Michael Gove

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Michael Gove (2020)

Michael Andrew Gove (* 26. August 1967 in Edinburgh, Schottland) ist ein britischer Politiker der Conservative Party, Minister für Wohnen, Kommunen und lokale Selbstverwaltung und ehemaliger Journalist.

Unter verschiedenen Premierministern war er Bildungsminister (2010–2014), Lordkanzler und Justizminister (2015–2016), Umwelt- und Ernährungsminister (2017–2019), Kanzler des Herzogtums Lancaster (2019–2021) und zuletzt Minister für Wohnungswesen, Gemeinden und Kommunalverwaltung (2021–2022).

Gove war ein entschiedener Befürworter des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union und ab 2019 für die No-Deal-Brexit-Planungen der Regierung zuständig. Im Zuge der Regierungskrise im Sommer 2022 riet er Premierminister Boris Johnson zu Rücktritt und wurde daraufhin von diesem entlassen.

Premierministerin Liz Truss berief ihn nicht in ihr Kabinett; Gove betrieb ihren Sturz. Premierminister Rishi Sunak hingegen holte Gove als Minister für „Levelling-up“ in sein Kabinett. Dieses (von Boris Johnson geschaffene) Ministerium soll die Angleichung der Lebensverhältnisse im Norden Englands erreichen.[1]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Adoptivsohn eines Unternehmers aus der Fischindustrie[2] und einer Lehrerin studierte nach dem Besuch staatlicher und unabhängiger Schulen und dem Robert Gordons College von 1985 bis 1988 Anglistik an der Lady Margaret Hall der Universität Oxford, wo er auch Präsident der „Oxford Union“ war. 1993 war er Chefjuror der „World Universities Debating Championship“, eines internationalen Studentenwettbewerbs im Debattieren.

Nach Beendigung des Studiums war Gove, ursprünglich Unterstützer und Aktivist der Labour Party, als Journalist tätig und wurde 1996 vom Herausgeber Sir Peter Stothard zum Kolumnisten bei der Tageszeitung The Times berufen.

Während dieser Zeit initiierte er zusammen mit Frances Lawrence, der Witwe eines ermordeten Schulrektors, eine Kampagne zur Bekämpfung von Straßenkriminalität und ihren Ursachen. Die Kampagne beeinflusste die Gesetzgebung zum Verbot von Kampfmessern und führte zur Stiftung eines Preises für vorbildliche jugendliche Bürger.

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine eigentliche politische Laufbahn begann er bei den Wahlen im Mai 2005, als er als Kandidat der Conservative Party erstmals zum Mitglied des Unterhauses („House of Commons“) gewählt wurde, in dem er seither den Wahlkreis Surrey Heath vertritt.

Bereits im Dezember 2005 wurde er in das konservative Schattenkabinett berufen, in dem er zunächst „Schattenminister“ für Wohnungsbau und dann von Juni 2007 bis Mai 2010 für Kinder, Schulen und Familien war.

Nach dem Wahlsieg der Konservativen bei den Unterhauswahlen 2010 wurde er am 12. Mai 2010 von Premierminister David Cameron zum Bildungsminister (Secretary of State for Education) in dessen erstes Kabinett berufen.[3] Gove war ein Vertreter traditioneller Unterrichtsmethoden, wie sie E.D. Hirsch 1999 in seinem Buch The Schools We Need and Why We Don’t Have Them (Die Schulen, die wir benötigen und warum wir sie nicht haben) beschreibt.[4][5]

Im Juli 2014 wurde Gove im Zuge einer großen Kabinettsumbildung durch Nicky Morgan ersetzt. Gove übernahm dann die Position des Chief Whip.[6] Im Mai 2015 wurde Gove als Lordkanzler und Justizminister (Secretary of State for Justice) erneut in Camerons Kabinett berufen.[7]

Brexit-Abstimmung und Minister unter Theresa May[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der Konservativen Partei gehört er zu den EU-Skeptikern und gehörte zu der Minderheit von konservativen Parlamentsabgeordneten und Kabinettsministern, die sich entgegen der politischen Linie Premierminister Camerons im Rahmen des Referendums über die weitere EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs für einen Austritt aussprachen.[8] In den letzten Wochen vor der entscheidenden Abstimmung im Juni 2016 gehörte er zu den engagiertesten öffentlichen Vertretern des Brexit-Konzepts und war in zahlreichen öffentlichen Debatten zu erleben.[9][10] Über diese Positionierung gingen die früheren freundschaftlichen Beziehungen zu David Cameron in die Brüche.[11]

Nachdem die Befürworter des EU-Austritts beim Referendum siegreich waren, wurde er als einer der Kandidaten für die Nachfolge David Camerons gehandelt.[12] Am 30. Juni 2016 kündigte Gove in einer überraschenden Wendung seine Kandidatur als Parteiführer an, nachdem er zuvor Boris Johnson unterstützt und eigene Kandidaturabsichten verneint hatte.[13] Seine Konkurrenten waren Innenministerin Theresa May, Arbeits- und Rentenminister Stephen Crabb, Energiestaatssekretärin Andrea Leadsom sowie der frühere Verteidigungsminister Liam Fox.[14][15] Am 7. Juli 2016 unterlag Gove in der zweiten Wahlrunde seinen verbliebenen Mitbewerberinnen May und Leadsom und schied damit aus dem Rennen der Kandidaten aus.[16]

Michael Gove gehörte dem ersten Regierungskabinett von Premierministerin May nicht mehr an.[17] Ins zweite Regierungskabinett von Premierministerin May wurde er als Minister für Umwelt, Ernährung und den ländlichen Raum (Secretary of State for Environment, Food and Rural Affairs) berufen.

Minister unter Boris Johnson[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Theresa Mays Rücktritt im Frühjahr 2019 bewarb sich Gove erneut als Parteiführer, schied aber in der letzten Runde der innerhalb der Unterhausfraktion ausgetragenen Vorausscheidung am 20. Juni aus. Die Entscheidung fiel letztlich in einer Urabstimmung aller Parteimitglieder zwischen Außenminister Jeremy Hunt und Boris Johnson, zu Gunsten von Johnson.[18][19]

Der neue Premierminister Johnson berief Gove im Juli 2019 zum Kanzler des Herzogtums Lancaster und Staatssekretär für Kabinettsangelegenheiten. Er war in dieser Position zugleich für die No-Deal-Brexit-Planungen der Regierung zuständig.[20] Im September 2021 wechselte er an die Spitze des Ministeriums für Wohnungswesen, Gemeinden und Kommunalverwaltung.

Nachdem im Zuge der Regierungskrise im Juni/Juli 2022 mehrere Minister zurückgetreten waren, riet Gove Johnson öffentlich dazu, als Premierminister zurückzutreten. Daraufhin wurde Gove am 6. Juli 2022 von Johnson unter dem Vorwurf der Illoyalität entlassen.[21][22]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gove war seit 2001 mit der Journalistin Sarah Vine verheiratet und hat mit ihr zwei Kinder. Anfang Juli 2021 trennte sich das Paar und reichte die Scheidung ein.[23]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Michael Gove – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jochen Buchsteiner: Der unheimliche Schatten aller konservativen Premierminister, faz.net, 26. Oktober 2022.
  2. Simon Johnson: Teenage Michael Gove supported Labour. The Telegraph, 16. Mai 2010, abgerufen am 7. Juli 2016 (englisch)
  3. Gove is named Education Secretary, BBC News, 12. Mai 2010.
  4. E. D. Hirsch: The Schools We Need and Why We Don’t Have Them. Anchor Verlag 1999, ISBN 978-0-385-49524-0
  5. Auszug aus The Schools We Need and Why We Don’t Have Them (englisch)
  6. Michael Gove moved to Chief Whip in Cabinet reshuffle, BBC News, 15. Juli 2014, abgerufen am 15. Juli 2014.
  7. Biography: The Rt Hon Michael Gove MP gov.co.uk (englisch)
  8. Michael Gove says backing UK leaving the EU is ‚optimist’s choice’. BBC News, 24. Februar 2016, abgerufen am 8. März 2016 (englisch).
  9. Michael Gove – ‚EU: In Or Out?’ YouTube, 3. Juni 2016, abgerufen am 20. Juni 2016 (englisch, Diskussion mit Michael Gove auf skynews).
  10. Michael Gove Responds To Brexit Criticism From Stephen Hawking. YouTube, 30. Mai 2016, abgerufen am 20. Juni 2016 (englisch).
  11. Gove: Friendship with Camerons 'strained' over Brexit. BBC News, 10. Dezember 2016, abgerufen am 11. Dezember 2016 (englisch).
  12. Conservative leader: Who might succeed David Cameron? BBC News, 28. Juni 2016, abgerufen am 28. Juni 2016 (englisch).
  13. Michael Gove to stand for Conservative leadership. BBC News, 30. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016 (englisch).
  14. Großbritannien: Theresa May will neue Premierministerin werden. Spiegel Online, 30. Juni 2016, abgerufen am gleichen Tage
  15. Conservative leader: Who might succeed David Cameron? BBC News, 30. Juni 2016, abgerufen am gleichen Tage (englisch)
  16. Theresa May v Andrea Leadsom in Conservative leader race. BBC News, 7. Juli 2016, abgerufen am 7. Juli 2016 (englisch).
  17. Theresa May's cabinet: Who's in and who's out? BBC News, 14. Juli 2016, abgerufen am 14. Juli 2016 (englisch).
  18. Jeremy Hunt kämpft in Tory-Urwahl gegen Boris Johnson. Spiegel Online, 20. Juni 2019, abgerufen am selben Tage.
  19. Boris Johnson elected as Leader of the Conservative Party. Abgerufen am 23. Juli 2019 (englisch).
  20. Sascha Zastiral: Versorgungsengpässe bei hartem Brexit: Ooops. In: Spiegel Online. 19. August 2019 (spiegel.de [abgerufen am 19. August 2019]).
  21. Berliner Morgenpost - Berlin: Berichte: Boris Johnson entlässt Weggefährten Michael Gove. 7. Juli 2022, abgerufen am 7. Juli 2022.
  22. Michael Gove sacked after he urges PM to resign. In: BBC News. 6. Juli 2022, abgerufen am 6. Juli 2022 (englisch).
  23. Michael Gove and Sarah Vine separating and „finalising divorce“. BBC News, 3. Juli 2021, abgerufen am selben Tage. (englisch)