Michael A. Musmanno

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Michael A. Musmanno (zweiter von rechts) beim Pohl-Prozess (1950)

Michael Angelo Musmanno (* 7. April 1897 in Stowe, Allegheny County, Pennsylvania; † 12. Oktober 1968 in Pittsburgh, Pennsylvania) war ein US-amerikanischer Jurist, Marineoffizier, Richter in Pennsylvania und in drei Nachfolgeprozessen des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses in Nürnberg.

Musmanno wurde in einem Industriequartier einige Kilometer westlich von Pittsburgh geboren. Als Jugendlicher arbeitete er in Kohlebergwerken und Stahlfabriken, um sich sein Jurastudium zu finanzieren.

Als die USA in den Zweiten Weltkrieg eintraten, war Musmanno Richter im Allegheny County. Aufgrund seines Richteramtes wäre er vom Militärdienst befreit gewesen. Er diente trotzdem freiwillig in der US Navy und wurde mehrfach ausgezeichnet. Am Ende des Krieges wurde er dem amerikanischen Militärgericht in Nürnberg zugeteilt, wo er an drei der Nachfolgeprozesse des Nürnberger Prozesse mitwirkte:

Während seiner Zeit in Deutschland beschäftigte er sich intensiv mit den Geschehnissen im Führerbunker die zu Hitlers Tod führten. Dafür unterhielt er sich mit einer Vielzahl von Augenzeugen. Zudem wurden Filmaufnahmen von Interviews mit zwanzig dieser Augenzeugen angefertigt, unter anderem mit Traudl Junge und Artur Axmann. Die Ergebnisse seiner Recherchen publizierte er 1950 im Buch In 10 Tagen kommt der Tod (orig.Titel: Ten days to die). 2013 wurden zudem erstmals die Filmaufnahmen im Dokumentarfilm Zeugen des UntergangsDie verschollenen Interviews von 1948 verwendet.[1][2]

Nach seiner Tätigkeit in Nürnberg kehrte er nach Pennsylvania zurück, wo er 1951 zum Richter am Obersten Gerichtshof des Staates gewählt wurde und 1952 dieses Amt antrat. Er übte es bis zu seinem Tod 1968 aus.

Musmannos Grab auf dem Nationalfriedhof Arlington

Als Autor hat Musmanno mehrere Sachbücher verfasst. Seine Kurzgeschichte Jan Volkanik war 1936 die Vorlage für das Drehbuch des Dramas In blinder Wut von Michael Curtiz.

Musmanno ist auf dem amerikanischen Nationalfriedhof Arlington begraben.

Werke[Bearbeiten]

  • In 10 Tagen kommt der Tod (orig.Titel: Ten days to die), Droemersche Verlagsanstalt, München 1950.
  • The Eichmann Kommandos, Macrae Smith, Philadelphia, 1961.
  • An American replies to a defamation of the Italians, 1965.
  • Hitlers letzte Zeugen, Herbig, München, 2004 (Neuauflage von In 10 Tagen kommt der Tod[3]).

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Kloft: Zeugen des Untergangs – Die verschollenen Interviews von 1948. SAT 1, 29. April 2013

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Claudia Tieschky: "Zeugen des Untergangs" auf Sat.1: Auf eine Zigarette mit Hitlers Friseur. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (http://www.sueddeutsche.de/medien/zeugen-des-untergangs-auf-sat-auf-eine-zigarette-mit-hitlers-friseur-1.1660074, abgerufen am 28. August 2015).
  2.  Zeugen des Untergangs: Die verschollenen Interviews von 1948. In: Spiegel Online. 2013-04-22 (http://www.spiegel.de/sptv/reportage/spiegel-tv-reportage-die-verschollenen-interviews-von-1948-a-895834.html, abgerufen am 28. August 2015).
  3.  Von Bernd Oswald: Rezension "Hitlers letzte Zeugen": Schrecklich authentisch. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (http://www.sueddeutsche.de/politik/rezension-hitlers-letzte-zeugen-schrecklich-authentisch-1.886524, abgerufen am 28. August 2015).