Michael Ballhaus

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Michael Ballhaus, 2007, Berlin

Michael Ballhaus (* 5. August 1935 in Berlin) ist ein deutscher Kameramann, er gilt als einer der bedeutendsten Kameraleute des deutschen und internationalen Films. Ballhaus arbeitete in den 1960er Jahren beim deutschen Fernsehen und wurde Ende der 1960er Stammkameramann von Rainer Werner Fassbinder, mit dem er 15 Filme drehte.[1] 1982 wechselte er nach Hollywood,[2] dort wurde er zu einem der gefragtesten Kameramänner und drehte mit vielen bedeutenden US-Regisseuren wie Francis Ford Coppola, Martin Scorsese, Robert Redford und Wolfgang Petersen. Im Jahr 2007 verkündete er seinen Rückzug aus Hollywood und widmet sich seitdem verschiedenen Projekten wie etwa der Nachwuchsförderung und -ausbildung. Ballhaus ist bekannt für seine innovative Technik einer 360-Grad-Kamerafahrt, des sogenannten „Ballhaus-Kreisels“.[3] Diese Technik wurde 1966 von Claude Lelouch erfunden, doch erst Ballhaus machte sie von 1974 an populär.[4]

Leben[Bearbeiten]

Seine Eltern waren die Theaterschauspieler Oskar Ballhaus und Lena Hutter, Mitbegründerin und bis zu ihrem Tod Prinzipalin des nach seinem heutigen Spielort benannten Fränkischen Theaters Schloss Maßbach. Durch sie kam er über das Theater zum Film. Als Kind lebte er in Coburg, wo seine Eltern den Coburger Kulturkreis gründeten. Seine Jugend verbrachte er im unterfränkischen Wetzhausen, wo die Eltern im Jahr 1948 ein erstes festes Domizil für ihr Privattheater gefunden hatten.[5]

Ballhaus durfte 1955 die Dreharbeiten des Films Lola Montez aus der Nähe beobachten. Regisseur dieses Films war der Freund der Familie, Max Ophüls,[6] Kameramann der Franzose Christian Matras. Dieses Erlebnis führte ihn zum Entschluss, selbst Kameramann zu werden. Nach einer zweijährigen Fotografenausbildung begann Ballhaus beim Südwestfunk (SWF) in Baden-Baden eine Kameraassistenz. Eine Ausbildung zum Kameramann gab es zu der Zeit nicht. Bereits ab 1960 arbeitete er dann als Kameramann für das Fernsehen, zunächst vor allem für den Südwestfunk. Sein erster Film dort entstand für den Regisseur Peter Lilienthal. Bis 1966 war er beim SWF Chefkameramann. 1968 drehte er seinen ersten Kinofilm: die Komödie Mehrmals täglich mit Dieter Hallervorden.

Durch seinen zweiten Kinofilm Deine Zärtlichkeiten lernt er Ulli Lommel kennen, der ihn wiederum mit Rainer Werner Fassbinder zusammenbringt. Mit ihm allein drehte er dann fünfzehn Filme, die ihn über Deutschland hinaus in der Filmszene bekannt machten und ihm auch in den USA die Türen öffneten. Über die Arbeit an zahlreichen Independent-Produktionen dort wurden dann bekannte Regisseure auf ihn aufmerksam. Seit dem Film Die Zeit nach Mitternacht 1985 war er der Director of photography von Martin Scorsese. Insgesamt führte Michael Ballhaus die Bildregie in über 80 Kinofilmen. Er arbeitete unter vielen anderen mit Mike Nichols, Volker Schlöndorff, Wolfgang Petersen, Francis Ford Coppola, Jeanine Meerapfel und Peter Stein zusammen. Seine effiziente, gleichzeitig gestalterische Arbeitsweise macht ihn zu einem begehrten Chefkameramann. 1988 erhielt er für seine Arbeit an Nachrichtenfieber seine erste Oscar-Nominierung. Zwei Jahre später wurde er für Die fabelhaften Baker Boys ein weiteres Mal nominiert. Eine dritte Nominierung erhielt er im Jahr 2003 für Gangs of New York. Michael Ballhaus bekam 2007 als erster Deutscher den begehrten Preis für sein Lebenswerk von der American Society of Cinematographers (US-amerikanischer Verband der Kameraleute).

Michael Ballhaus, Berlinale 2006

Am Rande der Berlinale im Februar 2007 verkündete Michael Ballhaus seinen Rückzug aus Hollywood, um künftig vor allem Filme zu produzieren und unterrichten. Bereits zuvor gab Ballhaus als regelmäßiger Gast der Berlinale und als Dozent auf dem Berlinale Talent Campus und der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin seine Erfahrungen jungen Kameraleuten weiter. Im gleichen Jahr arbeitete er auch am Ballhaus-Projekt, eine Initiative zum Klimaschutz, die mit Kino- und Fernseh-Werbefilmen zum sparsamen Umgang mit Energie aufrief.[7]

2009 übernahm Ballhaus an der Hamburg Media School die Fachbereichsleitung Kamera für den Master-Studiengang in Zusammenarbeit mit Achim Poulheim.[8] Seit 2010 ist er Abteilungsleiter für Kamera an der Hochschule für Fernsehen und Film München. 2015 hat er eine Gastprofessur an der Leuphana Universität Lüneburg.[9]

Im Jahr 2014 zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück.[10] Am 11. März 2014 machte Ballhaus publik, dass er seit 1996 an Grünem Star leidet und fortschreitend erblindet; das Lesen sei ihm bereits nicht mehr möglich.[11][12] Am 17. März 2014 veröffentlichte Michael Ballhaus seine Autobiographie Bilder im Kopf – Die Geschichte meines Lebens, die er zusammen mit dem Koautor Claudius Seidl verfasste.

Neben seiner Wohnung in Los Angeles lebt Ballhaus seit den 1980er-Jahren auch in Berlin-Zehlendorf, seine beiden Söhne gingen hier auf die Schule.[13] Seit 2007 ist sein Hauptwohnsitz in Zehlendorf, während seine Söhne in Los Angeles leben.[14]

Familie[Bearbeiten]

Ballhaus mit seiner Biographie auf der Leipziger Buchmesse 2014

1958 heiratete Michael Ballhaus die Schauspielerin und Filmaustatterin Helga Ballhaus,[15] ihre beiden Söhne Sebastian (Produktionsassistent)[15] und Florian Ballhaus (Kameramann) sind ebenfalls in der Filmbranche tätig. Ballhaus arbeitete mit ihnen unter anderem bei Flightplan und Der Teufel trägt Prada. Seine Frau verstarb am 28. September 2006 in Los Angeles.

In der Rückschau auf sein Leben verweist Ballhaus immer auf die enge vertrauensvolle berufliche und nicht nur private Rolle seiner Ehefrau, mit der er über viele Jahrzehnte zusammenarbeitete.[16] Aus der gleichen Branche kommend, war sie schon zu Zeiten der Fassbinder-Filme als Ausstatterin am Drehort im Produktionsprozess beteiligt. Sie hatte nach seinen Aussagen großen Anteil an seinem beruflichen Erfolg.[17] [18]

Fünf Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau Helga heiratete Michael Ballhaus am 28. Oktober 2011 die Regisseurin Sherry Hormann.[19] Im Mai 2012 begann der gemeinsame Dreh zu dem Film 3096 Tage über die Entführung von Natascha Kampusch, dessen Weltpremiere am 25. Februar 2013 in Wien stattfand.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Stern von Michael Ballhaus auf dem Boulevard der Stars in Berlin

Literatur[Bearbeiten]

Filme über Ballhaus[Bearbeiten]

  • Close Up. Gero von Boehm fragt Michael Ballhaus. Gespräch, Deutschland, 2014, 50 Min., Moderation: Gero von Boehm, Produktion: interscience film, Servus TV, Reihe: Close Up, Erstsendung: 19. Februar 2015 bei Servus TV, Inhaltsangabe von interscience, online-Video von Servus TV.
  • alpha-Forum: Michael Ballhaus, Director of Photography. Gespräch, Deutschland, 2010, 43 Min., Moderation: Christoph Lindenmeyer, Produktion: ARD-alpha, Reihe: alpha-Forum, Erstsendung: 5. August 2010 in BR-alpha, Inhaltsangabe mit Gesprächstext und online-Video von ARD-alpha.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Michael Ballhaus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Gespräche

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Ballhaus, Claudius Seidl: Bilder im Kopf: Die Geschichte meines Lebens. 2014, Seite 10.
  2. Michael Ballhaus. Biographie. In: Akademie der Künste (Berlin), aufgerufen am 26. Februar 2015.
  3. Arnold Hohmann: Michael Ballhaus - Der mit der Kamera tanzt. In: WAZ, 8. Juli 2009.
  4. Kreisfahrt. In: Filmlexikon der Universität Wien, aufgerufen am 26. Februar 2015.
  5. Christine Jeske: Michael Ballhaus - der Mann der Bilder. In: Main-Post, 9. Mai 2014 Interview.
  6. A Conversation With Michael Ballhaus. American Society of Cinematographers (ASC), 20. November 2006, abgerufen am 18. März 2014.
  7. Ballhaus-Projekt. In: kreativgenossenschaft.de, aufgerufen am 26. Februar 2015, (PDF, 910 KB, 1 S.).
    Michael Ballhaus Klimaprojekt. In: Landesfilmdienst Baden-Württemberg e.V., aufgerufen am 26. Februar 2015.
  8. DW: Star-Kameramann Michael Ballhaus lehrt in Hamburg. In: Die Welt, 5. Juni 2009.
  9. Prof. Michael Ballhaus. In: Leuphana Universität Lüneburg, aufgerufen am 26. Februar 2015.
  10. dpa: Kameramann Michael Ballhaus will keine Filme mehr drehen. In: Focus. 26. Februar 2014, abgerufen am 18. März 2014.
  11. Kameramann Michael Ballhaus erblindet langsam. In: Der Tagesspiegel. 11. März 2014, abgerufen am 18. März 2014.
  12. Katja Nicodemus: „Ich hätte gern mehr gesehen.“ Interview mit Michael Ballhaus. In: Die Zeit. 23. März 2014, abgerufen am 23. März 2014.
  13. Armin Lehmann: Prominent nachgefragt. Michael Ballhaus: „Zehlendorf ist nicht spießig.“ In: Tagesspiegel, 25. Oktober 2014, Interview.
  14. Isabell Jürgens: Michael Ballhaus siedelt nach Berlin um. In: Die Welt, 17. April 2007.
  15. a b Michael Ballhaus Biography (1935-). In: filmreference.com, aufgerufen am 26. Februar 2015.
  16. Herlinde Koelbl: „Meine Schwester empfand meinen Schmerz.“ Michael Ballhaus über den Tod seiner Frau nach fast fünfzig Jahren Ehe. In: ZEITmagazin, Nr. 46, 11. November 2010, Interview.
  17. Zum Beispiel in der Hörfunksendung Redezeit des WDR5, April 2006.
  18. : Die Unentbehrliche. Zum Tod von Helga Ballhaus. In: FAZ, 9. Oktober 2006.
  19. Michael Schacht: Filmreife Hochzeit in Zehlendorf! In: Bild. 28. Oktober 2011, abgerufen am 18. März 2014.
  20. a b Ballhaus, Michael 1935– In: encyclopedia.com, 2005, aufgerufen am 26. Februar 2015.
  21. American Society of Cinematographers Roster. Current Officers and Members. In: American Society of Cinematographers.
  22. Michael Ballhaus. In: Akademie der Künste (Berlin)
  23. Mitglieder seit 1950. In: Freie Akademie der Künste in Hamburg
  24. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKategorie Kultur und Medien. In: Clean Tech Media Award. Archiviert vom Original am 20. Februar 2009, abgerufen am (unbekannt).
  25. Bisher bekannte Bambi-Preisträger 2009. In: Naumburger Tageblatt. 24. November 2009, abgerufen am 18. März 2014.