Miastko

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Miastko
Wappen von Miastko
Miastko (Polen)
Miastko
Miastko
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Bytów
Fläche: 15,68 km²
Geographische Lage: 54° 0′ N, 16° 59′ OKoordinaten: 53° 59′ 59″ N, 16° 58′ 35″ O
Höhe: 120 m n.p.m.
Einwohner: 10.801
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 77-200
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GBY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 20 StargardGdynia
DK 21 Miastko–Słupsk
DW 206 Koszalin–Miastko
Schienenweg: PKP-Strecke405: Szczecinek–Słupsk
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 75 Ortschaften
30 Schulzenämter
Fläche: 467,19 km²
Einwohner: 19.983
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 43 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2201063
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Roman Ramion
Adresse: ul. Grunwaldzka 1
77-200 Miastko
Webpräsenz: www.miastko.pl



Miastko [ˈmʲastkɔ] (deutsch Rummelsburg) ist eine Stadt mit etwa 11.000 Einwohnern (Stand 30. Juni 2014) und Sitz einer gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde im Powiat Bytowski (Bütow) in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Hinterpommern, am Fluss Stüdnitz (Studnica) in einer bergigen Landschaft, etwa 58 Kilometer südöstlich der Stadt Köslin und 53 Kilometer südlich der Stadt Stolp. Durch das tiefe Tal der Stüdnitz wird das Stadtgebiet in mehrere Teile zergliedert.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rummelsburg südlich von Stolpmünde an der Ostsee und östlich von Belgard an der Persante auf einer Landkarte von 1910.
Stadtkirche (bis 1945 evangelisch, erbaut 1730)

Bereits in vorgeschichtlicher Zeit siedelten Menschen auf dem Gebiet des späteren Rummelsburg/ Miastko. Es wurden Steinbeile aus der Steinzeit, Steinkistengräber mit Gesichtsmasken aus der Bronzezeit sowie ein umfangreicher Münzfund (arabische und germanische Münzen) aus der slawischen Phase zu Tage gefördert.

Die erste Erwähnung des Dorfes Rummelsburg im Herzogtum Pommern stammt aus dem Jahre 1478, schon zu dieser Zeit war es im Besitz der Familie von Massow. In der Lehnsurkunde Herzog Bogislaws X. an dessen Marschall Ewald von Massow auf Woblanse von 1506 wurde der Ort als ein Städtchen bezeichnet. Tatsächlich befand sich Rummelsburg unter einer absolutistischen Herrschaft der Massows.

Als 1590 der Pfarrer wegen Gottlosigkeit seines Amtes enthoben wurde, rügte der Visitator gleichfalls u.a. den ruinösen Zustand der Kirche und die Allmacht der Massows, die alle 13 Kirchpatrone stellten. Auch die Ernennung des Richtvogts und von Ratsherren maßten sich die Adligen an.

1616 kam es deshalb zum Aufstand der Rummelsburger Bürger, die 1617 durch das Hofgericht Stettin das Stadtrecht zuerkannt bekamen. Doch änderte auch der Richterspruch nichts an den tatsächlichen Verhältnissen, weil die Massows der Bürgerschaft auch weiterhin jegliche Rechte verweigerten. Die Unruhen in der Stadt zogen sich noch bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges hin. 1628 wurde Rummelsburg beim Abzug der kaiserlichen Truppen, die sich dort ein Jahr lang festgesetzt hatten, niedergebrannt.

1637 kam Rummelsburg zu Schweden und seit 1657 wurde es Teil von Brandenburg. Nach Beendigung der Kriegshandlungen erfolgte der Wiederaufbau. Während des Schwedisch-Polnischen Krieges fielen die Polen in die Stadt ein und plünderten und brandschatzten sie. 1670 musste die Ruine der Kirche abgerissen werden, 1719 brannte Rummelsburg vollständig nieder.

Altes Wappen

Unter Friedrich Wilhelm I. wurde Rummelsburg 1721 Garnisonsstadt, im gleichen Jahr setzte der Soldatenkönig persönlich das lübische Stadtrecht durch.

Zur Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Rummelsburg zu einer Tuchmacherstadt und 100 Jahre später begann die Industrialisierung. 1840 nahm die erste Dampfspinnerei den Betrieb auf und von 1849 bis 1876 bestand eine Webmeisterschule. Im Jahre 1878 wurde eine Eisenbahnverbindung hergestellt. Zwischen 1816 und 1945 war die Stadt Sitz des Landkreises Rummelsburg.

Bis 1945 produzierten vier Tuchfabriken in der Stadt, außerdem waren noch holzverarbeitende Betriebe ansässig.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs fanden im Frühjahr 1945 in Rummelsburg heftige Kämpfe statt, ehe die Stadt am 2. März 1945 von der Roten Armee erobert wurde. Die Stadt wurde dabei zu 45 % zerstört. Kurz nach der sowjetischen Besetzung wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Unter der polnischen Verwaltung wurde bereits am 14. März 1945 das neue Kreisgebiet (Powiat) eröffnet.

Es begann nun die Zuwanderung polnischer und ukrainischer Zivilisten, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen Bevölkerung bemächtigten und die Einwohner daraus verdrängten. Die meisten Polen und Ukrainer, die zunächst in Rummelsburg eintrafen, hatten völkischen Minderheiten in Gebieten östlich der Curzon-Linie angehört. Diese Gebiete waren nach dem Ersten Weltkrieg bis 1923 erobert worden – hauptsächlich im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) – und mussten nach Ende des Zweiten Weltkriegs an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige von Minderheiten in diesen Gebieten waren an ihren Heimatorten von der Sowjetkommandantur vor die Wahl gestellt worden, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder aussiedeln zu müssen.

In der darauf folgenden Zeit wurden die in Rummelsburg verbliebenen Einwohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Während eines Transports am 3./4. Januar 1947 von rund 2.500 Personen aus Rummelsburg und aus dem Kreisgebiet zum Zwischenlager Stettin-Frauendorf kamen 28 Menschen durch Unterkühlung ums Leben.[3] Die Stadt bekam den polnischen Namen Miastko.

Infolge zweier Verwaltungsreformen 1946 und 1950 kam Miastko erst in die Woiwodschaft Stettin (Szczecin), dann Koszalin (Köslin).

Zwischen 1945 und 1955 wüteten sieben große Brände, die umfangreiche Teile der Stadt zerstörten.

1963 wurde die Handschuh- und Lederbekleidungsfabrik (Fabryka Rękawiczek i Odzieży Skórzanej) eröffnet, die für viele Jahre Stolz und wichtigster Wirtschaftsfaktor der Stadt werden sollte. Die nächste Reform des Jahres 1975 brachte Miastko zur Woiwodschaft Słupsk (Stolp). Die Verwaltungsreform von 1999 machte Miastko zur Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) im Powiat Bytowski (Bütow).

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1740 968 [4]
1782 1.232 keine Juden[4]
1791 1.297 darunter 24 Juden[5]
1794 1.307 darunter 24 Juden[4]
1812 1.682 darunter zwei Katholiken und 49 Juden[4]
1816 2.129 darunter vier Katholiken und 106 Juden[4]
1831 2.434 darunter acht Katholiken und 122 Juden[4]
1843 3.209 darunter 27 Katholiken und 123 Juden[4]
1852 3.818 darunter 22 Katholiken und 121 Juden[4]
1861 4.241 darunter 14 Katholiken und 147 Juden[4]
1871 4.707 [6]
1890 5.080 darunter 32 Katholiken und 155 Juden[7]
1905 5.453 [6]
1925 6.682 darunter 6.319 Evangelische, 188 Katholiken und 68 Juden[8]
1933 7.687 [9]
1939 8.516 [10]
1960 8.100
1975 9.800
2003 11.100

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtkirche wurde als spätbarocker Bau ab 1730 errichtet und 1733 als evangelisches Gotteshaus geweiht. 1904 erhielt sie einen Turm angebaut, dessen Oberteil bereits 1917 wegen Bauschäden abgetragen werden musste. 1927 wurde ein neuer Turmhelm aufgesetzt; die Turmspitze bildet bis heute eine Wetterfahne mit der Jahreszahl „1927“.[11] In dieser Kirche wurde die Ehefrau des berühmten preußischen Generalfeldmarschalls Gebhard Leberecht von Blücher beigesetzt.

Nach 1945 eignete sich die polnische katholische Kirche das Gebäude an und nutzt es seitdem als katholisches Kirchengebäude.

Kriegerdenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs von Bildhauer Emil Cauer dem Jüngeren geschaffene Denkmal zeigte auf hohem Sockel einen Krieger im Ordensmantel. Es wurde am 17. Oktober 1926 [12] eingeweiht. Nach 1945 ersetzten polnische Behörden die Gestalt eines Deutschordensritters auf dem Sockel durch einen polnischen Adler.[13]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2000 ging Miastko eine Städtepartnerschaft mit Bad Fallingbostel ein. Es gibt auch eine Partnerschaft mit dem französischen Périers.

Zudem ist Miastko Mitglied im Partnerschaftsbund der Euroregion Pomerania.[14]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Miastko liegt an der Bahnstrecke Piła–Ustka. Bis 1945 endete hier die Bahnstrecke Bütow–Rummelsburg (Pom).

Gmina (Gemeinde) Miastko[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Miastko umfasst eine Fläche von 467,19 km² und zählt mehr als 19.600 Einwohner.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Miastko gehören 75 Ortschaften, die in 30 Ortsteile („Schulzenämter“) gegliedert sind.

Der Nordwestteil der heutigen Gmina Miastko im Jahre 1933
  • Ortsteile:
Polnischer Name Deutscher Name
Biała Bial
Bobięcino Papenzin
Chlebowo Kornburg
Czarnica Scharnitz
Dolsko Dulzig
Dretyń Treten
Dretynek-Trzcinno Tretenwalde-Rohr
Głodowo Gloddow
Kamnica Kamnitz
Kawcze Kaffzig
Kwisno-Szydlice Gewiesen-Heinrichsbrunn
Lubkowo Georgendorf
Miastko Rummelsburg
Miłocice Falkenhagen
Okunino-Kowalewice Wocknin-Julienhof
Pasieka Karlstal
Piaszczyna Reinwasser
Popowice Puppendorf
Przęsin Hansberg
Role-Żabno Grünwalde-Saaben
Słosinko Reinfeld-Hammer
Świerzenko Klein Schwirsen
Świerzno Groß Schwirsen
Świeszyno Schwessin
Turowo Steinau
Wałdowo Waldow
Węgorzynko Vangerin
Wołcza Mała Klein Volz
Wołcza Wielka Groß Volz
  • Übrige Ortschaften:
  • Białuń (Biallen)
  • Borzykowo (Voßflöte)
  • Byczyna
  • Cicholas (Schlößchen)
  • Cieszanowo (Petershof)
  • Cisy (Alt Julienhof)
  • Domanice (Charlottenhof)
  • Gatka (Gadgen)
  • Gołębsko (Wernershof)
  • Gomole (Gomellental)
  • Grądzień (Gründen)
  • Jeżewsko (Gesifzig)
  • Kawczyn (Kaffziger Mühle)
  • Klewno (Klöwstein)
  • Kołacin (Louisenhof)
  • Krzeszewo (Buchthal)
  • Łąkoć (Alt Fließhof)
  • Łaziska
  • Lipczyno (Lepzin)
  • Łodzierz (Hanswalde)
  • Łosośniki (Lauterbach Fh.)
  • Malęcino (Mallenzin)
  • Męciny (Waldower Mühle)
  • Obrowo (Friederikenfelde)
  • Olszewiec (Wolschewitz)
  • Ostrowo (Alt Wustrow Mühle)
  • Ponikła (Ponickel)
  • Potok (Pottack)
  • Potok Młyn (Pottack Mühle)
  • Pożyczki (Juliushof)
  • Przemkowo (Antoinettenhof)
  • Przeradz (Heinrichsdorf)
  • Stachowo (Stachswalde)
  • Studnica (Ackermühle)
  • Świerznik
  • Świeszynko (Neu Schwessin)
  • Toczeń (Magdalenenhöhe)
  • Trzebieszyno (Klarashöhe)
  • Tursko (Turzig)
  • Węglewo (Marienhütte)
  • Wiatrołom (Viartlum)
  • Zadry (Jacobshausen)
  • Zajączkowo (Jägerhaus I)
  • Żarna (Gewiesener Mühle)
  • Znakowo (Schnakenkaten)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, 2. Band : Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Cößlin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 779–782.
  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 339–340 (Volltext).
  • Unser Pommerland Jg. 10, H. 5: Schlawe-Rummelsburg.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gmina Miastko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Heinrich Berghaus: Geschichte der barometrischen Höhenbestimmung von Berlin und Dresden. Berlin 1836, S. 59.
  3. Günter Böddeker: Die Flüchtlinge - Die Vertreibung der Deutschen im Osten. 3. Auflage, Ullstein, Ulm 1997, ISBN 3 548 34322 8, S. 405–406.
  4. a b c d e f g h i Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 340.
  5. Christian Friedrich Wutstrack (Hrsg.): Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung des königlich-preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Stettin 1793, Übersichtstabelle auf S. 736.
  6. a b Der Kreis Rummelsburg. Ein Heimatbuch. Pommerscher Buchversand, Hamburg 1979, S. 230.
  7. http://www.verwaltungsgeschichte.de/rummelsburg.html#ew39rumlarum
  8. http://stadt.rummelsburg.kreis-rummelsburg.de/
  9. Wohnbevölkerung am Tag der Volkszählung am 16. Juni 1933, abgedruckt in: Der Kreis Rummelsburg. Ein Heimatbuch. Pommerscher Buchversand, Hamburg 1979, S. 594.
  10. Wohnbevölkerung am Tag der Volkszählung am 17. Mai 1939, abgedruckt in: Hans-Ulrich Kuchenbäcker (Bearb.): Der Kreis Rummelsburg. Ein Schicksalsbuch. Pommerscher Zentralverband, Lübeck 1985, S. 357.
  11. Die Pommersche Zeitung. Nr. 15/2009, S. 8.
  12. Die Pommersche Zeitung. vom 14. Dezember 1996
  13. Die Pommersche Zeitung. Nr. 46/2008, S. 8.
  14. Euroregion Pomerania - Gebiet und Partner (Memento vom 17. November 2015 im Internet Archive), abgerufen am 13. November 2015