Michael Lüders

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Michael Lüders auf dem blauen sofa, 2011

Michael Lüders (* 1959 in Bremen) ist ein deutscher Politik- und Islamwissenschaftler, der als Publizist sowie Politik- und Wirtschaftsberater tätig ist.

Leben[Bearbeiten]

Michael Lüders studierte zwei Semester arabische Literatur an der Universität Damaskus sowie Publizistik, Islam- und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Ebendort wurde er über das ägyptische Kino zum Dr. phil. promoviert.

Anschließend arbeitete Lüders zunächst als Dokumentarfilmer und Hörspielautor für den SWR und WDR und war von 1993 bis 2002 Nahost-Redakteur bei der ZEIT. Von 2002 bis 2003 war er als Berater für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) tätig.

Seit Januar 2004 ist Lüders als Mitinhaber der Middle East Consulting Group in Berlin freiberuflicher Politik- und Wirtschaftsberater sowie Publizist und Autor. Er hält nach eigenen Angaben Vorträge über „das Spannungsverhältnis zwischen dem Westen und der arabisch-islamischen Welt“ und „Investitionsmöglichkeiten in der arabischen Welt“ und veröffentlicht „Expertisen zur Ursachenforschung islamistischer Gewalt“.[1] Er berät unter anderem das Auswärtige Amt (AA) und erstellt Fachgutachten für die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Darüber hinaus unterrichtet er im Lehrauftrag am Centrum für Nah- und Mittelost-Studien der Philipps-Universität Marburg und ist zur Zeit (2015/16) Gastdozent am Middle East Center der Sakarya Üniversitesi in der Türkei.

Michael Lüders lebt in Berlin.

Mitgliedschaften, Funktionen[Bearbeiten]

Er ist als Nachfolger Peter Scholl-Latours Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft[2]. Außerdem ist er Beiratsmitglied des Nah- und Mittelost-Vereins (NuMOV)[3] und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Orient-Stiftung.

Positionen[Bearbeiten]

Zur Lösung des Syrienkrieges und Reduzierung der Zahl der Flüchtlinge plädierte Lüders für eine Kooperation mit Baschar al-Assad sowie Russland und Iran. Der Berliner Zeitung sagte er: „Es gibt doch bereits eine Schutzzone für Flüchtlinge in Syrien. In dem Küstenstreifen am Mittelmeer, den Assads Armee noch kontrolliert, befinden sich vier Millionen Menschen, die vor dem IS geflohen sind.“[4]

Im Interview zu seinem Werk Wer den Wind sät... führte Lüders seine These aus, wonach „westliche Politik“ nur „vermeintlich“ für Demokratie und Gerechtigkeit stehe.[5]

Den Terroranschlag am 12. Januar 2016 in Istanbul lastete er der PKK an.[6]

Rezeption[Bearbeiten]

Lüders ist in den öffentlich-rechtlichen[7] wie privaten Medien regelmäßig als Nahostexperte zu Gast. Sein Werk Iran: Der falsche Krieg war auf der Bestenliste der „SZ/NDR-Sachbücher des Monats Juni 2012“ verzeichnet und die Tage des Zorns: Die arabische Revolution verändert die Welt wurden in die Shortlist für „Das beste Wissenschaftsbuch 2011“ in Österreich aufgenommen. Franziska Augstein nannte Iran: Der falsche Krieg in der Süddeutschen Zeitung ein „exzellente[s] Buch“ mit einer „klugen, sorgfältigen Darstellung“.[8] Die Journalistin Gemma Pörzgen bemängelte im Deutschlandfunk zwar die „scheinbare Zwangsläufigkeit der von [Lüders] geschilderten Entwicklung“, lobte aber seine „Expertise“ und sah in dem „unbedingt lesenswerten“ Buch ein „angenehme[s] Bemühen um Sachlichkeit“.[9]

Von anderen wird kritisiert, er ergreife Partei für die Islamische Republik Iran und die arabische Seite im Nahostkonflikt. In diesem Zusammenhang wird ihm unter anderem Verdrehung und Ignorierung von Fakten vorgeworfen. Sein Buch Iran. Der falsche Krieg bezeichnete Matthias Küntzel als „Märchenbuch“, das „einer Quellenprüfung nicht stand“ halte.[10] Es sei getragen von „viel Fantasie und wenig seriöse[r] Recherche“, so Sylke Tempel.[11] Küntzel wirft Lüders auch vor, dass dessen wirtschaftliche Interessen in der Region im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als „Nahost-Wirtschaftslobbyist“ sowohl von seinem Verlag wie auch bei seinen regelmäßigen Auftritten im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht erwähnt werden.[10] Der Politikwissenschaftler Stephan Grigat rezensierte das Buch als „perfide“ Verharmlosung des Chomeinismus, das einseitig Fakten verschweige und falsch darstelle.[12]

ttt lobte Lüders 2015 erschienenes Buch Wer den Wind sät als „kenntnisreiches, pointiertes und packendes Buch“[13]. In der Islamischen Zeitung merkte Andreas Abu Bakr Rieger an, dass Lüders „der Abgrund der selbstmörderischen Strategie der Hamas-Ideologen“[14] ein wenig entgehe.Armin Pfahl-Traughber bescheinigte beim hpd dem Buch zwar die Nennung „einer Fülle von historischen und politischen Fakten“, bemängelte jedoch „Aufgeregtheit und Einseitigkeit, aber auch Moralismus und Oberflächlichkeit“ der Darstellung [15]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Neben bislang fünf Sachbüchern schrieb Lüders Hörspiele und produzierte Dokumentarfilme über Afghanistan und Ägypten. Auch seine früheren Romane und Erzählungen spielten im Nahen oder Mittleren Osten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Internationales Biographisches Archiv 23/2009 vom 2. Juni 2009 (rw) Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 18/2012 im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lebenslauf, michael-lueders.de, abgerufen am 29. Dezember 2015.
  2. DAG-Vorstand
  3. NuMOV-Beirat
  4. Thomas Kröter: Vorschlag zum Bundeswehreinsatz in Syrien: Von der Leyen gegen Einsatz von deutschen Truppen in Syrien. In: ksta.de. 16. September 2015, abgerufen am 6. Dezember 2015.
  5. Interview von Georgios Chatzoudis | 17.11.2015
  6. "Der Nahost-Experte Michael Lüders hegt Zweifel, dass das Selbstmordattentat in Istanbul tatsächlich von einem IS-Kämpfer verübt worden ist. Es sei weitaus plausibler, von einem kurdischen Hintergrund auszugehen. Angesichts des erbarmungslosen Kampfes gegen die kurdische Zivilbevölkerung liege ein Racheakt nahe, sagte er im DLF."
  7. Isabella Seemann und Dani Brandt: Michael Lüders’ phantastische Erzählungen am Schweizer Radio 2013
  8. Rezensionsnotiz zu Iran. Der falsche Krieg von Franziska Augstein in der SZ, 30. April 2012 (online)
  9. Gemma Pörzgen: Warnung vor Militärschlag gegen Teheran. In: deutschlandfunk.de. 7. Mai 2012, abgerufen am 10. August 2015.
  10. a b Michael Lüders und „die reichen New Yorker Juden“, publikative.org, 4. Juli 2012.
  11.  Sylke Tempel: Überall Kriegshetzer. In: Tagesspiegel. 13. August 2013 (online).
  12. Stephan Grigat: Der Günter Grass der Politikwissenschaft. In: Jungle World. 7. Juni 2012, abgerufen am 10. August 2015.
  13. 23:40 Uhr]: [http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/sendung-vom-19072015-112.html TTT - So, 19.07.15
  14. Kultur >> Abu Bakr Rieger bespricht den neuen Titel von Michael Lüders - 09.04.2015
  15. Armin Pfahl-Traughber: Die Politik des Westens im Nahen und Mittleren Osten, Humanistischer Pressedienst vom 30. März 2015