Mexikaner (Cocktail)

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Mexikaner als Shot („Kurzer“)

Als Mexikaner wird ein alkoholisches Getränk bezeichnet, das hauptsächlich aus einer klaren Spirituose (ursprünglich Korn, oft auch Wodka oder Tequila), Tomatensaft, Sangrita, Tabascosauce, Salz und Pfeffer besteht. Die Rezeptur ähnelt insoweit dem Longdrink Bloody Mary, allerdings ist der Mexikaner deutlich stärker gewürzt und wird üblicherweise als Kurzer (engl. „shot“) in einem Schnapsglas serviert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Getränk hat seinen Ursprung in Hamburg, wo es der Gastronom Mike Colani nach eigenen Angaben erstmals 1987 in seiner Hard-Rock-Kneipe Steppenwolf auf St. Pauli servierte. Das Rezept habe er als Notlösung entwickelt, um den Geschmack eines billigen Obstbrand-Verschnitts zu überdecken, den er versehentlich anstelle von Korn eingekauft hatte und dessen schlechten Eigengeschmack er irgendwie übertünchen wollte.[1] Das Resultat kam an und wurde, nachdem der Obstler verbraucht war, nunmehr mit Korn gemixt auf die Karte gesetzt. Der Name geht auf den scharfen Geschmack zurück, der „irgendwie an Mexiko erinnerte“. Während Colani selbst den Shot nur ungern trank („Ich mochte das Zeug nie!“),[1] war der Mexikaner, der für nur 99 Pfennig über den Tresen ging, bei seinen Gästen äußerst beliebt. Schon bald kopierten auch andere Kiez-Wirte mit ähnlichen Rezepten die Idee, und über die Jahre avancierte das Getränk zum „Kult auf St. Pauli“.[2] Das Rezept für seine Originalmischung gab Colani allerdings erst bekannt, nachdem er seinen Betrieb im Jahr 2008 geschlossen hatte.

Inzwischen wird der Shot auch in anderen Städten serviert. Verbreitet sei er „weniger in Edelbars oder an Mixologen-Tresen, sondern vielmehr in Eckkneipen oder Kickerkneipen. Aber nicht nur.“[3] So sei der Tomatentrunk „ein hervorragender Agent, mit dem man Leute für Cocktails begeistern kann, (…) ein Katapult, mit dem man die Augen nicht nur zum Tränen bringen kann, sondern auch dazu, dass man sie für Cocktail-Kultur öffnet“.[3]

Zubereitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Originalmischung aus der Hamburger Kneipe Steppenwolf bestand aus 0,7 l Korn, 1,5 l Tomatensaft und 0,7 l Taki Taki oder Sangrita,[1] nach anderer Quelle aus 0,7 l Korn, 2,1 l Tomatensaft und 0,5 l Taki Taki.[2] Dieser Premix wurde dann mit je einem gehäuften Esslöffel Pfeffer und Salz sowie 3 cl Tabascosauce gewürzt und schließlich als vorgekühlter Shot ohne Eis in einem Schnapsglas serviert.

Wie bei vielen Cocktails und Mischgetränken variiert die Rezeptur je nach Anbieter. So wird der Mexikaner statt mit Korn auch mit anderen Spirituosen wie Wodka, Tequila oder Mezcal angeboten und kann weiterhin Zitronen- oder Limettensaft, Gewürze wie Chilipulver und Koriander oder auch Kräuter enthalten.[2] Ein Mexikaner sei „wie ein pikanter Smoothie“, man könne „unheimlich viel damit experimentieren“.[2] Inzwischen sind auch mehrere Fertigprodukte im Handel.

Im Vergleich zu anderen Shots enthält der Mexikaner nur wenig Alkohol. Die Zubereitung nach Originalrezept ergibt (je nach Variante und verwendetem Korn) einen Alkoholgehalt zwischen 6 und 9 % vol. Für einen Doppelkorn (38 % vol.) kann man also etwa fünf gleich große Mexikaner trinken; zehn Mexikaner à 2 cl enthalten zusammen etwas weniger Alkohol als ein Glas Bier (0,33 l bei 5 % vol.).[4] Laut Barkeeper Roman Lewandowski ist der Mexikaner ohnehin nicht geeignet, um sich damit zu betrinken, denn „die Vitamine und Elektrolyte des Drinks bewirken genau das Gegenteil“.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mexikaner (Cocktail) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Henning Cordes: Wie der „Mexikaner“ ein echter Hamburger wurde. NDR, 14. Mai 2015, abgerufen am 17. August 2015.
  2. a b c d Daniel Schaefer: Viva la Mexikaner – Der große Test (I). In: St. Pauli Blog. 2. Juni 2015, abgerufen am 20. August 2015 (Fortsetzung: Viva la Mexikaner – Der große Test (II)).
  3. a b c Stefan Adrian: Das kleine Scharfe. In: mixology.eu. 17. August 2015, abgerufen am 23. August 2015.
  4. Zugrundgelegt ist der Alkoholgehalt des vom NDR zitierten „Originalrezepts“. Zubereitet mit 32-prozentigem Korn ergeben sich 7,6 % vol. Mit 38-prozentigem Doppelkorn wären es 9 % vol.; das „Originalrezept“ aus dem St. Pauli Blog hat sogar nur 6,7 % vol. bzw. mit Doppelkorn 8 % vol., jeweils ohne Verdünnung durch Eis. Rechnung: 10 × 0,02 l x 7,6 % vol. = 15,2 ml reiner Alkohol in zehn Mexikanern, bzw. 0,33 l x 5 % = 16,5 ml Alkohol in einem Bier. In einem 0,02-l-Schnapsglas Doppelkorn mit 38 % vol. sind 7,6 ml Alkohol enthalten.