Michael Bouteiller

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Michael Bouteiller (2015 am Eingang zur Walli – offiziell „Alternative“ – , dem autonomen selbstverwalteten Kulturzentrum auf der Lübecker Wallhalbinsel)

Michael Bouteiller (* 29. Oktober 1943 in Offenburg) war von 1988 bis 2000 Bürgermeister der Hansestadt Lübeck.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Bouteiller studierte Rechtswissenschaften an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Anschließend war er wissenschaftlicher Assistent an der Universität Bielefeld. Am Verwaltungsgericht Minden arbeitete er als Richter. Nach beruflichen Stationen in Bielefeld trat er 1988 als Kandidat der SPD, der er bis zu seinem Austritt Ende 2001 angehörte,[1] für das Amt des Bürgermeisters von Lübeck an. Er war als Nachfolger von Robert Knüppel (CDU) der letzte Bürgermeister Lübecks, der in indirekter Wahl gewählt wurde.

Im Zusammenhang mit dem Lübecker Brandanschlag im Januar 1996 auf eine Asylbewerberunterkunft in der Hafenstraße wurde Bouteiller bundesweit bekannt, als er vor laufenden Fernsehkameras weinte.[2] Die CDU warf ihm daraufhin einen „Betroffenheitskult“ vor.[3] Bei dem Anschlag kamen zehn Menschen ums Leben, 38 erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Bouteiller stellte Überlebenden Reisedokumente aus, damit sie an der Beisetzung ihrer Angehörigen im Libanon beziehungsweise in Zaire teilnehmen und anschließend wieder nach Deutschland zurückkehren konnten. Er ermöglichte, unter Umgehung des bestehenden Asylrechts, die Unterbringung von Asylsuchenden außerhalb von Sammelunterkünften und rief zum Zivilen Ungehorsam zum Schutz von Flüchtlingen auf.[4] Für dieses Verhalten wurde er auch innerparteilich kritisiert; sein Parteikollege Ekkehard Wienholtz, der damalige Innenminister Schleswig-Holsteins, forderte Bouteillers Rücktritt, weil dieser seine Kompetenzen überschritten habe. Für das Ausstellen der Personaldokumente verhängte das Schleswig-Holsteinische Innenministerium im Dezember 1996 eine Disziplinarstrafe in Höhe von 6000 Mark gegen Bouteiller, gegen die er Widerspruch einlegte.

Die deutsche Sektion der Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) verlieh ihm dafür 1996 die Clara-Immerwahr-Auszeichnung.

Als im Jahr 2000 der Bürgermeister Lübecks zum ersten Mal direkt gewählt wurde, kandidierte Bouteiller nicht mehr. Sein Nachfolger wurde Bernd Saxe (SPD). Bouteiller trat Ende 2001 aus der SPD aus und arbeitet seitdem als Rechtsanwalt. Er ist Konfliktmoderator im Dortmunder Institut für Kommunikation und Umwelt.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl-Ernst Sinner: Tradition und Fortschritt. Senat und Bürgermeister der Hansestadt Lübeck 1918-2007. Band 46 der Reihe B der Veröffentlichungen zur Geschichte der Hansestadt Lübeck herausgegeben vom Archiv der Hansestadt Lübeck, Lübeck 2008, S. 46 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michael Bouteiller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.ln-online.de/artikel/633705/@1@2Vorlage:Toter Link/www.ln-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. http://stadtzeitung.luebeck.de/archiv/artikel/id/7596
  3. Bouteiller und das Rauschen im Blätterwald. Lübecker Stadtzeitung, Ausgabe 122, 25. April 2000
  4. Geläutert durch das Feuer. DIE ZEIT, 05/1996
  5. Falscher Mann im Ruhestand. taz, 10. August 2006