Mexikanische Chia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mexikanische Chia
Mexikanische Chia (Salvia hispanica)

Mexikanische Chia (Salvia hispanica)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Gattung: Salbei (Salvia)
Art: Mexikanische Chia
Wissenschaftlicher Name
Salvia hispanica
L.

Mexikanische Chia (Salvia hispanica) ist eine ursprünglich fast nur in Mexiko vorkommende Pflanzenart der Gattung des Salbei (Salvia) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Mindestens zwei Arten des Salbei werden unter dem Namen Chia wegen der oft Samen genannten Klausen kommerziell angebaut, die einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, Proteinen, Antioxidantien und Mineralstoffen aufweisen.[1][2][3]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Artepitheton hispanica bedeutet „spanisch“ und wurde von Linné irrtümlich vergeben, da die Pflanze, von Mexiko importiert, auch in Spanien kultiviert wurde. Das spanische Wort Chía ist aus der Nahuatl-Sprache abgeleitet (chian oder chiyan) und wird auch für andere Arten gebraucht, die ähnlich eingesetzt werden, beispielsweise Kalifornische Chia (Salvia columbariae). Er ist nicht zu verwechseln mit mehreren Salbei-Arten, die Spanischer Salbei genannt werden, beispielsweise Salvia lavandulifolia, heute eine Varietät von Salvia officinalis: Salvia officinalis subsp. lavandulifolia.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salvia hispanica ist eine einjährige krautige Pflanze. Diese Pflanzenart erreicht Wuchshöhen von bis zu 1,75 Meter. Die gegenständigen Laubblätter sind 4 bis 8 cm lang und 3 bis 5 cm breit. Die Blüten sind blau oder weiß und stehen in zahlreichen Scheinquirlen.[4]

Kultivierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vorspanischer Zeit war S. hispanica in Mexiko ein bedeutendes Agrarerzeugnis, das als Nahrungsmittel, zu medizinischen Zwecken und zur Ölgewinnung genutzt wurde. Nach Einschätzung von Wirtschaftshistorikern war Chia als Grundnahrungsmittel ebenso bedeutsam wie Mais, örtlich auch von größerer Bedeutung. Aztekencodices aus dem 16. Jahrhundert wie der Codex Mendoza und der Codex Florentinus geben umfangreiche Auskunft über die Nutzung von Chia und weisen darauf hin, dass Ackerland im großen Umfang für seinen Anbau genutzt wurde. 21 der zuletzt 38 Tributprovinzen des Aztekenreiches lieferten Chia als Abgabe; nach der Unterwerfung der Azteken durch die spanischen Eroberer brach der Chiaanbau jedoch rasch ein.

Eine ethnobotanische Auswertung von Quellen aus dem 16. und späteren Jahrhunderten deutet darauf hin, dass Primärnutzen von Chia überwiegend medizinischer Natur war; hierbei wird Chia (überwiegend die Samen, nur vereinzelt andere Pflanzenteile) als Bestandteil bzw. Zutat eines Rezeptes beschrieben. Die damit zu behandelnden Leiden werden oft nur ungenau beschrieben und lassen sich keiner modernen Diagnose zuordnen.

Zur Ernährung wurden die Samen ganz und gemahlen, Samenschleim und Öl genutzt. Gängig war es in vorspanischer Zeit, die Samen zu rösten und zu einem Mehl namens Chianpinolli zu mahlen, vergleichbar mit der Verarbeitung von Mais, mit dem Chia auch zusammen verarbeitet wurde. Das Mehl wurde zur Herstellung von Tortillas, Tamales und verschiedenen Getränken, Chianatoles, genutzt. Nach 1600 nahm die Beliebtheit eines aus den ganzen Samen gewonnenen Erfrischungsgetränkes zu. Auf dem Höhepunkt seiner Verbreitung im 18. und 19. Jahrhundert wurde es von Straßenverkäufern und Wirtsleuten in ganz Mexiko angeboten. Im Gegensatz zu den medizinisch bestimmten Getränken ist dabei der Wasseranteil höher, die Konsistenz dünnflüssiger; Zitrone und Zucker oder Fruchtsaft werden dazugegeben. Diese Zubereitung ist heute noch als „agua de Chia“ oder „Chia fresca“ bekannt. Der Konsum von gemahlenem Chia ist dagegen allgemein außer Gebrauch gekommen.

Chiaöl wurde zu kosmetischen und künstlerischen Zwecken gebraucht. Insbesondere wurden – und werden bis heute – handgearbeitete Gefäße zur Herstellung einer glänzenden Oberfläche mit einem Firnis aus Chiaöl behandelt. Auch für Körperbemalung war Chiaöl der Grundstoff.[5]

Heutiger Anbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultiviert wird Chia inzwischen nicht nur in Zentralmexiko und Guatemala, sondern auch nachhaltig in mehreren Ländern Südamerikas und in Australien.[6] Es gibt weiße und schwarze Samen. Bei den Azteken war Chia eine wichtige Nahrungspflanze, sie geriet aber bei den Nachkommen fast wieder in Vergessenheit. Chiasamen sind nicht nur für den Menschen ein Lieferant von Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien; sie werden auch als Futter für Hühner verwendet, um deren Eier mit Omega-3-Fettsäuren anzureichern. Die Aussaat erfolgt im späten Frühling, die Blüte ist im September, der Samen wird im Herbst geerntet. Die Pflanze wird wegen der Gefahr von Fäulnis nur in Gegenden ohne übermäßigen Regenfall kultiviert.

Chia-Samen
Chia-Samen vergrößert, Länge eines Samens ca. 2 mm

Nahrungsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zubereitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Jahrhunderten werden in Nord- und Mittelamerika von Ureinwohnern die Samen des Chia roh oder getrocknet gegessen und in Soßen oder als Verdickungsmittel benutzt. Wenn sie in Wasser eingelegt werden, bilden die Samen eine äußerst schleimige Polysaccharidschicht.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chiasamen enthalten bis zu 38 % Chiaöl, 18 bis 23 % Proteine, ca. 40 % Kohlenhydrate und die Vitamine A, Niacin, Thiamin, Riboflavin und Folsäure.[7] Außerdem sind die Mineralstoffe Kalzium, Phosphor, Kalium, Zink und Kupfer sowie Antioxidantien enthalten. Chiasamen enthalten nur wenig Natrium. Der Rest sind Ballaststoffe, die in Wasser teilweise zu Schleim werden. Schwarze und weiße Samen unterscheiden sich im Nährstoffgehalt nicht.

Das Chiaöl enthält α-Linolensäure. Gemessen am Gesamtfettanteil, lässt sich die Zusammensetzung in 55 % Omega-3, 18 % Omega-6, 6 % Omega-9 und 10 % gesättigte Fettsäuren aufschlüsseln.[8][3]

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Chiasamen in Europa traditionell nicht in nennenswertem Maße konsumiert wurden, fallen sie in der Europäischen Union als neuartige Lebensmittelzutat unter die Novel-Food-Verordnung und sind zulassungspflichtig. Sie wurden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA) erstmals 2009 zur Verwendung in Broterzeugnissen mit einem Höchstgehalt von 5 % Chiasamen zugelassen. Die EFSA hatte sich 2005 zunächst noch geweigert, Chiasamen als sicher zu bewerten, da das antragstellende Unternehmen ihrer Ansicht nach Unsicherheiten über die Zusammensetzung und Sicherheit von Chiasamen nicht hatte ausräumen können. Informationen zur Verwendung in moderner Zeit außerhalb Europas lägen ebenfalls nicht in ausreichendem Maße vor.[9] Nachdem daraufhin ein anderes Unternehmen den Antrag übernahm und weitere Daten lieferte, gelangte die EFSA zu der Ansicht, dass es unwahrscheinlich sei, dass sich die Verwendung von Chiasamen und gemahlenen Chiasamen in Broterzeugnissen schädlich auf die Gesundheit auswirkt, so dass der Antrag positiv beschieden wurde.[10] 2013 wurden Chiasamen auf einen weiteren Antrag hin für Backwaren, Frühstückscerealien und Mischungen aus Früchten, Nüssen und Samen mit jeweils 10 % Höchstgehalt zugelassen; weiterhin dürfen dieser Zulassung zufolge Chiasamen als solche verkauft werden, jedoch nur vorverpackt mit einer Kennzeichnung, dass höchstens 15 g pro Tag aufgenommen werden dürfen.[11] Im Dezember wurde auf Antrag eines chilenischen Unternehmens auch die Verwendung in Pflanzenölen (höchstens 10 %) und Nahrungsergänzungsmitteln (Höchstaufnahme 2 g am Tag) zugelassen.[12]

Chiasamen werden immer wieder als Superfood bezeichnet und mit verschiedenen Gesundheitsversprechen beworben,[13] die zum Teil als Marketing-Hype betrachtet werden. Bislang gibt es jedoch lediglich einige wenige Anzeichen für mögliche positive gesundheitliche Wirkungen. Eine abschließende wissenschaftliche Beurteilung ist daher nicht möglich. Keine Studie konnte bislang nachweisen, dass Chiasamen beim Abnehmen helfen.[14] Durch ihr Quellvermögen wirken sie allerdings wie Ballaststoffe und können ein sättigendes Empfinden oder eine stopfende Wirkung entfalten. Ihr Nährstoffgehalt und ihre Wirkung auf die Verdauung sind vergleichbar mit Leinsamen.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mexikanische Chia (Salvia hispanica) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Salvia hispanica bei Plants For A Future. Abgerufen am 8. April 2014.
  2. Stephanie Strom: 30 Years After Chia Pets, Seeds Hit Food Aisles. In: New York Times. 24. November 2012, abgerufen am 17. Dezember 2013 (englisch).
  3. a b Roland Mühlbauer: Chia-Samen: Wirklich ein Superfood?, Webseite der Apotheken-Umschau vom 24. Juni 2015, abgerufen am 22. September 2015.
  4. Anderson, A.J.O. und Dibble, C.E.: An Ethnobiography of the Nahuatl, The Florentine Codex, Buch 10 und 11
  5. Joseph P. Cahill: Ethnobotany of Chia, Salvia hispanica L. (Lamiaceae). In: Economic Botany. Band 57, Nr. 4, Dezember 2003, S. 604–618, doi:10.1663/0013-0001(2003)057[0604:EOCSHL]2.0.CO;2.
  6. laut Website eines australischen Herstellers
  7. Full Report (All Nutrients): 12006, Seeds, chia seeds, dried
  8. Nutrition Facts – Seeds, chia seeds, dried
  9. EFSA (Hrsg.): Opinion of the Scientific Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies on a request from the Commission related to the safety of chia (Salvia hispanica L.) seed and ground whole chia seed as a novel food ingredient intended for use in bread (Request N° EFSA-Q-2005-059). ([1] (PDF; 213,6 kB) [abgerufen am 29. März 2017]).
  10. 2009/827/EG: Entscheidung der Kommission vom 13. Oktober 2009 über die Zulassung des Inverkehrbringens von Chiasamen (Salvia hispanica) als neuartige Lebensmittelzutat gemäß der Verordnung (EG) Nr. 258/97 des Europäischen Parlaments und des Rates. In: Amtsblatt der Europäischen Union. Nr. L 294 vom 11. November 2009, S. 14
  11. 2013/50/EU: Durchführungsbeschluss der Kommission vom 22. Januar 2013 über die Genehmigung einer Erweiterung der Verwendungszwecke von Chiasamen (Salvia hispanica) als neuartige Lebensmittelzutat gemäß der Verordnung (EG) Nr. 258/97 des Europäischen Parlaments und des Rates (Bekanntgegeben unter Aktenzeichen C(2013) 123)
  12. Durchführungsbeschluss der Kommission vom 8. Dezember 2014 zur Genehmigung des Inverkehrbringens von Chiaöl (Salvia hispanica) als neuartige Lebensmittelzutat gemäß der Verordnung (EG) Nr. 258/97 des Europäischen Parlaments und des Rates (PDF)
  13. https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2015/feb/15/truth-about-miracle-foods-chia-seeds-coconut-oil
  14. Ulbricht et al.: Chia (Salvia hispanica): a systematic review by the natural standard research collaboration, 2009, Rev Recent Clin Trials, Volume 4, Issue 3, p. 168–74, http://www.eurekaselect.com/85367/article
  15. Bettina Levecke: Chia-Samen: Superfood – super gut? In: Spiegel Online. 17. Oktober 2015, abgerufen am 23. Oktober 2015.