Michael T. Flynn

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Michael T. Flynn (2012)

Michael Thomas „Mike“ Flynn (* Dezember 1958[1] in Middletown, Rhode Island) ist ein US-amerikanischer Offizier und ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater. Er war Lieutenant General der United States Army,[2][3] Direktor der Defense Intelligence Agency (DIA), Kommandeur der Joint Functional Component Command for Intelligence, Surveillance and Reconnaissance (JFCC-ISR) und Mitglied des Military Intelligence Board. Am 22. Januar 2017 wurde Flynn Nationaler Sicherheitsberater des US-Präsidenten Donald Trump.[4] Am 13. Februar 2017 trat er zurück.[5][6][7]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flynn graduierte 1981 von der University of Rhode Island mit dem Grad Bachelor of Science, anschließend trat er in das Army Reserve Officers’ Training Corps ein, wo er das Offizierspatent erhielt. Er diente danach unter anderem in der 82nd Airborne Division als Fallschirmjäger, im XVIII Airborne Corps, im Joint Special Operations Command (JSOC), in der 25th Infantry Division, im Joint Readiness Training Center, im Army Intelligence Center, XVIII Airborne Corps (G2), in der Joint Task Force 180, in der 111th Military Intelligence Brigade, in den International Security Assistance Force (ISAF) in Afghanistan und im United States Joint Special Operations Command (JSOC) in Fort Bragg.

Flynn erwarb einen Master of Business Administration (MBA) an der Golden Gate University, einen Master of Military Art and Science am Command and General Staff College, einen Master of Arts in Nationaler Sicherheit und Strategie am Naval War College und bekam einen Ehrendoktor vom Institute of World Politics in Washington, D.C. [3]

DIA-Direktor Michael T. Flynn im Juni 2014

Flynn wurde im September 2011 zum Lieutenant General befördert und war vom 24. Juli 2012[8] bis zu seiner vorzeitigen Abberufung am 2. August 2014 Direktor der DIA.[9] Flynn wurde 2014 nach eigener Darstellung in den Ruhestand gedrängt, weil er unbequeme Wahrheiten über den Kampf gegen islamische Extremisten ausgesprochen habe. Andere machten seinen Führungsstil dafür verantwortlich. Seine geplante Reform der Geheimdienstbehörde DIA stieß auf viel Widerstand.[10] Flynn hatte öffentlich gesagt, die Vereinigten Staaten und andere Unterstützerstaaten der säkularen Rebellen in Syrien würden Al-Qaida wissentlich unterstützen, um die syrische Regierung unter Druck zu setzen. Dies sei aber zu spät und unzureichend geschehen. Zudem sei der Aufstieg der Organisation Islamischer Staat zwar frühzeitig bemerkt worden, aber es sei zu wenig oder zu spät etwas dagegen unternommen worden.[11][12][13]

2015 geriet Flynn unter Druck, nachdem er neben dem russischen Präsidenten Putin bei einer Gala des staatlich finanzierten russischen Fernsehsenders Russia Today (RT) in Moskau aufgetreten war. Flynn sagte, er sehe keinen Unterschied zwischen RT und amerikanischen Nachrichtensendern wie CNN[14] und gab zu, dafür bezahlt worden zu sein.[10]

Im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 engagierte sich Flynn für den republikanischen Kandidaten Donald Trump und beriet dessen Kampagne auch in außenpolitischen und militärischen Fragen. Im Sommer 2016 wurde bekannt, dass Flynn in der engeren Auswahl als Vizepräsidentschaftskandidat an der Seite Trumps war, obwohl Flynn bislang als Mitglied der Demokraten registriert ist.[15] Trump wählte letztlich Mike Pence zu seinem Vizekandidaten.

Nach der Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde Flynn für einen Posten im künftigen Kabinett Trump oder in dessen Präsidialamt gehandelt, etwa als Verteidigungsminister[16] bzw. als Berater für die Nationale Sicherheit.[17] Am 22. Januar 2017 wurde Flynn als Nationaler Sicherheitsberater vereidigt.[18]

Sein erster offizieller Auftritt vor Medien richtete sich gegen die Raketentest Irans und nannte die Tests eine Provokation, sowie eine Verletzung von Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates und sprach[19]:

„Wir warnen den Iran heute offiziell“

Michael T. Flynn: Erster öffentlicher Auftritt am 1. Februar 2017

Am 10. Februar 2017 berichteten Washington Post und New York Times, Flynn habe entgegen seiner bisherigen Aussagen Ende Dezember 2016 in einem offenbar durch den Nachrichtendienst erfassten Telefonat mit dem russischen Botschafter Sergei Iwanowitsch Kisljak in Washington über die neuen Russland-Sanktionen des damaligen US-Präsidenten Barack Obama gesprochen.[20] Die amerikanische Bundespolizei FBI vernahm Flynn kurz nach Trumps Amtsantritt zu der Sache;[21] die damalige kommissarische Justizministerin Sally Yates habe das Weiße Haus am 26. Januar[21] gewarnt, dass Flynn angesichts der Diskrepanzen zwischen seinen öffentlichen Äußerungen und den Tatsachen durch Russland erpressbar sein könnte.[22][21] Auch seine teils extremen politischen Ansichten und harsche Art wurden im Wahlkampf und nach der Präsidentschaftswahl 2016 heftig kritisiert.[23] Am 13. Februar 2017 trat Flynn von seinem Amt zurück. Übergangsweise übernahm Keith Kellogg das Amt.[24]

Politische Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael T. Flynn auf einer Wahlkampfveranstaltung für Donald Trump im Phoenix Convention Center, Phoenix, Arizona (Ende Oktober 2016)

Im Mai 2016 gab Flynn Al Jazeera ein Interview und wurde gefragt, ob er Trump in seiner Forderung unterstütze, die Familien von Terrorverdächtigen zu ermorden. Flynn antwortete darauf, dass man die Umstände der Situation berücksichtigen müsse.[25] Flynn hatte früher Foltermethoden wie etwa Waterboarding abgelehnt. Im August 2016 sagte er der Washington Post in einem Interview in Bezug auf Trumps Forderung, gegenüber Einführung der Folter offen zu sein, dass es ihm [Flynn] widerstrebe, Optionen vom Tisch zu nehmen.[25] Den Islam bezeichnete er als „Krebs“ und als „politische Ideologie“, die sich „hinter dem Label Religion versteckt“.[26]

Flynn lehnt den Krieg mit Drohnen ab, weil Drohnenangriffe mehr neue Terroristen schaffen als töten würden, und bezeichnete Obamas Strategie des Drohnenkriegs als gescheitert.[27]

Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2010 ergab eine Militäruntersuchung, dass Flynn während seiner Tätigkeit in Afghanistan ausländischen Militärs geheime Informationen bekanntmachte.[28][29]

Im Juli 2016 tweetete er den Kommentar “The corrupt Democratic machine will do and say anything to get #NeverHillary into power. This is a new low” als Kommentar zu seinem Retweet dieser Nachricht eines Dritten: „Not anymore, Jews. Not Anymore,“ („Diese korrupte demokratische Maschine wird alles tun und sagen, um #NeverHillary an die Macht zu bringen. Das ist ein neuer Tiefpunkt“ bzw. „Nicht mehr, Juden. Nicht mehr.“) Diese Weiterverbreitung und damit implizite Unterstützung einer antisemitischen Nachricht erklärte Flynn wenige Stunden später zu einem Versehen; er löschte seinen Tweet und entschuldigte sich.[30] Ursprünglich war es um die Vorwürfe gegangen, Russland habe die gestohlenen DNC-E-Mails über Wikileaks lanciert.[31]

Flynn hatte vor der Wahl auch via Twitter Gerüchte über die Verwicklung Hillary Clintons in Geldwäsche und Sexverbrechen mit Kindern verbreitet: „Entscheiden Sie – New York Police Department enthüllt neue Hillary-E-Mails: Geldwäsche, Sexverbrechen mit Kindern etc. Muss man gelesen haben!“ Es folgte ein Link zu der „True Pundit“-Story, in welcher der namenlose Autor behauptete, „hochrangige Beamte des New Yorker Police Department“ hätten genügend Beweise gegen Hillary Clinton, „um sie lebenslang hinter Gitter zu bringen“. Enthüllt wurde indes nichts.[32] Der Sohn Flynns, Michael G. Flynn, wurde aufgrund des Verbreitens von Unwahrheiten zu Pizzagate über Twitter aus Trumps Übergangsteam entlassen.[33]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auswahl, sortiert in Anlehnung der Order of Precedence of the Military Awards:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michael T. Flynn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alana Abramson: Michael Flynn: Everything You Need to Know. 18. Juli 2016. Abgerufen am 11. November 2016.
  2. Mark Mardell A damning view of US intelligence in Afghanistan 5. Januar 2010 BBC News (Engl.)
  3. a b c Michael T. Flynn Biography. Abgerufen am 5. Januar 2010.
  4. Fabian Reinbold: Trumps Sicherheitsteam: Auf die harte Tour. In: Spiegel Online. 18. November 2016, abgerufen am 19. November 2016.
  5. Maximilian Rau: Trumps Sicherheitsberater Flynn tritt zurück. In: Spiegel Online. 14. Februar 2017, abgerufen am 14. Februar 2017.
  6. Ken Bredemeier: Trump's National Security Adviser Flynn Resigns Under Fire. In: Voice of America. 14. Februar 2017, abgerufen am 14. Februar 2017 (englisch).
  7. Jordan Fabian: National Security Adviser Michael Flynn resigns. In: TheHill.com. 13. Februar 2017, abgerufen am 14. Februar 2017 (englisch).
  8. Panetta: Under Burgess, DIA Evolved Into Global Agency. Abgerufen am 24. Juli 2012.
  9. gemeinsam mit seinem Stellv. (Memento vom 2. Mai 2014 im Internet Archive)
  10. a b FAZ.net: Trump will offenbar Flynn als nationalen Sicherheitsberater
  11. Mehdi Hasan: Who is to blame for the rise of ISIL? Michael T Flynn, the former head of the US Defense Intelligence Agency, on how to deal with ISIL and Iran, Aljazeera, 29. Juli 2015
  12. Barbara Tasch: Former US military intelligence chief: We knew something like ISIS was coming — and screwed it up, Business Insider, 10. August 2015
  13. Ex-US-Geheimdienstchef über den IS: „Wir waren zu dumm“, Der Spiegel, 30. November 2015
  14. www.washingtonpost.com: Trump adviser Michael T. Flynn on his dinner with Putin and why Russia Today is just like CNN
  15. Trump on VP: There are 2 generals under consideration, Politico, 6. Juli 2016 (englisch)
  16. Unwahrscheinlich, da „By law, military officers must be out of uniform for at least seven years before they are eligible to become secretary of defense, though it is possible that Congress could grant a waiver that would allow Flynn to be named to that post.“ CNN
  17. FAZ.net 18. November 2016: Zorniger General mit klarem Feindbild
  18. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: +++ US-Newsblog +++: Spionageabwehr prüfte Trump-Berater Flynn – SPIEGEL ONLINE – Politik. Abgerufen am 23. Januar 2017.
  19. US-Reaktion auf Raketentest: „Wir warnen den Iran heute offiziell.“ – WELT. Abgerufen am 2. Februar 2017.
  20. FAZ.net 11. Februar 2017: Falsche Versprechungen an Russland?
  21. a b c FAZ.net: FBI vernahm Flynn bereits kurz nach Amtsantritt
  22. Justice Department warned White House that Flynn could be vulnerable to Russian blackmail, officials say
  23. „Kontakte zu Russland: Trumps Sicherheitsberater Flynn tritt zurück | tagesschau.de“. Zugegriffen 14. Februar 2017. http://www.tagesschau.de/ausland/us-sicherheitsberater-flynn-101.html.
  24. Greg Miller/PhilipRucker: Michael Flynn resigns as national security adviser. In: Washington Post. 14. Februar 2017, abgerufen am 14. Februar 2017.
  25. a b He was one of the most respected intel officers of his generation. Now he’s leading 'Lock her up' chants. In: Washington Post. 15. August 2016.
  26. http://www.sueddeutsche.de/politik/usa-muslimas-greifen-zu-den-hueten-1.3259500
  27. Obama's Drone Program Creating More Terrorists Than Killing, Suggests Retired DIA Director, Headlines & Global News, 18. Juli 2015
  28. washingtonpost.com 14. Dezember 2016: Trump’s national security adviser shared secrets without permission, files show
  29. http://apps.washingtonpost.com
  30. Trump backer Flynn retweets anti-Semitic message, apologizes – CNN
  31. Flynn retweets anti-Semitic remark
  32. Verleumdungsaktion „Pizzagate“: In Amerika herrscht die Lüge, FAZ, 9. Dezember 2016
  33. Zeit Online: Trump schmeißt Verschwörungstheoretiker aus seinem Team, 7. Dezember 2016, abgerufen am 8. Dezember 2016