Michael Praetorius

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Michael Prætorius (1606)

Michael Praetorius, eigentlich Michael Schulteis (* 15. Februar 1571[1] in Creuzburg bei Eisenach; † 15. Februar 1621 in Wolfenbüttel), war ein deutscher Komponist, Organist, Hofkapellmeister und Gelehrter im Übergang von der Renaissance- zur Barockzeit.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweistafel vor dem Grundstück des am 24. September 1634 durch Brand zerstörten Geburtshauses von Praetorius in Creuzburg

Kindheit und Schule ab 1571/72

Michael Praetorius war der jüngste Sohn von sechs Kindern des streng lutherischen Pfarrers Michael Schulteis. In Torgau besuchte er etwa 10 Jahre lang die Lateinschule, wo die musikalische Tradition Johann Walters fortlebte.

Seinen Schulbesuch setzte er an der Lateinschule in Zerbst fort. Dort lebte er bei seiner Schwester und hatte vermutlich Orgelunterricht bei Thomas oder Lukas von Ende.

Studium ab 1585

1585 begann Praetorius – mit 13 oder 14 Jahren – das Studium der Theologie und Philosophie an der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Dort lebten seine ältesten Brüder Andreas (geb. vor 1549) und Johannes (geb. 1552) als Pastoren. Andreas war Hofprediger des Kurfürsten von Brandenburg und Rektor der Universität.

Nach dem Tod beider Brüder wurde ihm von der Kirchenleitung eine Stelle als Organist an der Universitätskirche St. Marien angeboten. So konnte er seinen Lebensunterhalt etwas drei Jahre lang verdienen, bis er 1589/90 – ohne sein Studium abgeschlossen zu haben – aus unbekannten Gründen Frankfurt verließ.

Aufenthalt und Tätigkeit während der Jahre 1589–94 sind bisher nicht geklärt, möglicherweise setzte er sein Studium in Helmstedt fort und hatte familiäre Anbindung zu seiner Schwester Brigitte, deren Mann Daniel Sachse seit 1591 Oberdomprediger in Halberstadt war.

Kammerorganist ab etwa 1594

Fest steht jedenfalls, dass Praetorius seit etwa 1594 bei Herzog Heinrich Julius (geb. 1564, Regent 1589–1613 im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel), Bischof von Halberstadt und Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, als Kammerorganist angestellt war. Vermutlich hatte der Herzog von dem jungen talentierten Organisten gehört und ihn bewogen, den Musikerberuf zu ergreifen und das Studium der Theologie aufzugeben. „Ich hätte wohl zu der Zeit, da ich ein Organist worden, ein großer Doktor werden können“ schreibt Praetorius später. (Brief von September 1608, Deters 1971 S. 108) Als vielseitig gebildeter Hofbeamter hatte Praetorius mitunter auch Aufgaben eines Sekretärs zu übernehmen, der Überlieferung nach war er auch „Geheimer Kammersekretär“ der Herzogin Elisabeth.

Neben seiner Residenz in Wolfenbüttel hatte Heinrich Julius seinen Bischofssitz in Gröningen bei Halberstadt, den er zu einem prachtvollen Renaissanceschloss ausbauen ließ. In der Schlosskapelle hatte der Halberstädter Orgelbauer David Beck in den Jahren 1592-96 eine prunkvollen Orgel mit 59 Registern errichtet. Als Kammerorganist hatte Praetorius den Bau dieses Instrumentes in allen Einzelheiten verfolgen können. Zur Einweihung der Gröninger Orgel - der drittgrößten im damaligen Deutschland - veranstaltete der Herzog ein Fest und lud dazu 53 Organisten aus ganz Deutschland zum Probespiel ein. Während des Festes hatte Praetorius Gelegenheit, berühmte Kollegen kennenzulernen, u. a. Hans Leo Haßler aus Nürnberg und Hieronymus Praetorius aus Hamburg.

Wohnhaus des Michael Praetorius in Wolfenbüttel

1604 erhielt er den Titel eines Hofkapellmeisters und wurde der Nachfolger von Thomas Mancinus. Als Hoforganist war er hier auch an der 1596 fertiggestellten Gröninger Schlossorgel tätig. Zwischen 1606 und 1612 arbeitete er mit dem berühmtesten Orgelbauer seiner Zeit, Esaias Compenius, zusammen. 1608 wurde er in den Konvent des Klosters Amelungsborn berufen.

Nach dem plötzlichen Tod von Heinrich Julius im Jahr 1613 bat Kurfürst Johann Georg von Sachsen unverzüglich dessen Sohn und Nachfolger, Herzog Friedrich Ulrich, ihm Praetorius als Stellvertreter des Kapellmeisters Rogier Michael zu überlassen. So trat Praetorius in die Dienste am Dresdner Hof und war zudem häufig als musikalischer Berater und Organisator auf Reisen. Als er 1614, nach Ablauf des Trauerjahres für seinen ehemaligen Dienstherrn Heinrich Julius, nach Wolfenbüttel zurückkehren wollte, wurden jedoch seine an Friedrich Ulrich gerichteten Vorschläge zur Reorganisation der Hofkapelle von Wolfenbüttel abgewiesen, weshalb er vermutlich in der Folge nur unregelmäßig in Wolfenbüttel weilte. So ist er bis 1616 noch am Dresdner Hof nachweisbar, von wo er auch noch bis 1618 finanzielle Zuwendungen erhielt. 1614 wurde er ehrenhalber zum Prior des Klosters zu Ringelheim bei Goslar ernannt, womit vermutlich auch Einkünfte verbunden waren, obwohl er nie in dem Kloster residieren musste. Sein Vermögen wandelte er zum größten Teil in eine Stiftung für Arme um.

Anfang 1617 kam Praetorius an den Hof zu Sondershausen, wo er die Kapelle des Grafen Schwarzburg reorganisierte. Ihr widmete er 1619 seine Polyhymnia exercitatrix; 1619 gilt daher als Gründungsdatum des Loh-Orchesters[3]. Am 26. Juni 1617 wirkte er bei Tauffeierlichkeiten am Kasseler Hof mit. 1618 war er zusammen mit Heinrich Schütz und Samuel Scheidt am Neuaufbau der Musik im Dom zu Magdeburg beteiligt. Für 1619 sind Reisen nach Leipzig, Nürnberg und Bayreuth belegt. Seine Absenzen führten zum Niedergang der Wolfenbütteler Hofkapelle; bereits von Krankheit gezeichnet, verlor er 1620 seine Position als Kapellmeister. Michael Praetorius starb 1621 an seinem 50. Geburtstag. Er wurde in der Marienkirche in Wolfenbüttel beigesetzt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briefmarke mit Stimmgabel vor dem Notentext des Liedes In dulci jubilo aus Praetorius' Sammelwerk Musae Sioniae

Praetorius hinterließ eine große Zahl wertvoller Kirchenkompositionen (Messen, Motetten, Hymnen, Kirchenlieder etc.), aber auch weltliche Tänze sowie musikwissenschaftliche Schriften. Sein bedeutendstes Buch, das Syntagma musicum (Bd. 1, Wittenberg/ Wolfenbüttel 1615; Bd. 2 u. 3, Wolfenbüttel 1619; Ndr. Kassel 1958-59), gilt heute als wichtigste Quelle zur Aufführungspraxis der deutschen Musik des Frühbarock. Die dreibändige Abhandlung beschreibt detailliert die zeitgenössische musikalische Praxis und alle damals gebräuchlichen Musikinstrumente.

Praetorius veröffentlichte seine Kompositionen bereits zu Lebzeiten in 20 Bänden. Die ersten neun, Musae Sioniae („Zions-Musen“, 1605–10), enthalten ca. 1244 Choräle und Liederbearbeitungen, die das musikalische Erbe der Reformation widerspiegeln. Band 11, Missodia Sionia, enthält geistliche Musik für den Gottesdienst für zwei bis acht Stimmen, darunter eine achtstimmige Messe.

Die moderne Gesamtausgabe seiner Kompositionen, 1929 von Friedrich Blume herausgegeben, umfasst 20 Bände nebst Registerband. Einem breiten Publikum ist Michael Praetorius vor allem bekannt durch seinen vierstimmigen Satz des Weihnachtsliedes Es ist ein Ros entsprungen.

Das Gegenstück dazu, weltliche Musikwerke, nennt Praetorius in seinen Schriften Musae Aoniae („Äonische Musen“). In seiner Abhandlung Syntagma musicum vermerkt er dazu, dass er unter diesem Titel ursprünglich acht Bände plante. Erhalten ist nur seine Sammlung von 312 größtenteils französischen Tänzen, die er 1612 unter dem Titel Terpsichore veröffentlichte, dem Namen der griechischen Muse des Tanzes.

Im heutigen Evangelischen Gesangbuch stehen folgende seiner Werke:

  • Satz zu Den die Hirten lobeten sehre (Quem pastores laudavere) (EG 29)
  • Satz zu Es ist ein Ros entsprungen (EG 30)
  • Satz zu Der Morgenstern ist aufgedrungen (EG 69)
  • Text zu Wir danken dir, Herr Jesu Christ (EG 121)
  • Canon Jubilate Deo (EG 181.7)
  • Melodie zu Mein Seel, o Herr, muß loben dich (EG 308)
  • Melodie zu O gläubig Herz, gebenedei (EG 318)
  • Melodie zu Mein erst Gefühl sei Preis und Dank (EG 451)

Nachwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gala bei der Verleihung des Praetorius Musikpreises 2012 im Schauspielhaus Hannover mit dem Bildnis von Praetorius

Wegen seiner Verdienste wurde der Musikpreis des Landes Niedersachsen nach Michael Praetorius benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegfried Vogelsänger: Michael Praetorius. Möseler 2008.
  • Hans-Joachim Böttcher: "Praetorius Creuzburgiensis (eigentl.: Schultheiß), Michael", in: Bedeutende historische Persönlichkeiten der Dübener Heide, AMF - Nr. 237, 2012, S. 79–80.
  • Deters, Walter: Alte und neue Aktenfunde über Michael Praetorius, in: Braunschweigisches Jahrbuch 1971

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michael Praetorius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Geburtsjahr 1571 widerspricht anderen Angaben, geht aber aus der gedruckten Leichenpredigt hervor und wird gestützt durch ein Porträt aus dem Jahr 1606 mit der Unterschrift „Ao. aetat. XXXV.“
  2. Herbert von Hintzenstern: Michael Praetorius Creuzburgensis (1571 - 1621) Erschienen in: »Laudate Dominum«: Achtzehn Beiträge zur thüringischen Kirchengeschichte. Festgabe zum 70. Geburtstag von Landesbischof D. Ingo Braecklein. Thüringer kirchliche Studien; Bd. 3, Berlin 1976, S.  111–114 [1]
  3. Aussage von Dr. Michael Maul, Bach-Archiv Leipzig, zit. nach Thüringer Allgemeine Sondershausen, 17. Januar 2013