Michael Stürmer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Michael Martin Stürmer (* 29. September 1938 in Kassel) ist ein deutscher Historiker und Journalist. Er lehrte von 1973 bis 2003 als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Stürmer, Sohn des Komponisten Bruno Stürmer und einer Violinistin, absolvierte 1956 sein Abitur am Friedrichsgymnasium Kassel, studierte Geschichte, Philosophie und Sprachen an der London School of Economics and Political Science (u.a. bei Michael Oakeshott), an der FU Berlin (u.a. bei Gordon A. Craig) und der Universität Marburg. Seine 1965 fertiggestellte Dissertation, die Erich Matthias betreute, befasst sich mit dem Verhältnis von Koalition und Opposition in der Weimarer Republik.[1]

Danach war er wissenschaftlicher Assistent an der Wirtschaftshochschule Mannheim, 1971 folgte die durch Helmut Böhme geförderte Habilitation und Privatdozentur an der TH Darmstadt. 1970/71 war er Lecturer an der University of Sussex.

Von 1973 bis 2003 war er Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg. 1976/77 war er Gast an der Harvard University, 1977/78 am Institute for Advanced Study in Princeton, 1983/84 am Centre for International Studies der University of Toronto und 1984/85 an der Sorbonne in Paris sowie wiederholt an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies in Bologna. Rufe nach Kiel und Berlin lehnte er ab. Zu seinen akademischen Schülern gehören u.a. Klaus Jürgen Bade, Eckart Conze, Anselm Doering-Manteuffel, Michael Klein, Dieter Rossmeissl, Rudolf Schlögl, Hans-Ulrich Thamer und Rainer Trübsbach.

Er war maßgeblich beteiligt am Historikerstreit.[2] Stürmer vertrat die von Jürgen Habermas und Martin Broszat abgelehnte These von der Identitätsstiftung durch Geschichte.

Stürmer war von 1980 bis 1986 außenpolitischer Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). 1984 wurde Stürmer in den Vorstand der Konrad-Adenauer-Stiftung berufen.

Von 1985 bis 1987 war er Mitglied des Gründungsausschusses der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Von 1988 bis 1998 war er Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, damals Forschungsinstitut für Internationale Politik und Sicherheit in Schäftlarn-Ebenhausen. 1999/2000 war er Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin.

Von 1984 bis 1994 war er Leitartikler der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von 1994 bis 1998 war er für die Neue Zürcher Zeitung als Gastkolumnist tätig. Seit September 1998 ist er Chefkorrespondent der Welt und der Welt am Sonntag. Außerdem ist er Autor von Beiträgen im Deutschlandfunk für Deutschlandradio Kultur.

Er ist verheiratet mit der israelischen Repräsentantin der Hebräischen Universität Jerusalem in Berlin, Dorit Brandwein-Stürmer,[3] und Vater von vier Kindern.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Untersuchung von Uwe Krüger zum Einfluss von Eliten auf Leitmedien wird Michael Stürmer zu den am stärksten mit den sogenannten Eliten vernetzten Journalisten gerechnet. Besonders in den Themenfeldern Sicherheit, Verteidigung und Auslandseinsätzen der Bundeswehr zeige sich, dass er in seinen Artikeln den Diskurs der Eliten abbilde, deren Argumente verbreite und für mehr militärisches Engagement werbe. Das vermittelte Bild von Bedrohungen und Konflikten entspreche offiziellen militärpolitischen Doktrinen. Techniken der Propaganda würden zu seiner Verbreitung eingesetzt.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das ruhelose Reich. Deutschland 1866-1918. Wolf Jobst Siedler, Berlin 1983.
  • Die Kunst des Gleichgewichts. Propyläen, Berlin 2001, ISBN 3-54907-138-8
  • Die Grenzen der Macht. Begegnung der Deutschen mit der Geschichte. Siedler, Berlin 1992, ISBN 3-88680-134-9. (Essay; mit einer Auflistung der zitierten und weiterführenden Literatur und einem Bildverzeichnis)
  • Das Jahrhundert der Deutschen. Goldmann, München 2002, ISBN 3-44215-145-7
  • Welt ohne Weltordnung. Wer wird die Erde erben? Murmann, Hamburg 2006, ISBN 3-938017-61-9

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Stürmer: Koalition und Opposition in der Weimarer Republik. 1924–1928 (= Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 36), Droste, Düsseldorf 1967.
  2. Seine Position im Historikerstreit, SWR/3sat, 18. Mai 2006.
  3. Fania Oz-Salzberger: Israelis in Berlin
  4. Uwe Krüger: Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und AlphaJournalisten - eine kritische Netzwerkanalyse. Köln 2013