Michael Cretu

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Michael Cretu (Geburtsname: Mihai Crețu, ausgesprochen „Kretzu“) (* 18. Mai 1957 in Bukarest, Rumänien) ist ein Musiker, der zu den erfolgreichsten Musikproduzenten der Gegenwart gehört. Charakteristisch für ihn ist, dass er meist als der Mann im Hintergrund agiert, dessen Gesicht trotz seiner Erfolge nur wenige kennen. Nach eigenen Aussagen (Interview in „Max“, 1992) schätzt er es, auf der Straße nicht erkannt zu werden und sich so frei bewegen zu können.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon früh wurde die außergewöhnliche musikalische Begabung von Michael Cretu entdeckt und gefördert. Bereits als Kind studierte er Musik (klassisches Klavier), unter anderem in Bukarest und Frankfurt am Main. Cretu ist seit 1975 deutscher Staatsbürger.[1] Nach seinem Studienabschluss (Konzertpianist) in Deutschland wandte sich Cretu von der klassischen Musik ab. Er entdeckte seine Leidenschaft für elektronisch produzierte Popmusik und tauschte sein Piano gegen Synthesizer ein. Bereits mit 20 war er erfolgreich als Studiomusiker und als Produzent tätig. Er arbeitete mit Frank Farian zusammen (Boney M, Oceans of Fantasy, Arabesque).

Erste Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1978 veröffentlichte Michael Cretu das erste Album unter seinem eigenen Namen: Moon, Light & Flowers. Die Singleauskopplung „Wild River“ wurde Anfang der Achtziger Jahre als Werbemelodie für das Deo „My Melody“ eingesetzt. 1980 erhielt Michael Cretu seine erste goldene Schallplatte. Bereits zu der Zeit produzierte er auch andere Künstler und war für diese auch als Autor tätig. Neben Peter Cornelius (dessen 1980er Album Zwei wurde mit den Mitgliedern von Cretus späterer Band Moti Special eingespielt) zählen dazu u.a. Hubert Kah, Nicki, Peter Schilling, Inker & Hamilton, später dann auch Andru Donalds und nicht zuletzt eben Moti Special. 1982 lernte er seine spätere Frau Sandra Lauer (damals noch bei dem Girl-Trio Arabesque) kennen, die für seine musikalische Karriere noch wichtig werden sollte. Sein erstes erfolgreiches Album erschien 1983 unter dem Titel Legionäre. Das letzte Album unter seinem eigenen Namen wurde 1985 in deutscher (Die chinesische Mauer) und englischer (The Invisible Man) Version veröffentlicht und enthielt den Song Samurai, mit dem er in Europa großen Erfolg hatte. Die letzte Solo-Single Gambit konnte allerdings nicht an diese Erfolge anknüpfen. In den folgenden Jahren konzentrierte er sich v.a. auf die musikalische Karriere seiner Freundin und späteren Frau Sandra. 1988 folgte unter den Namen Cretu & Thiers das Album Belle Epoque mit seinem Ex-Moti-Special-Partner Manfred „Tissy“ Thiers und 1992 mit Peter Cornelius das Album Cornelius & Cretu. 1999 begann er eine Zusammenarbeit mit Andru Donalds und produzierte mit ihm neben zwei Alben den Hit All out of Love, eine Coverversion des gleichnamigen Titels von Air Supply aus den 1980er-Jahren.

Moti Special[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem er zu den Erfolgen diverser Bands und Solo-Künstler wie beispielsweise Boney M (seit Rivers of Babylon) oder Juliane Werding (Album Ohne Angst) beigetragen hatte, veröffentlichte Cretu 1985 mit der Gruppe Moti Special das Album Motivation, an dem er als Keyboarder und Produzent beteiligt war. Die Single-Auskopplungen Cold Days, Hot Nights, Don't Be So Shy und Stop! Girls Go Crazy waren bekannte Hits. Sänger der Band war Manfred „Tissy“ Thiers, mit dem Cretu 1987 dann das Projekt „Cretu & Thiers“ gründete.

Sandra[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cretu lernte Sandra Ann Lauer 1982 als Mitglied des Teenie-Girl-Trios Arabesque kennen. Die beiden verliebten sich und wurden ein Paar. 1984 versuchte Sandra sich mit einer deutschen Version von Alphavilles Big in Japan (zum zweiten Mal nach einer Single 1976) als Solo-Künstlerin. Trotz des ausbleibenden Erfolges übernahm Cretu das Kommando und produzierte mit Sandra und dem als Hubert Kah bekannten Sänger und Songwriter Hubert Kemmler den Song Maria Magdalena sowie das dazugehörige Album The Long Play. Das Lied wurde in 21 Ländern Nummer 1 und verkaufte sich weltweit über fünf Millionen Mal. Viele weitere Hits folgten, immer mit Cretu als Produzenten, meist in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Kemmler.

Von 1988 bis 2008 waren Sandra und Michael Cretu verheiratet. Gemeinsam mit ihren beiden Kindern lebten sie auf einem Anwesen nahe Santa Agnès de Corona auf Ibiza.

Bis heute hat Michael Cretu mit Sandra 32 Millionen Tonträger weltweit verkauft.

Cretu & Thiers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Namen Cretu & Thiers hatte Cretu mit Manfred „Tissy“ Thiers, der ebenfalls zur Synthie-Pop-Band Moti Special gehörte, in den späten 1980er Jahren ein Duoprojekt. Nach einer Coverversion des im Original von Alice Cooper stammenden Titels School's Out nahmen Cretu und Thiers 1987 das Album Belle Epoque auf, aus dem die Singles When love is the missing word und Don´t say you love me ausgekoppelt wurden. Das Stück Mona Lisa war musikalisch identisch mit dem Stück Silver Water aus dem Album The Invisible Man, jedoch mit neuem Text von Thiers gesungen. Das Remake des Songs Snowin´ under my skin wurde dann später der Titelsong zum gleichnamigen Album von Andru Donalds, das Michael Cretu für diesen 1999 produzierte.

Produzent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer für Sandra war Michael Cretu für verschiedene andere Pop-Künstler als Produzent tätig; u.a. für Hubert Kah, Peter Schilling, Peter Cornelius und Inker & Hamilton. 1993 produzierte er zusammen mit Jens Gad das Album Welcome To The Soul Asylum des Münchner Musikers Angel X (bürgerlich: Andreas Harde). 1999 und 2001 nahm er mit dem Jamaikaner Andru Donalds zwei Alben auf. Mit dem Coverhit All Out of Love erreichten sie Platz drei der deutschen Charts. 2007 erschien das von ihm produzierte Album der ehemaligen Sängerin der britischen Gruppe Olive, Ruth-Ann (eine der weiblichen Lead-Stimmen bei diversen Enigma-Songs), das exklusiv auf der Online-Plattform iTunes zu haben ist und nicht mehr als CD.

Musikalisches Neuland / Enigma[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Ende der 1980er Jahre gingen Cretu die Ideen aus und er fühlte sich zunehmend unwohl in seinen musikalischen Gefilden. Nach der Trennung von seinem langjährigen musikalischen Weggefährten Hubert Kemmler suchte er nach etwas völlig Neuem und fand es schließlich zu Beginn der 1990er Jahre in dem Projekt Enigma. Das erste Album MCMXC a.D. (als römische Zahl zu lesen: 1990 anno Domini) erschien 1990 in Europa und 1991 in den USA und wurde schon nach kurzer Zeit zum weltweiten Riesenerfolg. MCMXC a.D. wurde die Nummer 1 in 24 verschiedenen Ländern, holte 17-mal Platin und 25-mal Gold. Enigma diente als Wegbereiter für viele andere Interpreten, die Cretu auf den Pfad der meditativen, religiös angehauchten Ambient-Musik folgten.

Aus dem Album erschien die Single Sadeness (ein Wortspiel aus dem englischen sadness und dem Namen Marquis de Sade), die ein großer Hit wurde. Die darin verwendeten Anleihen an den gregorianischen Gesang wurden danach vielfach nachgeahmt. Auch das Original, der Mönchsgesang in der Tradition des Gregorianischen Chorals, gelangte infolge des Enigma-Hits zu großer Popularität, während diese Art der Musik zuvor nahezu unverkäuflich gewesen war. Das Stück erregte Aufsehen wegen einer kurzen, „zugegeben sehr plakativen“ (Cretu in einer Talkshow) Passage, in der heftiges Atmen einer Frau zu hören ist, was als Lustgestöhne interpretiert werden konnte.

Der Erfolg von MCMXC a.D. stellte sich ein, ohne dass der Urheber bekannt war. Erst später wurde bekannt, dass Cretu der kreative Kopf hinter dem Projekt war. Nach Cretus Angaben (in einem ARD-Fernsehinterview 1994) wäre es ihm lieber gewesen, wenn nicht bekannt geworden wäre, dass Enigma sein Projekt ist. Leute, die neben ihm an der Produktion des ersten Albums beteiligt waren, hätten diese Information schließlich weitergegeben, so Cretu. Auf dem ersten Album verwendete er das Pseudonym „Curly MC“. Curly bedeutet im Englischen „lockig“ (dahinter verbirgt sich ein Wortspiel mit rumänischem Hintergrund: „creț“ heißt auf Rumänisch kraus / gelockt). MC schließlich sind seine Initialen und zudem das Kürzel für „Master of Ceremonies“, eine Bezeichnung, die viele Rapper zu dieser Zeit verwendeten (MC Hammer, Ice MC, MC Miker G). Auf späteren Alben tauchte dann auch sein voller Name als Produzent auf. Bis heute hat Cretu mit dem Projekt Enigma weltweit über 70 Millionen Tonträger (lt. seiner Plattenfirma Universal Music)[2] verkauft.

Zudem betrat er im Jahr 2010 noch einmal Neuland, als er es den Enigma-Fans ermöglichte, an der Entstehung eines neuen Songs mitzuwirken. Für das Lied, das zum 20-jährigen Bestehen von Enigma erschien, konnten Fans selbstgesungene Passagen einsenden, über den musikalischen Stil des Songs entscheiden und Vorschläge für ein Cover entwerfen. Michael Cretu mixte und produzierte daraus den Song MMX (The Social Song).

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1979: Moon, light & flowers (Michael Cretu)
  • 1983: Legionnaires/Legionäre (Michael Cretu)
  • 1985: The Invisible Man/Die chinesische Mauer (Michael Cretu) (1986 als Zweitauflage mit dem Titel Gambit erschienen)
  • 1985: Motivation (Moti Special)
  • 1988: Belle epoque (Cretu & Thiers)
  • 1990: MCMXC a.D. (Enigma) (1991 als "Limited Edition" erschienen)
  • 1992: Cornelius + Cretu (Cornelius + Cretu)
  • 1993: The CROSS of Changes (Enigma) (1994 als "Limited Edition" erschienen)
  • 1996: Le roi est mort, vive le roi (Enigma)
  • 1998: The Energy of Sound (Trance Atlantic Air Waves) (mit Jens Gad)
  • 2000: The Screen Behind the Mirror (Enigma)
  • 2003: Voyageur (Enigma)
  • 2006: A posteriori (Enigma) (auch als DVD Edition erschienen)
  • 2008: Seven Lives, Many Faces (Enigma) (auch als "Special Edition" erschienen)
  • 2016: The Fall of a Rebel Angel (Enigma)

Kompilationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2001: Love, Sensuality, Devotion (Enigma) (als "Greatest Hits" und als "The Remix Collection" erschienen)
  • 2001: Remember the Future (Enigma) (als "DVD" und als "DVD Re-Release" erschienen)
  • 2005: 15 years after (Enigma) (Box-Set)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RSH-Gold

  • 1992: in der Kategorie „Produzent des Jahres“

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Focus vom 14. März 1994
  2. ENIGMA. Abgerufen am 22. Februar 2017 (deutsch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]