Michael Czerny

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Michael F. Kardinal Czerny vor der Skulptur Angels Unawares.
Kardinalswappen von Michael Czerny

Michael F. Kardinal Czerny SJ (* 18. Juli 1946 in Brünn, Tschechoslowakei) ist ein kanadischer römisch-katholischer Kardinal, Mitglied des Jesuitenordens. In Kanada, Lateinamerika, Afrika und Rom setzte er sich für die Soziallehre der Kirche und soziale Gerechtigkeit ein. Seit 2010 er ist an der päpstlichen Kurie tätig.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nazizeit starb seine Großmutter mütterlicherseits in Auschwitz, seine Mutter Winifred Hayek Czerny war im KZ Theresienstadt interniert. Da sein Vater Egon Czerny es ablehnte, sich von seiner Frau zu trennen, als sie in Theresienstadt war, musste er die letzten acht Monate des Kriegs Zwangsarbeit in einem Lager in Postoloprty leisten.[1]

1948 emigrierten seine Eltern mit ihm als Kleinkind und dem neugeborenen Bruder nach Kanada. Nach dem Abschluss der Loyola High School in Montreal trat er am 14. August 1964 in den Jesuitenorden ein. Am 9. Juni 1973 wurde er in der damaligen Oberkanadischen Provinz der Jesuiten (heute Kanadische Provinz) zum Priester geweiht. 1978 wurde er von der University of Chicago mit einer Dissertation über Ludwig Feuerbach und Karl Marx promoviert.

1979 gründete Michael Czerny in Toronto das Zentrum für Glaube und Soziale Gerechtigkeit, dessen Direktor er bis 1989 war. Anschließend wurde er Vizerektor der Universidad Centroamericana “José Simeón Cañas” in San Salvador und Direktor des angegliederten Instituts für Menschenrechte (Instituto de Derechos Humanos – IDHUCA).[2]

Von 1992 bis 2002 war Czerny an der Generalkurie der Jesuiten in Rom als Sekretär für Soziale Gerechtigkeit tätig. Im Jahr 2002 gründete er das African Jesuit AIDS Network und leitete es bis 2010. In diesen acht Jahren initiierte und koordinierte er die Arbeit von Jesuiten und anderen in fast dreißig Ländern des subsaharischen Afrika in Pastoral, Erziehung, Gesundheitsdienst sowie sozialer und geistlicher Unterstützung und gegen die soziale Stigmatisierung von Opfern von HIV / AIDS. Während dieser Zeit lehrte Michael Czerny auch am Hekima University College der Katholischen Universität in Nairobi. 2009 verwies er auf die Erfahrung, dass in Afrika Kondome zur Prävention von HIV meist unwirksam seien, trotz ihres Erfolgs „außerhalb von Afrika und bei identifizierbaren Subgruppen (zum Beispiel Prostituierten oder schwulen Männern)“.

Von 2010 bis 2016 arbeitete er in Rom im Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden als persönlicher Assistent von Kardinal Peter Turkson. 2015 wies er darauf hin, dass die „Limitationen und Fragmentierungen“ der kirchlichen Struktur im Amazonasgebiet es der Kirche erschweren, sich für die Rechte der indigenen Völker und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Diese Fragmentierung soll durch das 2014 gegründete Amazonas-Netzwerk Red Eclesial Panamazónica (REPAM) überwunden werden.

Am 14. Dezember 2016 ernannte ihn Papst Franziskus mit Wirkung zum 1. Januar 2017 zum Untersekretär von Abteilung für Migranten und Flüchtlinge des Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Es wurde zusammen mit Fabio Baggio benannt.[3]

2016 beauftragte er Timothy Schmalz mit der Erstellung der Skulptur Angels Unawares, die ein Boot mit Migranten und Flüchtlingen zeigt, die Kleidung tragen, die sie mit einer Vielzahl von Kulturen und Zeiträumen identifiziert. Es wurde 2019 auf dem Petersplatz im Vatikan eingeweiht.[4]

Papst Franziskus ernannte ihn zum stimmberechtigten Mitglied der 2018 in Rom tagenden Bischofssynode über Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung. Im Oktober 2018 erklärte er, die Rhetorik zur Beschreibung von Migration und Flüchtlingsbewegungen sei irreführend.

Am 4. Mai 2019 ernannte ihn Papst Franziskus als einen von zwei Sonder-Sekretären für die im Oktober 2019 tagende Bischofssynode für Amazonien. In der Pressekonferenz, welche das Abschlussdokument der Synode vorstellte, sagte er, die Kirche müsse lernen, kulturelle Differenzen zu respektieren: „Nicht anzunehmen, dass der Weg, wie ich ihn gehe oder wie wir ihn gehen, definitiv ist, ist die Norm und die Weise, wie es sein soll. Unterschiede müssen anerkannt werden.“

Am 1. September 2019 gab Papst Franziskus bekannt, ihn im Konsistorium vom 5. Oktober 2019 als Kardinaldiakon in das Kardinalskollegium aufnehmen zu wollen.[5] Im selben Monat wurde er zum Titularerzbischof pro hac vice von Beneventum ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm der Papst persönlich am Vortag der Kardinalskreierung.[6] Mitkonsekratoren waren Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und der Kardinalpräfekt des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, Peter Turkson. Bei der Kardinalskreierung wies ihm der Papst am 5. Oktober 2019 die Titeldiakonie San Michele Arcangelo a Pietralata zu.[7] Die Besitzergreifung seiner Titeldiakonie fand am 19. Januar des folgenden Jahres statt. Sein Wappen besteht aus einer grünen Wiese, die an die Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus erinnert, einem goldenen Boot mit einer vierköpfigen Flüchtlingsfamilie, dem Siegel der Gesellschaft Jesu und dem Wort "suscipe". Das Pektorale des italienischen Künstlers Domenico Pellegrino besteht aus den Überresten eines Bootes, mit dem Migranten das Mittelmeer überqueren und die italienische Insel Lampedusa erreichen.[8]

Am 21. Februar 2020 ernannte ihn Papst Franziskus zum Mitglied der Kongregation für die Evangelisierung der Völker[9] und am 8. Juli desselben Jahres zudem zum Mitglied des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog.[10]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Feuerbach the teacher and Marx the prophet. An introduction to religion. Thesis (Ph. D.), University of Chicago 1978.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Michael Czerny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cardinal Czerny: My family during World War II - Vatican News (en) 7. Dezember 2019. Abgerufen am 26. Januar 2020.
  2. Mickey Conlon: Cardinal Czerny’s courageous past in El Salvador remembered. In: Crux, 3. November 2019. Abgerufen am 25. Januar 2020. 
  3. Nomina di Sotto-Segretari del Dicastero per il Servizio dello Sviluppo Umano Integrale. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 14. Dezember 2016, abgerufen am 14. Dezember 2016 (italienisch).
  4. Megan Williams: Canadian artist's bronze statue depicting plight of refugees in boat unveiled at St. Peter's Square in Rome. In: CBC, 29. September 2019. Abgerufen am 26. Januar 2020. 
  5. Annuncio di Concistoro il 5 ottobre per la creazione di nuovi Cardinali. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 1. September 2019, abgerufen am 1. September 2019 (italienisch).
  6. Ordinazione Episcopale conferita dal Santo Padre Francesco. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 4. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019 (italienisch).
  7. Concistoro Ordinario Pubblico: Assegnazione dei Titoli. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 5. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019 (italienisch).
  8. A migrant’s cross for a new Jesuit cardinal (en) 4. Oktober 2019. Abgerufen am 26. Januar 2020.
  9. Nomina di Membri dei Dicasteri della Curia Romana. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 21. Februar 2020, abgerufen am 21. Februar 2020 (italienisch).
  10. Nomina di Membri del Pontificio Consiglio per il Dialogo Interreligioso. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 8. Juli 2020, abgerufen am 8. Juli 2020 (italienisch).