Mewat (Distrikt)

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Distrikt Mewat
मेवात जिला
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Haryana
Division: Gurgaon
Verwaltungssitz: Nuh
Fläche: 1.507 km²
Einwohner: 1.089.263 (2011)
Bevölkerungsdichte: 723 Ew./km²
Website: mewat.gov.in

Mewat (Hindi: मेवात, Urdu: ميوات Mevāt [meːˈʋɑːt̪]) ist ein Distrikt des indischen Bundesstaates Haryana und befindet sich südlich von Delhi. Verwaltungssitz des Distrikts ist die Stadt Nuh. Mewat bildet die Heimatregion der heute international operierenden islamischen Missionsbewegung Tablighi Jamaat. Der Distrikt nimmt ein Gebiet von 1.507 Quadratkilometern ein und hat gemäß der Volkszählung von 2011 eine Bevölkerung von knapp 1,1 Millionen Einwohnern. Größte Bevölkerungsgruppe sind die Meos, eine muslimische Bauernkaste, die für sich selbst rajputische Abstammung in Anspruch nimmt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mewat liegt im Süden Haryanas südlich von Delhi. Nachbardistrikte sind Gurgaon im Norden, Faridabad im Nordosten, Palwal im Osten sowie Bharatpur im Süden und Alwar im Südwesten. Die beiden letzteren gehören bereits zum Nachbarbundesstaat Rajasthan. Die Entfernung von der Distrikthauptstadt Nuh in das Zentrum Delhis beträgt rund 75 Kilometer.

Der Distrikt Mewat hat eine Fläche von 1.507 Quadratkilometern. Das Terrain ist größtenteils flach, im Westen bilden aber die nördlichsten Ausläufer des Aravalligebirges die Grenze des Distrikts. Der Distrikt Mewat ist in die vier Tehsils Taoru, Nuh, Ferozepur Jhirka und Punahana unterteilt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fort Indore in den Aravallibergen westlich von Nuh war eine der Hochburgen der Khanzadas.

Als „Land der Meos“ umfasste Mewat ursprünglich ein Gebiet, das größer war als der heutige Distrikt und auch die Region von Alwar, Bharatpur und Mathura einschloss. Nach ersten Militärexpeditionen gegen Mewat unter Iltutmish kam das Gebiet 1267 unter die Kontrolle des Sultanats von Delhi. Im 14. Jahrhundert trat ein bedeutender Teil der Meos unter dem Einfluss sufischer Prediger zum Islam über. Ende des 14. Jahrhunderts kam das Gebiet unter die Herrschaft der sogenannten Khanzadas, muslimischer Rajputen, die sich vom Sultanat von Delhi unabhängig machten und mit diesem in ständige Kriege verwickelt waren. Banden der Meos überfielen in dieser Zeit häufig Delhi und unternahmen in der Stadt Plünderungen. Der letzte der Khanzada-Herrscher wurde im März 1527 von Babur in der Schlacht von Khanwa besiegt. Damit wurde das Gebiet Teil des Mogulreiches, allerdings fungierten Angehörige der Khanzada-Familie weiter als Zamindare. Im 18. Jahrhundert besetzten Jats und Marathen die südlichen Teile der Mewat-Region.

Bis zu den 1920er Jahren waren die Meo-Bauern allein dem Namen nach Muslime, während sie in Wirklichkeit zahlreiche Hindu-Bräuche und -Feste beibehielten. Der Islam beschränkte sich bei ihnen auf einzelne Äußerlichkeiten wie die männliche Zirkumzision, die Nikah-Ehe und islamische Begräbnisriten. Nur wenige Meos waren mit der kalima, dem islamischen Glaubensbekenntnis, vertraut. Dies änderte sich erst, als 1926 Maulana Muhammad Ilyas in Nuh eine islamische "Glaubensbewegung" (tahrīk-i īmān) gründete und die Meos zur Erfüllung der islamischen Ritualpflichten aufforderte. Im Rahmen von Meo-Aufständen gegen die Hindu Rajas von Bharatpur und Alwar und der Abwehr der Missionsbemühungen der hinduistischen Arya Samaj-Gemeinschaft kam es in den 1930er Jahren zu einer beträchtlichen Schärfung der muslimischen Identität bei den Meos, die auch mit der Aufnahme islamischer missionarischer Aktivitäten einherging. Bis zum Tode von Maulana Muhammad Ilyas im Jahre 1944 schloss sich eine große Anzahl von Meos der von ihm gegründeten Tablighi Jamaat („Verkündigungsgemeinschaft“) an, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer internationalen islamischen Missionsbewegung weiterentwickelte.

Nach der Teilung Indiens im Jahre 1947 kam es in Mewat zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Meos und Hindus, denen mehrere Zehntausend Meos zum Opfer fielen.[1] Das Gebiet wurde, ohne eine politische oder administrative Einheit zu bilden, zunächst Teil des indischen Bundesstaates Punjab; nach dessen Teilung im November 1966 wurde es dem neugebildeten Staat Haryana zugeschlagen. Ein eigener Distrikt Mewat existiert erst seit dem 4. April 2005. Er wurde aus Teilen der bereits bestehenden Distrikte Gurgaon und Faridabad gebildet. Ein Teil des Distriktes wurde 2008 abgetrennt, um den neuen Distrikt Palwal zu bilden.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Volkszählung 2011 hat der Distrikt Mewat 1.089.263 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 723 Einwohnern pro Quadratkilometer über dem Durchschnitt Haryanas (573 Einwohner pro Quadratkilometer). Dabei ist der Distrikt Meo stark ländlich geprägt: Nur 11 Prozent der Distriktbevölkerung lebt in Städten (der Mittelwert Haryanas beträgt 35 Prozent). Nur 54 Prozent der Einwohner Mewats können lesen und schreiben, unter den Frauen sind es sogar nur 37 Prozent. Der Alphabetisierungsgrad liegt damit weit unter dem Durchschnitt Haryanas von 76 Prozent.[2]

Die größte Bevölkerungsgruppe in Mewat sind die muslimischen Meo. Zahlen über die Verteilung der Religionsgruppen liegen für die Volkszählung 2011 noch nicht vor. Bei der Volkszählung 2001 wurde im damaligen Distrikt Gurgaon, dessen südlicher Teil dem heutigen Distrikt Meo entspricht, eine bedeutende muslimische Minderheit von rund 620.000 Personen gezählt. Dies entspricht mehr als der Hälfte aller Muslime Haryanas.[3]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Distrikt Mewat ist in 4 Tehsils gegliedert:

Städte vom Status eines Municipal Committee sind:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. Burton-Page: Art. "Mēwāt" in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. VI, S. 1028b-1029a.
  • Alexander Horstmann: "'Um die Seelen buhlen': islamische Reiseprediger zwischen Mewat, Nordindien, und Tha Sala, Südthailand" in Sociologus: Zeitschrift für empirische Ethnosoziologie und Ethnopsychologie 58 (2008) 49-71.
  • Yoginder Sikand: "The Tablighi Jamaʿat and Sufism with Reference to the Meos of Mewat" in Nadeem Hasnain (ed.): Beyond textual Islam. New Delhi : Serials Publications 2008. S. 221–248.
  • Yoginder Sikand: "The reformist sufism of the Tablighi Jama'at: the case of the Meos of Mewat, India" in Martin van Bruinessen and Julia Day Howell (ed.): Sufism and the 'modern' in Islam. London [u.a.]: Tauris 2007. S. 129–148.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Distrikt Mewat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Sikand 2007, 138.
  2. Census of India 2011: Primary Census Abstract - Haryana (PDF; 634 kB).
  3. Census of India 2001: Basic Data Sheet. District Gurgaon (18), Haryana (06). (PDF; 54 kB)