Michael Gielen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Michael Andreas Gielen (geboren 20. Juli 1927 in Dresden) ist ein deutsch-österreichischer Dirigent und Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gielen ist nach seiner Schwester Carola Stella (geb. 1925) das zweite Kind des österreichischen Theatermanns und späteren Intendanten des Burgtheaters Josef Gielen und der Schauspielerin Rosa Steuermann, der Schwester von Salka Viertel, Eduard Steuermann und Zygmunt Steuermann.

Bereits als Elfjähriger studierte Gielen die drei Klavierstücke Opus 11 von Arnold Schönberg. Gielens Familie emigrierte 1940 nach Argentinien. Dort traf er als Dreizehnjähriger auf den Dirigenten Fritz Busch, mit dem er häufig vierhändig Klavier übte. Von 1942 bis 1949 studierte Gielen in Buenos Aires Klavier und Musiktheorie bei Erwin Leuchter. Er begann 1945 zusätzlich für drei Semester ein Philosophiestudium und spielte sodann privat viel Kammermusik mit seinem Schwager Ljerko Spiller und dessen Violinschülern. Gielen studierte Ernst Kreneks Schrift Über neue Musik und komponierte 1946 entstand als erstes Werk eine Sonate für Klavier und Violine.

Seine berufliche Laufbahn begann er als 1947 als Korrepetitor am Teatro Colón, wo sein Vater Chefregisseur war und ihn der Dirigent Erich Kleiber entscheidend prägte. Gielen wurde Pianist im vom Komponisten Juan Carlos Paz gegründeten Ensemble Agrupación Nueva Música der Argentinischen Gesellschaft für Neue Musik, wo er auch Maurizio Kagel kennenlernte. Im Jahr 1949 führte er in einem durch Paz kommentierten Konzert die Klavierwerke Schönbergs auf,

1950 ging Gielen an die Wiener Staatsoper, wo er ebenfalls als Korrepetitor arbeitete und unter anderem auf Herbert von Karajan, Karl Böhm, Clemens Krauss und Dimitri Mitropoulos traf. Ab 1960 wurde Gielen für fünf Jahre Musikdirektor der Königlichen Oper in Stockholm, 1969 Leiter des Belgischen Nationalorchesters in Brüssel und 1973 Chefdirigent der Niederländischen Oper in Amsterdam. Operngeschichte schrieb er als Dirigent der Uraufführung von Bernd Alois Zimmermanns Oper Die Soldaten am 15. Februar 1965 in Köln. Von 1977 bis 1987 war Gielen Direktor der Oper Frankfurt, die unter seiner Leitung (in Zusammenarbeit mit Klaus Zehelein) zu einem der wichtigsten Opernhäuser Europas avancierte, außerdem Leiter der Museumskonzerte in Frankfurt am Main. Gleichzeitig war er von 1978 bis 1981 Erster Gastdirigent des BBC Symphony Orchestra in London, dessen Ehrendirigent er seitdem ist, und von 1980 bis 1986 Leiter des Cincinnati Symphony Orchestra.

1986 übernahm er das SWF Sinfonieorchester Baden-Baden, das 1996 in SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg umbenannt wurde, und leitete es bis 1999. Von 1999 bis 2014 war er ständiger Gastdirigent, seit 2002 Ehrendirigent dieses Orchesters. Regelmäßig arbeitete er mit dem Konzerthausorchester Berlin, zunächst als Erster Gastdirigent, später als Ehrengastdirigent.

Die Staatskapelle Berlin dirigierte er das erste Mal 1991 mit einer Premiere von Claude Debussys Pelléas et Melisande in einer legendären Inszenierung von Ruth Berghaus. Michael Gielen veränderte das Klangverständniss dieses Orchesters für die Musik des 20. Jahrhunderts grundlegend. 1995 wurde Alban Bergs Lulu unter seinem Dirigat bei den Salzburger Festspielen mit einer Regiearbeit von Peter Mussbach zur Inszenierung des Jahres gekürt. 1997 war die Oper eine Erstaufführung an der Staatsoper Unter den Linden und blieb lange Jahre im Spielplan. Von 1998 bis 2012 folgten in jeder Saison Konzerte mit der Staatskapelle Berlin in denen er sich mit Werken von Ludwig van Beethoven, Anton Bruckner, Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Alban Berg und anderen Komponisten vorwiegend des 20. Jahrhunderts auseinandersetzte. 2001 führte der Dirigent die Premiere von Franz Schrekers Der ferne Klang – wiederum mit einer Regiearbeit von Peter Mussbach – zu einem Erfolg. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er mit der Premiere von Norma sich der italienischen Oper zugewandt. In den folgenden Jahren widmete sich Michael Gielen verstärkt diesem Repertoire und sorgte mit seiner entschlackten, unsentimentalen Interpretation für ein neues Klangbild dieser Literatur. Zunächst als Gastdirigent engagiert, später dann Prinzipal Guest Conductor, wurde er in Anerkennung seiner prägenden künstlerischen Arbeit und kollegialen Verbundenheit mit der Staatsoper Unter den Linden zum Ehrenmitglied ernannt.

Gielens Repertoire war weit gefasst – von Bach bis zur Moderne, sinfonische Literatur wie Oper gleichermaßen. Dennoch waren Schwerpunkte seines Schaffens zu erkennen: einerseits die großen Sinfoniker wie Ludwig van Beethoven, Anton Bruckner und Gustav Mahler, andererseits die Komponisten des 20. Jahrhunderts und hier im Besonderen die Vertreter der Neuen Wiener Schule.

Ende Oktober 2014 gab Gielen bekannt, aus gesundheitlichen Gründen seine Dirigentenkarriere zu beenden und ab sofort keine Konzerte mehr zu dirigieren.[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musikalische Werke

Schriften

  • Unbedingt Musik. Erinnerungen. Insel, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-458-17272-6.
  • mit Paul Fiebig: Mahler im Gespräch. Die zehn Sinfonien. Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 3-476-01933-0.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel

Interviews

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Gielen beendet Dirigierkarriere klassik.com, 30. Okt. 2014
  2. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  3. Kulturmedaille für „Alt“-Fadinger und OÖN-Blogger. OÖN