Michael Glawogger

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Michael Glawogger bei der Premiere von Slumming in Linz, 2006

Michael Glawogger (* 3. Dezember 1959 in Graz; † 22. April 2014 in Monrovia,[1] Liberia) war ein österreichischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Kameramann.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glawogger absolvierte das Akademische Gymnasium in Graz mit der Reifeprüfung 1978. Er besuchte von 1981 bis 1982 das San Francisco Art Institute und studierte anschließend von 1983 bis 1989 an der Filmakademie Wien. Michael Glawogger lebte in Wien und Pitten.

Ähnlich wie Ulrich Seidl, mit dem er mehrfach zusammenarbeitete, bediente er sich häufig der Form des (halb-)dokumentarischen Spielfilms. Seine beiden international erfolgreichsten Arbeiten, Megacities (1998), der erste österreichische Film, der im Programm des Sundance Film Festival gezeigt wurde,[2] und Workingman’s Death (2005), haben über beinahe alle Kontinente verstreute Schauplätze und thematisieren unter anderem soziale Aspekte der Globalisierung.

Das Drama Slumming hatte im Februar 2006 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin seine Uraufführung. Die Komödie Contact High, deren Hauptfiguren bereits in Nacktschnecken zu sehen waren, wurde im März 2009 bei der Diagonale in Graz uraufgeführt.[3] Mit Whores’ Glory kam 2011 erneut eine Dokumentation Glawoggers in die Kinos. In diesem Film behandelt er das Thema Prostitution, das er ansatzweise bereits in seinen vorangegangenen Dokumentarfilmen gestreift hatte. Zusammen bilden Megacities, Workingman’s Death und Whores’ Glory eine Film-Trilogie über den Zustand der Welt um die Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert.

Ende 2013 brach er zusammen mit Attila Boa (Kamera) und Manuel Siebert (Ton) zu einem für die Dauer von rund einem Jahr geplanten „Doku-Experiment“ auf. Ohne vorgefertigtes Konzept filmte er für diesen „Film ohne Namen“ während einer Reise, die im Dezember 2013 in Kroatien begann.[4] Weitere Stationen waren Bosnien-Herzegowina, Albanien, Italien, Marokko und die Westsahara, Mauretanien, Senegal, Mali, Guinea, Sierra Leone und zuletzt Liberia. Über seine Reise berichtete er in den „Glawogger-Tagebüchern“, die im Wochenabstand in der Tageszeitung Der Standard erschienen, sowie in einem Blog bei der Süddeutschen Zeitung.[5][6] Glawogger starb im April 2014 während der Dreharbeiten in Liberia an Malaria.[7][2]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Glawogger: 69 Hotelzimmer. Die Andere Bibliothek, Berlin 2015, ISBN 978-3-8477-0363-1.
  • Henry Keazor: Tradition and Contrast: Industrial Cities and Industrial Work in the Documentaries of Michael Glawogger: From ‘Megacities’ (1998) to ‘Working Man’s Death’ (2005). In: Clemens Zimmermann (Hrsg.): Industrial Cities. History and Future. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-593-39914-0, S. 345–361.
  • Michael Glawogger, in: Internationales Biographisches Archiv 13/2014 vom 25. März 2014, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michael Glawogger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Glawogger-Tod: Ursprünglich Typhus-Diagnose, orf.at, 24. April 2014
  2. a b ORF: Bei Dreharbeiten in Afrika erkrankt, 23. April 2014 (abgerufen am 23. April 2014).
  3. Contact High Diagonale 2009
  4. Der Standard: Michael Glawogger in Nova Gradiška: Die Zukunft, 12. Dezember 2013
  5. Der Standard: Michael-Glawogger-Tagebücher, Dezember 2013 bis April 2014
  6. Süddeutsche Zeitung: Michael Glawoggers Doku-Blog, Dezember 2013 bis April 2014
  7. Kurier: Filmemacher Michael Glawogger ist tot, 23. April 2014 (abgerufen am 23. April 2014).