Michael E. Mann

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Michael Mann.

Michael E. Mann (* 28. Dezember 1965 in Amherst, Massachusetts) ist ein US-amerikanischer Klimatologe mit dem Forschungsschwerpunkt Paläoklimatologie. Als Haupt- oder Co-Autor war er bisher an 268 Fachartikeln beteiligt. Er ist seit 2005 Professor für Meteorologie und Direktor am Zentrum für Geowissenschaften („Earth System Science Center“) der Pennsylvania State University (USA). Zuvor war er sechs Jahre lang Professor im Fachbereich Umweltwissenschaften der University of Virginia. Mann wird von Thomson Reuters als Highly Cited Researcher in der Kategorie Geowissenschaften geführt[1], womit er in seinem Fachgebiet zu den bedeutendsten Wissenschaftlern der Welt zählt. Sein H-Index beträgt 65 (Stand Oktober 2016).[2]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mann war einer der Hauptautoren des 2001 erschienenen dritten Sachstandsberichtes des IPCC zur globalen Erwärmung und dort ein Hauptautor des Abschnittes über frühere Klimaänderungen. In diesem Abschnitt wurde seine Rekonstruktion der Temperaturen im letzten Jahrtausend verwendet, die wegen ihres im 19. Jahrhundert nach oben abknickenden Verlaufes als Hockeyschläger-Diagramm bekannt wurde. Die Nachvollziehbarkeit und Richtigkeit dieser Arbeit, insbesondere Ausmaß und Deutung der mittelalterlichen Warmzeit, wurden von Seiten klimaskeptischer Organisationen wie dem Committee for a Constructive Tomorrow und Personen wie Marc Morano, Willie Soon und James Inhofe im Rahmen der (politischen) Kontroverse um die globale Erwärmung angezweifelt, während die Arbeit in der Wissenschaft, u. a. durch die National Academy of Sciences, bestätigt wurde.[3]

In der wissenschaftlichen Literatur wird die grundsätzliche Korrektheit des Hockeyschläger-Diagramms nahezu durchgehend bestätigt, so zum Beispiel von einer vom PAGES 2k-Konsortium im Jahr 2012 durchgeführten Temperaturrekonstruktion der letzten 2000 Jahre.[4] Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine breit rezipierte Studie aus dem Jahr 2013, mit der bis dahin aufwendigsten und genauesten Rekonstruktion des holozänen Klimas über einen Zeitraum von 11.300 Jahren.[5] Diese aktuellen Arbeiten stimmen weitgehend mit den Inhalten des Hockeyschläger-Diagramms überein und bewegen sich innerhalb des Rahmens der von Mann et al. angegebenen Toleranzbereiche bzw. Fehlergrenzen.

Erstmals publiziert wurde die Hockeystick-Grafik 1999 in einer mittlerweile in der Forschung als bahnbrechend beurteilten Arbeit in den Geophysical Research Letters. Sie gilt inzwischen als reputabler Beleg für die anthropogen bedingte Erwärmung und hat Einzug in viele Lehrveranstaltungen zur Klimaforschung gefunden. Vor allem aus diesen Gründen wird Mann von Klimaleugnern bis heute systematisch diskreditiert.[6] Aufgrund seiner Arbeit erhielten Mann und seine Familie mehrfach Morddrohungen. Im Jahr 2010, kurz nach Bekanntwerden des Hackerzwischenfalls am Klimaforschungszentrum der University of East Anglia, ging in seinem Büro ein Brief mit einer weißen Substanz ein, woraufhin der Universitäts-Campus wegen Verdachts auf einen Milzbrand-Anschlag evakuiert wurde.[3][7]

Mann gilt als profilierter Warner vor der globalen Erwärmung. Er schreibt dazu auch regelmäßig Beiträge für das Weblog RealClimate.

Für seine Leistungen auf dem Gebiet der Klimaforschung wurde Mann im Jahre 2012 mit der Hans-Oeschger-Medaille der European Geosciences Union ausgezeichnet.[8]

Für seine Bestrebungen, wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Bereich der Klimatologie in allgemeinverständlicher Form der Öffentlichkeit zu vermitteln, wurde er im Jahr 2017 mit dem Stephen H. Schneider Award geehrt.[9]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Lee R. Kump: Dire Predictions: Understanding Global Warming - The Illustrated Guide to the Findings of the IPCC. DK Publishing, 2008 ISBN 978-0756639952.
  • The Hockey Stick and the Climate Wars: Dispatches from the Front Lines. Columbia University Press, 2012, ISBN 978-0231152549.
  • mit Tom Toles: The Madhouse Effect: How Climate Change Denial is Threatening Our Planet, Destroying Our Politics, and Driving Us Crazy. Columbia University Press 2016. ISBN 978-0-231-17786-3.[6]

Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Highly Cited Researcher. Internetseite von Thomson Reuters. Abgerufen am 28. März 2016.
  2. Michael E. Mann. Google Scholar. Abgerufen am 28. März 2016.
  3. a b Anita Blasberg & Kerstin Kohlenberg: Klimawandel: Die Klimakrieger. In: Die Zeit. Nr. 48, 22. November 2012
  4. PAGES 2k Consortium: Continental-scale temperature variability during the past two millennia. (html) In: Nature Geoscience. 6, Nr. 5, Mai 2013, S. 339–346. doi:10.1038/ngeo1797. Abgerufen am 13. Mai 2013.
  5. S. A. Marcott, J. D. Shakun, P. U. Clark, A. C. Mix: A Reconstruction of Regional and Global Temperature for the Past 11,300 Years. In: Science. 339, Nr. 6124, 7. März 2013, S. 1198–1201. ISSN 0036-8075. doi:10.1126/science.1228026.
  6. a b Dave Reay: Climate science: Denialism deciphered. (html) In: Nature. 538, Nr. 7623, Oktober 2016, S. 34–35. doi:10.1038/538034a.
  7. US-amerikanischer Klimaforscher. „Ich erhielt Morddrohungen“. In: taz, 14. Juli 2016. Abgerufen am 13. Oktober 2016.
  8. Hans Oeschger Medal 2012. European Geosciences Union. Abgerufen am 10. Februar 2014.
  9. Mann receives Stephen H. Schneider Award for outstanding climate science communication