Michael Ashcroft, Baron Ashcroft

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Lord Ashcroft

Michael Anthony Ashcroft, Baron Ashcroft, KCMG (* 4. März 1946) ist ein britischer Geschäftsmann und war für die Conservative Party politisch aktiv.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ashcroft machte am Mid-Essex Technical College einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften. Von 1967 bis 1969 war er Management-Trainee bei Carreras Tobacco.[1] Anschließend war er für das Dienstleistungsunternehmen Pritchard Group Services tätig. 1972 gründete Ashcroft seine eigene Firma und übernahm 1974 das unprofitable Reinigungsunternehmen Uni-Kleen zum symbolischen Preis von £1, sanierte es und verkaufte es für £1,3 Millionen.[2][3]

1977 erwarb er den notleidenden Hersteller von Camping-Ausrüstung Hawley Goodall; durch eine Reihe weiterer Übernahmen wandelte Ashcroft das Unternehmen in eine Dienstleistungs-Gruppe, deren Portfolio Hausmeistertätigkeiten, Auto-Auktionen und Sicherheitsdienste umfasste. 1981 expandierte Hawley in die USA, und der Umsatz stieg auf $27 Millionen.

1986, nach der Übernahme seines einstigen Arbeitgebers Pritchard Services, betrugen die Umsätze mehr als $1,3 Mrd. 1987 übernahm Hawley für $50 Millionen die in Indianapolis ansässige Crime Control Inc. und fokussierte unter dem neuen Namen ADT Inc. auf Sicherheitsdienstleistungen; andere Geschäftsbereiche gingen an Integrated Service Solutions. 1997 schlüpfte ADT für $6,7 Mrd. unter den Börsenmantel des US-Konglomerates Tyco International.[4]

Büste Ashcroft

Ashcroft, der auch Staatsbürger von Belize ist, wurde am 20. Oktober 2000 zum Life Peer als Baron Ashcroft, of Chichester in the county of West Sussex erhoben und wurde Mitglied des House of Lords. In diesem Jahr wurde ihm auch der Order of St. Michael and St. George verliehen.

Von 1998 bis 2001 war er Seniorparteischatzmeister der Tories. Er war von 2005[5] bis 2010[6] stellvertretender Vorsitzender der Conservative Party. Seit 2007 ist er Schatzmeister der International Democratic Union.

Michael Ashcroft hatte bis 2010 keinen offiziellen Wohnsitz im Vereinigten Königreich, da er auf diese Weise für seine Unternehmen die Regeln des Steuerparadieses Belize in Anspruch nehmen konnte. Sein Status führte dazu, dass 2010 vom Parlament ein Gesetz erlassen wurde, das Angehörige beider Kammern des Parlamentes dazu verpflichtet, aus steuerlichen Gründen einen Wohnsitz in Großbritannien anzumelden. Diesem Gesetz folgte Ashcroft 2010, obwohl er bereits im Jahr 2000 dem damaligen Parteivorsitzenden der Conservative Party William Hague seine Zusage gegeben hatte, bis zum Ablauf des Jahres einen Wohnsitz im Vereinigten Königreich anzumelden.[7] Am 31. März 2015 gab Lord Ashcroft bekannt, dass er mit sofortiger Wirkung seinen Sitz im House of Lords aufgeben werde und offiziell keinen Wohnsitz mehr im Vereinigten Königreich habe. Nach einem 2014 verabschiedeten Gesetz kann er mit diesem Schritt seinen Titel weiterhin führen. Er wolle, wie er erklärte, sich nun verstärkt auf seine Tätigkeit als Meinungsforscher und Publizist konzentrieren und würde nun die Steueregelungen für nicht ständig in Großbritannien Wohnhafte wieder in Anspruch nehmen können.[8]

Am 7. November 2017 wurde Ashcroft vor laufender Kamera von einem BBC-Reporter nach einer eventuellen Beteiligung an den Paradise Papers gefragt. Ashcroft wandte sich wortlos ab und ging schweigend fort. Der Reporter ließ jedoch nicht locker und folgte ihm. Fast zwei Minuten war Ashcroft zu sehen, wie er schnellen Schrittes wort- und ziellos durch eine Ausstellungshalle ging, während der Reporter ihn immer wieder nach den Paradise Papers fragte ohne eine Antwort zu erhalten. Schließlich flüchtete sich Ashcroft in eine Toilette.[9]

Privat betätigt sich Ashcroft als Sammler von Victoria-Kreuzen und Georgs-Kreuzen. Er besitzt die größte private Kollektion weltweit, die sich als Leihgabe in der nach ihm benannten Ashcroft Gallery im Imperial War Museum in London befindet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Ashcroft: Dirty Politics Dirty Times. Biteback, 2009, ISBN 1-84954-009-8 (lordashcroft.com [PDF]).
  2. @1@2Vorlage:Toter Link/www.managementtoday.co.uk (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  3. Ashcroft: The Tories’ troublesome tycoon. BBC News. 31. März 2000.
  4. Andrew Clark and Robert Shrimsley: The City spotlight falls once again on ‘Daddy Warbucks’. In: The Daily Telegraph, 14. Juli 1999. Archiviert vom Original am 29. März 2002. Abgerufen am 12. April 2008. 
  5. Lord Ashcroft: why it’s time I moved on In: The Daily Telegraph. 18. September 2010, abgerufen am 1. April 2015.
  6. Michael Fallon named Conservative Party deputy chairman. In: The Daily Telegraph. 22. September 2010, abgerufen am 1. April 2015.
  7. Lord Ashcroft gives up non-dom status, Tories confirm. In: The Guardian. 7. Juli 2010, abgerufen am 1. April 2015.
  8. Lord Ashcroft resigns from House of Lords to focus on polling and publishing. In: The Guardian. 31. März 2015, abgerufen am 1. April 2015.
  9. Paradise Papers: Lord Ashcroft hides from trust question. BBC News, 5. November 2017; abgerufen am 7. November 2017 (englisch).