Michael Esfeld

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Michael Esfeld (* 23. Dezember 1966 in West-Berlin) ist ein deutscher Wissenschaftsphilosoph, seit 2002 Professor an der Universität Lausanne und seit 2009 Mitglied der Leopoldina.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Esfeld studierte von 1986 bis 1991 Philosophie und Geschichte an der Universität Freiburg i. Br. Daran anschließend promovierte er in Münster über Mechanismus und Subjektivität in der Philosophie von Thomas Hobbes (Abschluss 1994). Von 1994 bis 1996 arbeitete er an der ETH Zürich zur Philosophie der Quantenphysik und war in der Folge unter anderem als Gastwissenschaftler an den Universitäten von Cambridge und Canberra tätig. Zugleich habilitierte er sich in Konstanz über Holismus in der Philosophie des Geistes und der Philosophie der Physik (Abschluss 2000). 2000 wurde er Lecturer in Philosophy an der University of Hertfordshire, 2001 Professor für Philosophie an der Universität zu Köln. 2002 folgte er dem Ruf als Professor für Wissenschaftsphilosophie an die Universität Lausanne.

Seit 2009 ist Esfeld Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, 2013 erhielt er den Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Seit 2021 gehört er dem akademischen Beirat des Liberalen Instituts an. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Naturphilosophie einschließlich der Metaphysik der Naturwissenschaften und die Philosophie des Geistes einschließlich der Sprachphilosophie.

Als Mitglied der Leopoldina positionierte sich Esfeld im Dezember 2020 klar gegen deren siebente ad-hoc-Stellungnahme zur Corona-Pandemie, die der deutschen Bundesregierung als Legitimation für den im Dezember 2020 begonnenen und danach über Monate hinweg verlängerten Lockdown in Deutschland diente. In dieser „einseitigen“ Stellungnahme sah Esfeld „die Prinzipien wissenschaftlicher und ethischer Redlichkeit verletzt“. Es existierten keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die solche Maßnahmen rechtfertigten. Vielmehr sei der Umgang mit dem Virus selbst im engeren Kreis der Experten für Virologie und Epidemiologie eine Streitfrage. Im weiteren Kreis der Wissenschaftler wiederum sei „höchst umstritten“, ob der Nutzen scharfer politischer Maßnahmen die dadurch verursachten Schäden aufwiege. Er forderte den Akademiepräsidenten Gerald Haug in einem offenen Brief auf, die Stellungnahme zurückzunehmen.[1] Esfeld teilte im Februar 2021 mit, er habe von Haug noch keine Antwort auf seinen offenen Brief erhalten.[2]

Ende August 2021 gab Michael Esfeld dem SRF in der Radio-Sendung „Echo der Zeit“ ein Interview,[3] in dem er auf die Notwendigkeit hinwies, das durch eine Covid-Infektion bestehende Risiko für unterschiedliche Altersgruppen differenziert zu bewerten. Dem Schweizer Bundesrat warf er totalitäres Vorgehen vor, als dieser im August 2021 eine Ausweitung des Covid-Zertifikats in Erwägung zog.[4] Vor der Volksabstimmung zum Covid-19-Gesetz in der Schweiz am 28. November 2021 stellte er die Covid-19-Politik des US-Bundesstaates South Dakota, in dem es kaum Anti-Covid-Maßnahmen gegeben habe, als vorbildlich dar, und stellte generell die Wirksamkeit der Impfungen zur Bekämpfung der Pandemie in Frage.[5]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mechanismus und Subjektivität in der Philosophie von Thomas Hobbes. Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1995.
  • Holismus in der Philosophie des Geistes und in der Philosophie der Physik. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002. (Englisch: Holism in philosophy of mind and philosophy of physics. Kluwer, Dordrecht 2001.)
  • Einführung in die Naturphilosophie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2002.
  • La philosophie de l’esprit. De la relation entre l’esprit et la nature. Armand Colin, Paris 2005.
  • Philosophie des sciences. Une introduction. Presses polytechniques et universitaires romandes, Lausanne 2006.
  • Naturphilosophie als Metaphysik der Natur. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008.
  • mit Christian Sachse: Kausale Strukturen. Einheit und Vielfalt in der Natur und den Naturwissenschaften. Suhrkamp, Berlin 2010. (Englisch: Conservative reductionism. Routledge, New York 2011.)
  • Physique et métaphysique: une introduction à la philosophie de la nature. Presses polytechniques et universitaires romandes, Lausanne 2012. (Italienisch: Filosofia della natura. Fisica e ontologia. Rosenberg & Sellier, Turin 2018.)
  • mit Dirk-André Deckert: A minimalist ontology of the natural world. Routledge, New York 2017.
  • Wissenschaft und Freiheit. Das naturwissenschaftliche Weltbild und der Status von Personen. Suhrkamp, Berlin 2019. (Englisch: Science and human freedom. Palgrave-Macmillan, London 2020.)
  • mit Christoph Lütge: Und die Freiheit? Wie die Corona-Politik und der Missbrauch der Wissenschaft unsere offene Gesellschaft bedrohen. riva, München 2021.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Jürgen Jakobs: Stille Nacht in Deutschland. In: Handelsblatt. 14. Dezember 2020, abgerufen am 29. Mai 2021.
  2. Jonas Kühlberg: Wird die Leopoldina politisch instrumentalisiert? 21. Februar 2021, abgerufen am 31. Mai 2021.
  3. Das Covid-Zertifikat bedroht die offene Gesellschaft. In: Echo der Zeit - RADIO. 28. August 2021, abgerufen am 29. August 2021.
  4. Coronavirus: Bundesrat startet vorsorglich eine Konsultation zur Ausdehnung der Zertifikatspflicht. Abgerufen am 29. August 2021.
  5. Infrarouge, Radio Télévision Suisse vom 24. November 2021.