Michael Hartmann (Aktionskünstler)

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Michael Hartmann (* 16. Mai 1966 in München)[1] ist ein deutscher Aktionskünstler.

Ende der 1980er Jahre erfand der Münchener Michael Hartmann das Carwalking[2], das Gehen über auf Bürgersteigen geparkte Autos, ohne diese zu beschädigen. Durch Streetwalking – Gehen auf der Straße, ohne den Vorrang von Kraftfahrzeugen anzuerkennen – versuchte er den Straßenverkehr wieder an die Gewohnheiten und Geschwindigkeiten von Fußgängern anzupassen. Hartmann verbreitete seine Ideen auch in Verkehrsseminaren und einem Buch. Vorübergehend erlangten seine direkten Aktionen gegen den Autoverkehr eine gewisse mediale Aufmerksamkeit[3] und fanden auch vereinzelte Nachahmer, sie brachten ihm aber auch Krankenhausaufenthalte und Einweisungen in psychiatrische Einrichtungen ein. In Gerichtsverhandlungen konnte er meist Freisprüche erreichen.[4] In dem Kurzfilm Autoschreck[5] von Roland Schraut sind seine Aktionen dokumentiert. Nach Hartmanns Umzug ins Ausland schlief die Carwalking-Szene ein.

Motivation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Hartmann beschrieb in seinem Buch, wie er an einem x-beliebigen Tag 1988 mit seiner Freundin unterwegs war, sich die beiden hintereinander zwischen geparkten Autos durchzwängen mussten und er spontan beschloss, seinen Weg geradeaus auf dem Bürgersteig fortzusetzen. So ging er über das erste Auto. Hartmann setzte diese „Begehungen“ fort um zu zeigen, dass der „Mensch über dem Auto steht“.[6]

Aktionsformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Autoklettern (Carwalk) zeigte Hartmann einen härteren Protest gegen den Autoverkehr in seinem Straßengehen, bei dem er versuchte, die dem motorisierten Verkehr vorbehaltenen Fahrbahnen wieder für Fußgänger zurückzuerobern.

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartmanns Aktionen erhielten große mediale Aufmerksamkeit. Folgen waren auch mehrere Krankenhaus- und Gefängnisaufenthalte, zum Beispiel in der JVA Stadelheim und Aufenthalte in psychiatrischen Anstalten zur Begutachtung seiner Zurechnungsfähigkeit. In der Psychiatrie wurde ihm bestätigt, er sei „wach beziehungsweise bewusstseinsklar und allseit orientiert“. Ebenso aber wird der „Verdacht auf überwertige Ideen und Sendungsbewusstsein“ attestiert, eine „etwas überwertige Sicht von der autofreien Zukunft“, der ein „ungewöhnliches Engagement entgegengebracht“ werde. Im Juni 1991 wurde Hartmann vom Amtsgericht München wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 900 DM verurteilt, nachdem er seine Brotzeit auf der Nymphenburger Straße in München eingenommen und dabei einen Stau ausgelöst hatte. 1995 wurde gerichtlich entschieden, dass es sich bei Hartmans Autoklettern um eine Ordnungswidrigkeit und nicht um eine Straftat handelt.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Öko-Schuhfirma Simple produziert einen Sneaker mit dem Namen Carwalker.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Hartmann: Der AutoGeher. AutoBiographie eines AutoGegners. Unrast Verlag, 1998, ISBN 978-3928300810.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Urteil des Landgerichts München 1 vom 21. Oktober 1994
  2. Carwalking: Beschreibung
  3. BGH-Urteilsverkündung in den Tagesthemen vom 31. August 1995
  4. Urteil des Bundesgerichtshofs vom 31. August 1995
  5. Kurzfilm Autoschreck
  6. http://www.projektwerkstatt.de/pwerk/weilburg/nanu/nanu396/carwal.htm