Michael Tojner

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Michael Tojner (* 31. März 1966 in Steyr, Oberösterreich) ist ein österreichischer Unternehmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tojner wuchs in Haag, Niederösterreich, auf und maturierte 1984 am Bundesrealgymnasium Amstetten.[1] Von 1986 bis 1990 studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien und von 1988 bis 1991 Rechtswissenschaften an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Tojner, der auch in Rechtswissenschaften an der Universität Wien promoviert wurde,[2] veröffentlichte seine wirtschaftswissenschaftliche Doktorarbeit mit dem Titel „Eine betriebswirtschaftliche und rechtliche Analyse von Venture Capital“ im Jahr 1990 am Ludwig Boltzmann Institut.[3] Als externer Lektor für Beteiligungsfinanzierung hat Tojner seit 1999 am Institut für Außenhandel der Wirtschaftsuniversität Wien Lehraufträge übernommen, seit dem Wintersemester 2017 ist er Titularprofessor.[4]

Michael Tojner war Mitbegründer von bwin[5] und Global Equity Partners.[6] Insgesamt investierte er in über 50 Jungunternehmen.[7] 2006 gründete er die Industriegruppe Montana Tech Components AG.[8] Zur Montana-Gruppe gehören die Unternehmen Alu Menziken, Varta AG, Universal Alloy Corporation, Asta, Alpine Metal Tech und Aluflexpack. Die Varta AG notiert seit 19. Oktober 2017 im Prime Standard an der Frankfurter Wertpapierbörse, begleitet wurde die Emission von Berenberg und der Uni Credit Bank.[9] Seit den 1990er-Jahren ist er mit der WertInvest im Immobiliengeschäft tätig.[10] Bekannteste Projekte sind hier der Kauf des InterContinental Wien, die „Alte Postzentrale Wien“[11] und das Hotel Kummer.[12] Aktuell in der Öffentlichkeit höchst umstritten ist dabei das Projekt „Wohnturm“ auf dem Heumarkt.[13][14] Der Wiener Gemeinderat stimmte jedoch am 1. Juni 2017 mehrheitlich für das Projekt Heumarkt.[15] Tojner bekundete im September 2018, er stehe nach wie vor hinter dem architektonischen Entwurf, halte ihn städtebaulich für eine optische Bereicherung, überdies gehe er davon aus, dass Wien der Status „Weltkulturerbe“ erhalten bleibe.[16]

Tojner ist Vorstandsmitglied in der Industriellenvereinigung Wien[17] und im Aufsichtsrat der Dorotheum GmbH & Co KG.[18] Seit 2010 kooperiert er mit dem Unternehmer Martin Ohneberg in verschiedenen Projekten.[19]

Michael Tojner engagiert sich in der Jugend-Sportförderung.[20] Er nimmt Stellung zu aktuellen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen, organisiert und hält Vorträge, zum Beispiel im Wiener „Club 20“[21] oder in der Mittwochsgesellschaft.[22] Tojner unterstützt Architektur- und Kunstprojekte.[23] Er ist verheiratet und Vater von sechs Kindern.[24]

Seit 1986 ist er Mitglied der katholischen Studentenverbindung KAV Bajuvaria Wien im ÖCV[25].

Die Zeitschrift Trend reihte ihn 2019 auf der Liste der reichsten Österreicher auf Platz 31 ein, mit einem geschätzten Vermögen von 1,45 Milliarden Euro.[26][27]

Spekuliert wird über eine finanzielle Beteiligung an deutschen Zulieferern der Luftfahrtindustrie.[28]

Vorwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 2019 wurde bekannt, dass Michael Tojner wegen des Verdachts des Betrugs im Umfang von etwa 40 Millionen € vom Land Burgenland angezeigt wurde (Aktenzahl: 63 St1/19x).[29] Tojner bestreitet die Vorwürfe. Zwei von Tojner vorgelegte Gutachten kommen zu dem Ergebnis, dass keine Pflichtverletzung vorgelegen habe.[30] Nachdem er das Land um rund 113 Millionen Euro geschädigt haben soll, wurden im Juli 2019 Immobilien Tojners im Wert von rund 140 Millionen Euro beschlagnahmt.[31]

Der Burgenländische Landesrechnungshof kam hingegen in seinem Prüfbericht „Gemeinnützige Bauvereinigungen Pannonia, Gesfö und Riedenhof“ zu folgendem Schluss: „Das Land Burgenland wickelte die Entziehungsverfahren nicht ordnungsgemäß ab. Gemäß § 37 AVG war es als Aufsichtsbehörde vor allem verpflichtet, im Rahmen des Verfahrens den maßgebenden Sachverhalt festzustellen. Das Land Burgenland kam dieser Verpflichtung nicht mit der gebotenen Sorgfalt nach. Dies führte zu zahlreichen Verfahrensmängeln sowie aktenwidrigen und fehlerhaften Bescheiden.“[32][33]

In der Causa Tojner rund um die Wohnbaugenossenschaften Gesfö/Riedenhof und Pannonia ermittelt die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) nun auch wegen des Verdachts auf Abgabenhinterziehung. Das Verfahren läuft gegen zwei Beschuldigte, die involvierte Immobiliengesellschaften geführt und nach Liegenschaftskäufen zu wenig Grunderwerbssteuer abgeführt haben sollen. Zudem ermittelt die WKStA auch in diesem Konnex gegen Michael Tojner, er soll die beiden angestiftet haben. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. Das Finanzamt für Gebühren, Verkehrssteuern und Glücksspiel soll die drei Beschuldigten bis Ende des Jahres 2020 vernehmen.[34]

Ermittler der Staatsanwaltschaft (StA) Wien sind am 25. Februar 2021 im Zuge der Ermittlungen gegen den ehemaligen Justizminister und jetzigen Verfassungsrichter Wolfgang Brandstetter beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) erschienen. Es wurde ein Notebook Brandstetters sichergestellt. Brandstetter wird verdächtigt, Informationen über Ermittlungen gegen den früheren Politiker Christoph Chorherr (Grüne) an den Hochhausinvestor Michael Tojner weitergegeben zu haben. Gegen Chorherr wird bereits seit 2017 ermittelt. Auch Chorherr und Brandstetter bestreiten alle Korruptionsvorwürfe.[35] Gegen Abend des 25. Februar wurde bekannt, dass laut Presse gegen Wolfgang Brandstetter und Christian Pilnacek wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses ermittelt werde. Es gebe laut Standard einen Konnex zur Causa Stadterweiterungsfonds.[36]

Die nunmehrigen Untersuchungen der Staatsanwaltschaft gegen Wolfgang Brandstetter sollen laut dem Wirtschaftsmagazin Trend auf einem Zufallsfund bei der dritten Hausdurchsuchung bei Michael Tojner am 10. Februar 2021 basieren. Michael Tojner und Wolfgang Brandstetter kennen sich bereits aus ihrer Schulzeit im niederösterreichischen Haag und Brandstetter soll diesen öfters rechtlich beraten haben. Brandstetter ist auch in zwei Gesellschaften der Tojner-Gruppe mandatiert.[37]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Privatisierung in Tschechien: Eine Analyse des Privatisierungsansatzes unter besonderer Berücksichtigung der verfassungs- und verwaltungsrechtlichen Grundlagen. Rechtswissenschaftliche Dissertation, Wien 1996.
  • zusammen mit Reinhard Moser: Beteiligungskapital und Unternehmertum, Fünf Case Studies, Linde-Verlag, Wien 2013, ISBN 978-3-7093-0547-8, 248 Seiten.
  • zusammen mit Jesús Crespo Cuaresma: Staatsquoten und Pensionssysteme, Linde-Verlag, Wien 2015, ISBN 978-3-7093-0613-0, 232 Seiten.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verein der Absolventen und Freunde des Amstettner Ostarrichi-Gymnasiums. Abgerufen am 27. November 2017.
  2. Michael Tojner, Reinhard Moser: Beteiligungskapital und Unternehmertum. Linde Verlag GmbH, Wien 2013, S. 220.
  3. Eine betriebswirtschaftliche und rechtliche Analyse von Venture Capital. Abgerufen am 27. November 2017.
  4. Wirtschaftsuniversität Wien, Betriebswirtschaftslehre des Außenhandels. Abgerufen am 27. November 2017.
  5. GEP-Chef Michael Tojner verlässt betandwin. (Nicht mehr online verfügbar.) Börse Express GmbH, archiviert vom Original am 19. Oktober 2017; abgerufen am 19. Oktober 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/frost.be24.at
  6. Homepage Global Equity Partners. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 27. November 2017.@1@2Vorlage:Toter Link/www.gep.at (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. Michael Tojner: "Auf zwei Freunde kommen acht Feinde". Abgerufen am 27. November 2017.
  8. Montana Tech Components Historie. Abgerufen am 27. November 2017.
  9. Varta startet mit Höchstpreis an der Börse. Die Zeit (online), 19. Oktober 2017, abgerufen am 27. November 2017.
  10. WertInvest Firmenhistorie. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 14. Dezember 2017; abgerufen am 27. November 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wertinvest.at
  11. Clemens Fabry: Ein Hotel im alten Postgebäude. Die Presse, 7. Juni 2015, abgerufen am 27. November 2017.
  12. Hans Weitmayr: Motto-Neues Hotel Projekt. In: www.forbes.at. Forbes, 3. Juni 2015, abgerufen am 27. November 2017.
  13. Heumarkt Neu. WertInvest Hotelbetriebs GmbH, abgerufen am 27. November 2017.
  14. Das umstrittene Projekt: Die Zukunft am Heumarkt. In: Die Presse am Sonntag. 22. Oktober 2017, S. 10.
  15. Heumarkt-Projekt im Gemeinderat beschlossen. ORF, 1. Juni 2017, abgerufen am 19. Oktober 2017.
  16. Tojner hält an Heumarkt-Projekt fest
  17. Vorstand der IV-Wien. Abgerufen am 27. November 2017.
  18. FACTS. Dorotheum, abgerufen am 19. Oktober 2017.
  19. Henn-Eigentümer Ohneberg in Verwaltungsrat von Montana Tech gewählt. VOL.at, abgerufen am 19. Oktober 2017.
  20. Dr. Dr. Michael Tojner unterstützt die Union Haag. Homepage Union Haag e.V., abgerufen am 27. November 2017.
  21. Club 20 Homepage: Archiv. 20. Oktober 2016, abgerufen am 27. November 2017.
  22. Martin Ross: Nachdenken über Österreichs Zukunft. Cash – Das Handelsmagazin, 3. April 2017, abgerufen am 27. November 2017.
  23. Parallel Vienna: 400 Künstler in sechs Tagen. Presse, abgerufen am 19. Oktober 2017.
  24. “Ein fescher Wagniskapitalist”. Neue Zürcher Zeitung, 21. März 2011, abgerufen am 27. November 2017.
  25. Gesamtverzeichnis des ÖCV 2004, IV - 586.
  26. Das jährliche „trend“-Ranking: Die 100 reichsten Österreicher (Auszug). Abgerufen am 5. Juli 2019.
  27. Das jährliche „trend“-Ranking: Die 100 reichsten Österreicher. Abgerufen am 5. Juli 2019.
  28. Der Spiegel: Der Luft-König, Nummer 43/2020, 17. Oktober 2020, S. 78 f.
  29. Burgenland wittert Betrug: Anzeige gegen Unternehmer Tojner. Kleine Zeitung, 19. Januar 2019, abgerufen am 19. Januar 2019.
  30. Renate Graber: Wie Tojner seine Immobiliendeals verteidigt. In: Der Standard. 7. Februar 2019, S. 20.
  31. Knalleffekt: Tojners Immobilien um 140 Millionen Euro beschlagnahmt, abgerufen am 24. August 2020
  32. Prüfbericht: Gemeinnützige Bauvereinigungen Pannonia, Gesfö und Riedenhof - Entziehung der Gemeinnützigkeit. Abgerufen am 11. Januar 2021.
  33. Rechnungshof: Burgenland war „sorglos, nachlässig und kritiklos“. Abgerufen am 11. Januar 2021.
  34. Renate Graber: Justiz ermittelt gegen Tojner wegen Verdachts der Steuerhinterziehung, in: Der Standard vom 21. November 2020.
  35. Elektronische Geräte bei Brandstetter und Pilnacek sichergestellt, Webseite: orf.at vom 25. Februar 2021.
  36. StA Wien bei Brandstetter und Pilnacek, orf.at vom 25. Februar 2021.
  37. Angelika Kramer: Ex-Justizminister Wolfgang Brandstetter im Visier der Staatsanwälte, Webseite: trend.at vom 24. Februar 2021.