Michael Vogt

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Michael Vogt, Buchmesse Leipzig 2016

Michael Friedrich Vogt (* 16. Dezember 1953 in Kassel) ist ein deutscher Publizist, Dokumentarfilmer und politischer Aktivist. Vogt war in den 1980er und 1990er Jahren als Dokumentarfilmer tätig, von 1998 bis 2007 Honorarprofessor am Institut für Journalistik der Universität Leipzig im Bereich Public Relations und Kommunikationsmanagement, und tritt seitdem vor allem als politischer Aktivist in Erscheinung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Vogt wuchs in Kassel auf und besuchte ab 1960 die Grundschule und ab 1964 das Wilhelmsgymnasium, wo er 1972 das Abitur ablegte. Von 1972 bis 1977 studierte er Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Magister artium 1977). 1978 begann er mit der Anfertigung seiner Dissertation. 1979 wurde er bei Vera Piroschkow,[1] Privatdozentin für Politische Theorie mit besonderer Berücksichtigung Russlands, an der Philosophischen Fakultät mit der Dissertation Die Anthropologie bei Karl Marx und Friedrich Engels. Konsequenzen eines normativen Menschenbildes zum Dr. phil. promoviert.

Als Student engagierte sich Vogt politisch und wurde im Wintersemester 1972/1973 Mitglied der Burschenschaft Danubia München[2]; 1977 war er ihr Vorsitzender und Sprecher.[3] Vogt war 1973 und 1974 Mitglied des Hochschulpolitischen Ausschusses (HpA),[3] eines Gremiums der Deutschen Burschenschaft, das laut Dietrich Heither et al. „seit Mitte der siebziger Jahre als ‚Durchlauferhitzer‘ für rechtsextremes Gedankengut“ fungierte.[4] 1976 war er Beisitzer im Hauptausschuss der Deutschen Burschenschaft und wurde 1977[5] ihr Vorsitzender und Sprecher.[3] Vogt wurde später Mitglied des Rings Freiheitlicher Studenten,[4] der 1979 auf Initiative des HpA in der Bundesrepublik gegründet wurde und „stark neofaschistische Tendenzen“ aufwies. Im Zuge eines zeitweiligen Aufenthalts in Köln wurde er 1980 Mitglied der Burschenschaft Germania Köln.[6]

Anfang der 1980er Jahre arbeitete er für Lübbe-TV unter der Chefredaktion von Wolfgang Venohr.[7] Zusammen mit Venohr produzierte er Dokumentarfilme, unter anderem 1983 den Zweiteiler Warum die Deutschen Hitler wählten beziehungsweise Warum die Deutschen Hitler folgten und zusätzlich im gleichen Jahr mit Alfred de Zayas einen Film über alliierte Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg, Kriegsverbrechen 1939 bis 1945 Teil I und Teil II. Seit den 1980er Jahren tritt er mit „nationalneutralistischen Positionen“ in Erscheinung.[8] 1984 war er Mitunterzeichner des rechten Aufrufs „Den Frieden retten, Deutschland vereinen“.[9]

In späteren Jahren folgten weitere Produktionen für unterschiedliche Auftraggeber, neben Filmen rund um die Thematik Ernährung und Wellness (unter anderem Pro7 und n-tv) auch umstrittene Beiträge wie 2002 Nemmersdorf 1944: Die Wahrheit über ein sowjetisches Kriegsverbrechen. Der Film ist eingestellt in den Kanal „Bibliotheca Germania“, der neben den Kanälen „Deutsches Schwert“ und „Deutscher Freigeist“ steht. Dort wendet man sich gegen „das BRD-Regime“, sieht „Deutschland besetzt und geteilt“ und wünscht den staatlichen Zustand von vor dem Vertrag von Versailles.

Von 1998 bis 2007 war Vogt Honorarprofessor am Institut für Journalistik der Universität Leipzig im Bereich Public Relations. 2007 wurde er entlassen, nachdem er mit dem Rechtsextremisten Olaf Rose 2004 einen Film Geheimakte Heß erstellt hatte, der als geschichtsrevisonistisch und fehlerhaft eingeschätzt wurde, und nachdem er an einem „dubiosen“ Treffen in Straßburg teilgenommen hatte, zu dem die damalige rechtsextreme Fraktion Identität, Tradition, Souveränität (ITS) im Europäischen Parlament eingeladen hatte. Vogt bestritt die Teilnahme; Teilnehmer des Treffens, so etwa der Bundesvorsitzende der Republikaner Rolf Schlierer, erinnerten sich freilich anders: „Ja, er war da, wir haben sogar miteinander gesprochen“ (Schlierer).[10] Der Heß-Film basierte vor allem auf Angaben des britischen Autors Martin Allen, dessen zeitgeschichtliche Publikationen seit langem dafür bekannt sind, dass sie vor allem auf gefälschten Dokumenten beruhen.[11][12] Der Bezug der beiden Filmautoren auf den Würzburger Geschichtsprofessor Rainer F. Schmidt führte zu dessen Protest. Schmidt bedauerte das Interview, das er gab, denn Vogt und Rose würden gezielt eine Klientel bedienen, die nicht an wissenschaftlicher Aufklärung interessiert sei, sondern nur dunklen Verschwörungstheorien nachhänge.[13] Er warf den Filmautoren vor, ihn in der angemaßten Rolle von n-tv-Journalisten getäuscht zu haben.[14] Auch nach seiner Entlassung behielt Vogt den auf Zeit vergebenen Professoren-Titel weiterhin bei.

Ab 2007 trat er als freier Mitarbeiter bei Jan Udo Holeys Internetsender Secret-TV in Erscheinung. Für die Firma Nuoviso interviewte er Heinz Dieterich, Universität Mexiko-Stadt, zu dessen in Lateinamerika erfolgreichem Buch Socialismo del Siglo XX (dt. Sozialismus des 21. Jahrhunderts). Danach wirkte er als Moderator bei Alpenparlament.tv mit.

2012 publizierte Vogt in den Burschenschaftlichen Blättern ein Manifest „Weg in die Freiheit - Deutschlands Aufbruch 2012“. Darin plädierte er für eine „revolutionäre Neuordnung“, nämlich für die „Abschaffung des Parteienstaates“, für die „Herstellung wirklicher Volksherrschaft“ und den Austritt aus der NATO und der Euro-Zone. Es dürfe nur mehr eine völkische Definition der Zugehörigkeit zum deutschen Volk gelten. „Nach deutschem und burschenschaftlichem Verständnis“ bemesse sich die Eigenschaft "Deutscher" nach den Kriterien „Abstammung und Kultur“. Leider werde „die bundesrepublikanische Staatsbürgerschaft derzeit inflationär und ohne Rücksicht auf deutsche Herkunft und Abstammung vergeben“.[15] Nach Auffassung Vogts handele es sich bei der Bundesrepublik um ein im Niedergang befindliches System, das sich in einer vorrevolutionären Phase befinde. Die Bundesregierung sah in diesen Äußerungen Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen.[16] Ebenfalls 2012 initiierte Vogt – gemeinsam mit Jo Conrad – das Projekt Aufbruch Gold-Rot-Schwarz. Ziel des Projektes ist insbesondere, jene Gruppen zu vereinen, die, wie etwa die kommissarischen Reichsregierungen, Existenz, Souveränität und Legitimation der Bundesrepublik Deutschland bestreiten.[17]

Vogt ist Gesellschafter des Schild-Verlags in Elbingen und betreibt einen eigenen Internet-Sender Quer-Denken.TV als Organ der sogenannten Wahrheitsbewegung. Er gehört dem „Medienbeirat“ des Zusammenschlusses „Wissensmanufaktur“ an, der sich als „unabhängiges Institut für Wirtschaftsforschung und Gesellschaftspolitik“ beschreibt und bekundet, auch solches zu publizieren, was nicht der „political correctness“ entspreche. Hier kooperierte Vogt unter anderem mit dem frühen Unterstützer der AfD und Berater des BZÖ, dem Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider,[18] der antifeministischen Sachbuchautorin und ehemaligen Fernsehsprecherin Eva Herman,[19] dem Meteorologen und Leugner des Treibhauseffekts Wolfgang Thüne, dem hochrangigen, auch in rechtsextremen Periodica publizierenden Wirtschaftsfunktionär Wilhelm Hankel, dem Generalmajor a.D. und Geschichtsrevisionisten Gerd Schultze-Rhonhof und dem sich auf Gottfried Feder berufende „Wirtschaftsfachmann“ Andreas Popp.[20]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Olaf Rose: Geheimakte Heß, Geschichte und Hintergründe der gescheiterten deutsch-englischen Friedensverhandlungen – Langfassung der n-tv Dokumentation. DVD, ISBN 3-937163-51-4.
  • Weg in die Freiheit: Deutschlands Aufbruch 2012 – urburschenschaftliches Manifest zur revolutionären Neuordnung. In: Burschenschaftliche Blätter. 2/2012.
  • mit Michael Morris, Andreas Popp, Johann Georg Schnitzer, Stefan Erdmann, Ben Morgenstern, Johannes Holey, Jan van Helsing (Jan Udo Holey), Rudolf Passian: politisch unkorrekt: unbequeme Tatsachen und gefährliche Wahrheiten, die man nicht mehr aussprechen darf! Ama Deus Verlag, Fichtenau 2012, ISBN 978-3-938656-60-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Vogt: Die Anthropologie bei Karl Marx und Friedrich Engels, Konsequenzen eines normativen Menschenbildes. Dissertation, LMU München, 1979, S. 6.
  2. Jens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch deutscher Rechtsextremismus. Elefanten-Press, Berlin 1996, ISBN 3-88520-585-8, S. 323.
  3. a b c Burschenschaftliche Blätter. 1977, S. 162.
  4. a b Dietrich Heither, Michael Gehler, Alexandra Kurth, Gerhard Schäfer: Blut und Paukboden. Eine Geschichte der Burschenschaften. Fischer, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-596-13378-5, S. 231.
  5. Dietrich Heither, Michael Gehler, Alexandra Kurth, Gerhard Schäfer: Blut und Paukboden. Eine Geschichte der Burschenschaften. Fischer, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-596-13378-5, S. 236.
  6. Hans-Joachim Loose: Kölner Burschenschaft Germania 1920–1980: Geschichte und Mitgliederverzeichnis der Kölner Burschenschaft Germania. 1980, S. 340.
  7. Margret Feit: Die „Neue Rechte“ in der Bundesrepublik. Campus Verlag, 1987, S. 191 und 176.
  8. Steffen Kailitz: Die politische Deutungskultur im Spiegel des „Historikerstreits“. What's right? What's left?. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, ISBN 3-531-13701-8, S. 269.
  9. Franz Gress, Hans-Gerd Jaschke, Klaus Schönekäs: Neue Rechte und Rechtsextremismus in Europa: Bundesrepublik, Frankreich, Grossbritannien. Westdeutscher Verlag, Opladen 1990, ISBN 3-531-11890-0, S. 269.
  10. Alle Angaben nach: Christoph Giesen: Honorarprofessor unter Rechtsextremismus-Verdacht. In: Der Spiegel. 23. November 2007. (online); Uni Leipzig feuert umstrittenen Honorarprofessor. In: Spiegel Online. 23. November 2007. (online); VVN-BdA gegen Kooperation mit Mahnwachen. „Genau hinsehen, mit wem wir uns in eine Reihe stellen.“ Distanzierung von jedem Querfront-Versuch. In: Neues Deutschland. 2. Dezember 2014.
  11. jungemedienhamburg.wordpress.com
  12. Ernst Haiger: Fälschungen [von Martin Allen] zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs im britischen Nationalarchiv. In: Christian Müller-Straten: Fälschungserkennung. Band 2, Verlag Dr. Christian Müller-Straten, München, S. 211–221.
  13. Christoph Giesen: Uni Leipzig: Honorarprofessor unter Rechtsextremismus-Verdacht. In: Der Spiegel. 12. November 2007. (online)
  14. Albrecht Kolthoff: Braunes merchandising. Die TV-Sendung zur DVD zum Buch zur Nazi-Demo. In: Telepolis. 30. September 2004. (online)
  15. Deutscher Bundestag, Drucksache 17/10829. 17. Wahlperiode, Kleine Anfrage aus der Fraktion Die Linke, 25. September 2012. (online)
  16. Florian Diekmann, Oliver Trenkamp: Rechtsextreme Burschenschafter: Träumen von der Revolution. In: Spiegel Online, 23. November 2012, abgerufen am 22. Dezember 2012.
  17. Konferenz der anderen Art in der Stadthalle Alsfeld. In: Oberhessische Zeitung. Lokalausgabe Alsfeld, 8. November 2012.
  18. Günther Lachmann, Schachtschneider gibt Kandidatur für AfD auf. In: Die Welt. 7. Januar 2014. (online)
  19. Björn Hengst, Eva Herman: Rechtsparteien buhlen um ihre Traumfrau. In: Der Spiegel. 11. Oktober 2007. (online)
  20. Stefan Lauer: Wer macht die Montagsdemos rechts? In: VICE. 13. Mai 2014. (online)