus dem Jahr 2008 des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zufolge können einzelne Fische exponierter Arten, wie Hai, Schwertfisch, „Schillerlocken“ und Thunfisch, die Höchstmenge von 1 mg/kg überschreiten.[9] Basierend auf die Wasserrahmenrichtlinie wurde unter Berücksichtigung der Sekundärtoxizität für Vögel und Säugetiere eine Umweltqualitätsnorm für gelöstes Methylquecksilber von 0,004 ng/l abgeleitet. Dieser Wert wird häufig überschritten.[10]

In südeuropäischen Ländern lag die durchschnittliche Konzentration von Methylquecksilber in Muttermilch bei 0,17–0,68 μg·kg−1.[11]

Globales Programm der Vereinten Nationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinten Nationen haben in ihrem United Nations Environmental Program Governing Council Quecksilber seit 2001 auf der Liste der regulierten Substanzen der globalen Umweltverschmutzungen.[12] 2013 wurde das Minamata-Übereinkommen zur Eindämmung der Quecksilberemissionen unterzeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Eintrag zu Methylquecksilberverbindungen in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. April 2011 (JavaScript erforderlich).
  2. Nicht explizit in Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP) gelistet, fällt aber mit der angegebenen Kennzeichnung unter den Gruppeneintrag organic compounds of mercury with the exception of those specified elsewhere in this Annex im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  3. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA): Grenzwerte am Arbeitsplatz 2015 – MAK-Werte, BAT-Werte, Grenzwerte für physikalische Einwirkungen, abgerufen am 2. November 2015.
  4. Eintrag zu Methylquecksilberchlorid in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 15. Mai 2018 (JavaScript erforderlich).
  5. Vorlage:CL Inventory/nicht harmonisiertFür diesen Stoff liegt noch keine harmonisierte Einstufung vor. Wiedergegeben ist eine von einer Selbsteinstufung durch Inverkehrbringer abgeleitete Kennzeichnung von Methylmercury hydroxide im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 15. Mai 2018.
  6. Datenblatt Methylmercury(II) chloride, PESTANAL bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 13. Mai 2017 (PDF).
  7. a b c Eintrag zu Methylmercuric chloride in der Hazardous Substances Data Bank, abgerufen am 23. Februar 2011.
  8. Umweltprobenbank des Bundes: Bestimmung von Methylquecksilberverbindungen in Umweltproben durch ICP-MS, März 2011, abgerufen am 2. September 2016.
  9. Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): Exposition mit Methylquecksilber durch Fischverzehr und Etablierung analytischer Methoden zur Bestimmung von Methylquecksilber in Fischereierzeugnissen, 2008, abgerufen am 2. September 2016.
  10. Derivation of a water-based quality standard for secondary poisoning of mercury
  11. Scientific Opinion on the risk for public health related to the presence of mercury and methylmercury in food. In: EFSA Journal. 10, 2012, S. 2985, doi:10.2903/j.efsa.2012.2985.
  12. DS Kim, K Choi: Global trends in mercury management. In: J Prev Med Public Health, 2012, 45(6), S. 364–373, PMID 23230466.