Michael O’Leary (Geschäftsmann)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Michael O’Leary (2004)

Michael Kevin O’Leary (* 20. März 1961 in Mullingar) ist ein irischer Geschäftsmann und Vorsitzender der Billigfluggesellschaft Ryanair. Unter seiner Führung ist Ryanair von einer defizitären Regionalfluggesellschaft zu Europas größter Billigfluggesellschaft und der größten europäischen Fluggesellschaft nach Zahl der Passagiere gewachsen. O’Leary gilt durch seine extravaganten Auftritte und Eskapaden als „enfant terrible“ der Luftfahrtbranche.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael O’Leary wurde als Sohn eines irischen Bauernpaares geboren. Er freundete sich schon früh mit Cathal und Declan Ryan an, beides Söhne von Tony Ryan, einem Teilhaber der in den 1980er Jahren mächtigen Leasinggesellschaft Guinness Peat Aviation (GPA). Als Tony Ryan 1985 die Ryanair gründete, war O’Leary noch nicht dabei.

1988 wurde O’Leary aufgrund seiner Kenntnisse im Rechnungswesen als persönlicher Berater von Tony Ryan eingestellt. Die kleine Ryanair war stark defizitär, so dass sich O’Leary nach Möglichkeiten umschaute, um die Fluggesellschaften in die Gewinnzone zu bringen. O’Leary reduzierte die Kosten stark und eliminierte unter anderem die First Class an Bord der Flugzeuge. Doch diese Maßnahmen trugen nicht zur Besserung bei. Die staatliche Aer Lingus drückte ihre Preise stets auf das Niveau von Ryanair herunter. O’Leary empfahl Ryan, „die verdammte Fluggesellschaft zu schließen“.[2]

1989 sprach Tony Ryan beim irischen Verkehrsminister Séamus Brennan vor und berichtete von der finanziellen Lage der Ryanair. Brennan versprach, die Fluggesellschaft zu retten, und regulierte die Flüge auf der Route zwischen Irland und London. Dabei erhielt Aer Lingus die Rechte für die Flughäfen Gatwick und Heathrow, Ryanair hingegen für die kostengünstigeren und wenig ausgelasteten Flughäfen Luton und Stansted. Damit war die Fluggesellschaft vorerst gerettet.

1992 reiste O’Leary nach Dallas, um das Modell der amerikanischen Billigfluggesellschaft Southwest Airlines kennenzulernen. Dazu traf er sich zu Gesprächen mit dem Vorsitzenden der Southwest, Herb Kelleher. O’Leary fing darauf hin an, das Modell von Southwest auf die Ryanair zu übertragen. Dazu gehörte unter anderem die Umstellung der Flotte auf einen einzigen Flugzeugtyp und kurze Bodenzeiten von 25 Minuten. Im Laufe der Jahre entwickelte Ryanair weitere Konzepte, um Kosten einzusparen. Dazu gehörte der Anflug von kostengünstigeren, abgelegenen Flughäfen. O’Leary scheute sich dabei nicht, die Flughäfen gegeneinander auszuspielen,[3] um Ermäßigungen und Subventionen zu erhalten. 1993 zog sich Ryan zurück und beschränkte sich auf beratende Funktionen. O’Leary wurde sein Nachfolger als Vorsitzender der Fluggesellschaft. Unter seiner Führung wurde Ryanair zur größten Billigfluggesellschaft Europas.

Michael O’Leary ist stets bemüht, seine Fluggesellschaft in den Medien präsent zu halten.[4] Aufsehen erregten von O’Leary initiierte provokante Werbekampagnen, sowie seine eigenen öffentliche Auftritte. Unter anderem fuhr O'Leary 2003 mit einem Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg vor den Hauptsitz des Konkurrenten easyJet und behauptete, das Volk von Easyjets hohen Preisen befreien zu wollen. 2004 ließ er sich für den offiziellen Jahresbericht der Fluggesellschaft in einem Putzfrauenkostüm ablichten, im selben Jahr ließ er seinen Mercedes als Taxi registrieren, um in Dublin auch die Busspur benutzen zu dürfen. 2005 demonstrierte O’Leary für Meinungsfreiheit in der Düsseldorfer Innenstadt.[5]

Ein weiteres Markenzeichen O’Learys ist sein lässiger Kleidungsstil. Er erscheint stets in Freizeithemden und ist selten im Anzug zu sehen. Seine teilweise als arrogant bezeichneten Auftritte und sein Erscheinungsbild haben Michael O’Leary sowohl Bewunderer als auch Feinde eingebracht.[6]

O'Leary wurde 2003 von „Business Weekly“ zu den besten Managern des Jahres gezählt und erhielt 2001 vom amerikanischen „Fortune Magazine“ die Auszeichnung „Geschäftsmann des Jahres“.

Vom 2015 nahm er an der 63. Bilderberg-Konferenz in Telfs-Buchen in Österreich teil.

O’Leary ist verheiratet und lebt auf seinem Anwesen „Gigginstown House“ bei Mullingar (Irland).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ryanair warns of a 50% plunge in profits – www.thisismoney.co.uk (englisch)
  2. „Wings World“ über Ryanair (PDF, 875kB)
  3. Artikel aus „Die Welt“ über Ryanair
  4. O’Leary-Interview in der SZ: „Die Umwelt interessiert mich einen Dreck“ 28. Februar 2011
  5. Videofilm der Demo
  6. ePolitix.com – Ryanair slams air passenger duty (englisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michael O'Leary (businessman) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien