Michael Wolffsohn

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Michael Wolffsohn, 2017

Michael Wolffsohn (geboren 17. Mai 1947 in Tel Aviv) ist ein deutscher Historiker und Publizist. Er lehrte von 1981 bis 2012 Neuere Geschichte an der Universität der Bundeswehr München.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Wolffsohn ist der Sohn einer 1939 nach Palästina geflüchteten jüdischen Kaufmannsfamilie und Enkel des Verlegers und Kinopioniers Karl Wolffsohn. Nach der Einschulung in Israel 1953 siedelte er 1954 mit seinen Eltern nach West-Berlin über und begann 1966 sein Studium an der Freien Universität Berlin. Von 1967 bis 1970 diente er als Wehrpflichtiger in der israelischen Armee, wo er unter anderem nach dem Sechstagekrieg in den Palästinensischen Gebieten eingesetzt wurde.[1] Während seines Wehrdienstes bestand er 1968 zusätzlich das israelische Abitur. Danach kehrte er nach Berlin zurück. Wolffsohn hatte ursprünglich die deutsche und die israelische Staatsbürgerschaft; die israelische gab er 1984 auf.[2]

Er studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft an der Freien Universität Berlin, der Universität Tel Aviv und der Columbia University in New York City. Im Jahre 1975 wurde er bei Wolfram Fischer[3] in Geschichte an der FU Berlin zum Dr. phil. promoviert. Von 1975 bis 1980 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität des Saarlandes. Im Februar 1980 erfolgte seine erste Habilitation in Politikwissenschaft an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität des Saarlandes (bei Jürgen Domes), danach die zweite Habilitation in Zeitgeschichte an der Philosophischen Fakultät der Universität des Saarlandes. 1980/81 war er Lehrstuhlvertreter an der Hochschule der Bundeswehr Hamburg. Von September 1981 bis zu seiner Pensionierung 2012 lehrte Wolffsohn an der Universität der Bundeswehr München als Professor für Neuere Geschichte.[4] Im Jahre 1991 gründete er dort die Forschungsstelle Deutsch-Jüdische Zeitgeschichte.

Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Internationalen Beziehungen, der israelischen und deutsch-jüdischen Geschichte sowie der historischen Demoskopie (= Umfragen in vordemoskopischer Zeit). Er ist Autor zahlreicher Bücher und schreibt für mehrere Zeitungen im In- und Ausland, beispielsweise für Die Welt, Bild, Neue Zürcher Zeitung und den Tagesspiegel. Immer wieder ist er Gast in Fernsehdiskussionen wie Hart aber fair,[5] Anne Will,[6] Maischberger[7] oder Maybrit Illner.[8] Wolffsohn war Mitglied im Stiftungsrat der Eugen-Biser-Stiftung und Vorsitzender der Jury des Eduard-Rhein-Kulturpreises.[9] 1993 war er Gastprofessor am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire.

Von 1980 bis 1982 war er Präsidiumsmitglied des Deutschen Hochschulverbandes. Anfang der 1990er Jahre wurde er Mitglied im Collegium Europaeum Jenense. 1992 wurde er Mitglied der Europäischen Akademie für Wissenschaft und Künste. Seit 2001 ist er Mitglied des Kuratoriums der Goethe-Gesellschaft[10]; von 2001 bis 2015 war er Mitglied des Kuratoriums der Eduard-Rhein-Stiftung. Seit 2002 gehört er dem Research Board of Advisors im American Biographical Institute an und ist Ehrenmitglied im Verein Deutsche Sprache.

Von seinem Großvater Karl Wolffsohn erbte er die Gartenstadt Atlantic im Berliner Stadtteil Gesundbrunnen. Die Komplettsanierung von 2001 bis 2005 erfolgte laut Eigendarstellung durch Verzicht auf den Großteil seines eigenen Vermögens.[11] Die denkmalgeschützte Wohnanlage wurde mehrfach ausgezeichnet und ist ein gemeinnütziges, deutsch-jüdisch-islamisch-interkulturelles Kultur- und Integrationsprojekt.[12] Seine Ehefrau Rita, die Tochter von Wilhelm Braun-Feldweg, leitet die Gartenstadt Atlantic.[13]

Von Juli 2008 bis September 2009 war Wolffsohn Vorstandsmitglied und Kulturreferent der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Dann trat er wegen „unüberbrückbarer inhaltlicher und organisatorischer Differenzen“ von diesem Posten zurück.[14]

Politische Positionen und Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolffsohn bezeichnet sich als „einen kosmopolitischen deutsch-jüdischen Patrioten“[15] und sieht sich in der Tradition der Emanzipation. Wiederholt unterstrich er, dass die Geschehnisse des Nationalsozialismus keine Gründe gäben, die auf Dauer die Integration des Judentums in die deutsche Nachkriegsgesellschaft belasten müssten; der Nationalsozialismus sei kein Einwand dagegen, dass Juden, zumindest seiner Generation, stolz auf Deutschland sein könnten. Diese Haltung ist besonders in seinem Buch Keine Angst vor Deutschland! beschrieben. Er wirbt für Verständnis für die israelische Position und stand der Friedenspolitik von Jitzhak Rabin nahe. Im Bereich der Sicherheitspolitik und in Bezug auf die Abwehr von Terrorgefahren hält Wolffsohn unter anderem Integrationsdefizite der westeuropäischen Gesellschaften für ein Hauptproblem.

Wolffsohn wird oft als Konservativer bezeichnet. Er stieß wiederholt bei der politischen Linken auf Unverständnis, so etwa mit seiner Haltung zur Terrorbekämpfung der USA oder zu den israelisch-palästinensischen Beziehungen. Ausdrückliche Unterstützung erhalten Wolffsohns Ansichten bei diversen Konservativen und auch bei einigen Publizisten wie Henryk M. Broder und Josef Joffe, dem Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit.

Nahost-Konflikt und Konfliktlösung durch Föderalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolffsohn hat mehrere Bücher und zahlreiche Aufsätze zum Nahostkonflikt publiziert. Schon frühzeitig vertrat er die vergleichsweise wenig verbreitete These, dass der Staat Jordanien, dessen Bevölkerung mehrheitlich aus Palästinensern besteht und dessen heutiges Staatsgebiet zum damaligen Mandatsgebiet Palästina gehörte, Teil eines zu schaffenden Palästinenserstaates sein müsse und werde. Er bekräftigte die These im Jahr 2011, als er die Gründung einer Bundesrepublik Jordanien-Palästina vorschlug[16], und vertiefte diesen Ansatz einer föderalen Lösung aus Bundesstaat und Staatenbund in seinem Buch Zum Weltfrieden (2015).

Der Historiker Wolffsohn vertritt die Überzeugung, dass viele regionale Spannungsherde (etwa im Nahen Osten, auf dem Balkan, in Nordafrika oder der Ost-Ukraine) durch die Einführung föderaler Strukturen befriedet werden könnten. In der Zeitung Die Welt vom 17. April 2015[17] schreibt er:

„Das Schlüsselwort heißt Föderalisierung. Hier muss man zwischen zwei Grundformen unterscheiden: der territorialen und der personalen Selbstbestimmung der jeweiligen Gemeinschaften. Wo gemeinschaftliche Strukturen innerhalb eines Staates territorial zuzuordnen sind, bietet sich die Gründung eines Bundeslandes x, y oder z innerhalb einer Bundesrepublik A an. Es versteht sich von selbst, dass in dem Bundesland Minderheitenschutz garantiert werden muss. Auch koordinierende Strukturen zwischen Bundesländern verschiedener Staaten bzw. Bundesrepubliken wären in Form einer Föderation der Bundesländer denkbar, die jedoch keinen Staat darstellt. Das wäre eine Variante zu den bekannten Staatenbünden bzw. Konföderationen. Wo Selbstbestimmung der Gemeinschaften territorial nicht möglich ist, wäre sie unabhängig vom Wohngebiet der jeweiligen Gruppe deren Mitgliedern personal zu gewähren.“

Juden und Antisemitismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den erstarkenden Antisemitismus in Europa und Deutschland führt Wolffsohn maßgeblich auf die Einwanderung aus muslimischen Ländern zurück.[18] In einem Beitrag für die NZZ am Sonntag am 29. April 2018[19] schreibt er:

„Wenn nicht alles täuscht, steht Westeuropa derzeit erneut vor einem mörderischen Antisemitismus. Der Fundamentalwandel, der ihn diesmal begleitet, ist die demografische Revolution, ausgelöst durch die muslimische Migration.“

Europas Muslime seien eine große Minderheit. Sie werde noch größer und damit politisch gewichtiger werden.

„Wer künftig in Europa Wahlen gewinnen will, muss nicht zuletzt sie gewinnen. Die bisher so lasche Reaktion der Politik auf den islamischen Antisemitismus sowie der zunehmend anti-israelische EU-Kurs sind auch so zu erklären.“

Der Staat sei ohnmächtig und könne die Sicherheit der Juden nicht garantieren:

„Deshalb werden immer mehr Juden, wie die französischen, Westeuropa verlassen und nach Israel auswandern.“

Wolffsohn vertritt die Auffassung, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik antisemitische Straftaten nicht korrekt den Haupt-Tätergruppen (Rechtsextreme, Linksextreme, Islamisten) zuordnet. Die Statistik unterliege einer politischen gewollten Steuerung, der muslimische Antisemitismus werde aus integrationspolitischen Gründen verniedlicht und tabuisiert, schrieb er am 1. Juni 2019 einem Artikel für die Bild-Zeitung[20]:

„Die statistische Erfassung des Antisemitismus ist falsch. Das gilt für die Bundes- ebenso wie für die Länderebene. Falsch ist dabei nicht die Zählung der antisemitischen Taten, sondern die politische Zuordnung (Kategorisierung) der Täter. Das ist geschichts- und integrationspolitisch gewollt oder zumindest so gesteuert, dass der muslimische Antisemitismus in Gedanken, Wort, Tat und somit in Zahlen verniedlicht wird.“

Im selben Zeitungsartikel heißt es:

„Unabhängig von ihrer jeweiligen Gewichtung gibt es heute drei Quellen (für) Judenfeindschaft: Vom rechten und linken und muslimischen Rand. Benannt wird eigentlich nur der rechte, selten der linke und noch seltener der muslimische. Aus Angst, integrationspolitisches Porzellan zu zerschlagen, wird der muslimische tabuisiert und damit befördert. Doch Angst ist ein schlechter Diagnostiker und ein noch schlechterer Therapeut. Ohne richtige Diagnose keine Heilung.“

Die Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte für die Juden im Usus antiquor durch Benedikt XVI., in der wieder für die Bekehrung der Juden zum „wahren“, also dem christlichen Glauben gebetet werden kann, kommentierte Wolffsohn im März 2008: Dies sei „der größte theologische Rückschritt in Bezug auf das Judentum der katholischen Kirche seit 1945“.[21]

Zu der durch ein Urteil des Landgerichts Köln vom 7. Mai 2012 ausgelösten Diskussion um die Rechtmäßigkeit der Beschneidung von Kindern sagte Wolffsohn: „Nicht von der Vorhaut hängt das Judentum ab.“ Er begründet dies mit der „Tatsache, dass die biblische Erzählung über die Beschneidung nicht so eindeutig und ungebrochen ist wie behauptet“.[22]

Bundeswehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. März 2008 wies Wolffsohn im Deutschlandradio Kultur darauf hin, dass das Eiserne Kreuz aus der Zeit der Freiheitskriege gegen Napoleon im 19. Jahrhundert stammt und nicht aus der NS-Zeit, dass also das NS-Argument nicht gegen eine Wiedereinführung als Orden der Bundeswehr spräche. Er sprach sich in dem Interview jedoch nicht explizit für eine Wiedereinführung des Eisernen Kreuzes aus.[23]

Im August 2009 beklagte Wolffsohn in einem Interview mit der Zeitung Die Welt[24] die „Ossifizierung“ der Bundeswehr, die durch den überproportionalen Anteil Ostdeutscher zu einer „Unterschichtenarmee“ zu werden drohe. Wolffsohn verteidigte in der Welt damit auch die Bundeswehrführung vor Kritik wegen vorkommender Missbrauchsfälle in der Bundeswehr.[25] Nach Aussetzung der Wehrpflicht in Deutschland wiederholte Wolffsohn im April 2011 seine Thesen in der Welt,[26] was zu einer öffentlichen Diskussion führte und worauf Verteidigungsminister Thomas de Maizière mit einer Replik ebenfalls in der Welt antwortete.[27]

In einem Artikel in der Welt fordert er im März 2014 die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht in Deutschland.[28]

Heuschreckendebatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2005 schaltete sich Wolffsohn in die sogenannte Heuschreckendebatte ein, die der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering durch seine Kritik an den Buy-Out-Praktiken der Private-Equity- und Hedge-Fonds ausgelöst hatte. Müntefering hatte in einem Interview der Bild-Zeitung ihr Verhalten mit Heuschreckenschwärmen verglichen. Wolffsohn schrieb in der Rheinischen Post vom 3. Mai 2005 einen Artikel zum 8. Mai 1945, dem sich zum 60. Mal jährenden Tag des Kriegsendes in Europa. Darin warf er Müntefering vor, dass dieser wie einst die Nationalsozialisten Menschen mit Tieren gleichgesetzt habe:

„In der größten Regierungspartei des heutigen Deutschlands kursiere eine schwarze Liste von vermeintlich hyperkapitalistischen Unternehmen. Mindestens zwei sind „jüdisch“ bzw. tragen jüdische Namen. Das wird, anders als ‚damals‘, natürlich nicht offen erwähnt, doch wer’s weiß, der weiß. […] 60 Jahre ‚danach‘ werden heute wieder Menschen mit Tieren gleichgesetzt, die – das schwingt unausgesprochen mit – als ‚Plage‘ vernichtet, ‚ausgerottet‘ werden müssen. Heute nennt man diese ‚Plage‘ ‚Heuschrecken‘, damals ‚Ratten‘ oder ‚Judenschweine‘. Worte aus dem Wörterbuch des Unmenschen, weil Menschen das Menschsein abgesprochen wird.“

Mehrere führende Politiker der rot-grünen Regierungskoalition und der FDP forderten daraufhin zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres ein dienstrechtliches Vorgehen gegenüber Wolffsohn, was jedoch Verteidigungsminister Peter Struck als Dienstherr der Münchener Bundeswehr-Universität ablehnte. Paul Spiegel, der damalige Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, stellte fest, dass Vergleiche von Menschen mit Tieren „grundsätzlich unglücklich“ seien, bezeichnete einen Nazivergleich in Zusammenhang mit Müntefering und der SPD aber als absurd.

Innere Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolffsohn kritisiert, der deutsche Staat sei nicht mehr in der Lage, seine Bürger ausreichend vor Gefahren im Inneren und von Außen zu schützen. In der Zeitung Die Welt vom 21. Mai 2016[29] schreibt er:

„Unser Staat zerbröselt. Eines von vielen Alarmsignalen ist der Appell des Staates an die Zivilcourage seiner Bürger. Es bedeutet im Klartext: ‚Ihr müsst euch selber schützen. Wir sind dazu nicht mehr fähig.‘ Damit schafft sich der Staat selbst ab, denn der Schutz seiner Bürger nach innen und außen ist der instrumentelle, funktionale Seinsgrund eines jeden Staates.“

NS-Aufarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der im August 2018 erfolgten Abschiebung des KZ-Aufsehers Jakiw Palij aus den USA nach Deutschland sprach sich Wolffsohn gegen ein Gerichtsverfahren aus, da es „aus diesem alten Mann einen Märtyrer machen“ würde. Stattdessen solle die Bundesregierung seine Straftaten veröffentlichen, denn Deutschland trage „hier historische Verantwortung. Der Mann trug eine deutsche Uniform. er hat mitgemordet.“ Am sinnvollsten sei es, so Wolffsohn, wenn Palij fortan in der Öffentlichkeit eine Armbinde mit der Aufschrift „Ich war KZ-Wächter“ tragen müsse „als wirksame Strafe für ihn und Abschreckung für andere“.[30]

Folterdebatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 2004 zog Wolffsohn Kritik auf sich, als er in der n-tv-Talkshow Maischberger am 5. Mai 2004 sagte:

„Wenn wir mit Gentleman-Methoden den Terrorismus bekämpfen wollen, werden wir scheitern. […] Als eines der Mittel gegen Terroristen halte ich Folter oder die Androhung von Folter für legitim.“

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 28. Juni 2004[31] nahm Wolffsohn zu der Kritik ausführlich Stellung und begründete seine Position: Die Juden hätten aus dem Holocaust die Lehre gezogen: Nie wieder Opfer! Die Deutschen hingegen hätten die Schlussfolgerung verinnerlicht: Nie wieder Täter! Weiter schreibt er:

„Wie die Deutschen aus ihrer Geschichte lernten, nie wieder Täter sein und Gewalt anwenden zu wollen, so haben wir Juden gelernt, daß wir Gewalt anwenden müssen, um nicht und nie wieder Opfer zu sein.“

Die Position der meisten Juden zu den Themen Notwehr und präventive Gewalt beschreibt er im gleichen Artikel so:

„Nach Auschwitz sind unsere Nerven, auch die Nerven der jüdischen Nach-Holocaust-Generationen, 'überreizt', in Israel und in der Diaspora. Deshalb haben die meisten heutigen Juden Herzls 'Nie wieder!', das er allein politisch und diplomatisch und somit gewaltlos sichern wollte, um die militärische Komponente erweitert. […] Der neujüdische Konsens billigt […] die Gewaltkomponente nicht nur reaktiv, sondern notfalls auch präventiv, also vorwegnehmend. Für den politischen Zweck unseres Überlebens, in Notwehr, befürworten wir die Androhung und notfalls, notfalls, notfalls die Anwendung von Gewalt, also auch Krieg. Und die Gewalt des Terrors beantworten wir mit Gegengewalt, was wir für legitim halten; legitim, also 'gerechtfertigt' beziehungsweise 'vertretbar' oder 'befürwortbar'. Was legitim beziehungsweise vertretbar ist, ist denkbar, muß oder darf aber nicht unbedingt machbar oder erlaubt sein. Anders formuliert: Was legitim ist, ist weder automatisch legal, also Rechtens und dem geltenen Recht entsprechend. Und was eine Gesellschaft oder ein Staat möglicherweise rechtfertigt, ist noch lange kein geltendes Recht.“

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Wolffsohn ist Vorsitzender des Vorstands der gemeinnützigen Lichtburg-Stiftung. Die 2001 von Michael Wolffsohn und seiner Mutter Thea gegründete Stiftung organisiert im Rahmen des Mikrokosmos Gartenstadt Atlantic Kultur-, Bildungs- und Integrationsprojekte in acht Lernwerkstätten für Kinder, Jugendliche und Senioren.[32]

Als Vorstand der Gartenstadt Atlantic AG ist Wolffsohn Mitglied im Beirat Ost der Deutschen Bank.[33]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beatrice Dernbach (Hrsg.): Vom Elfenbeinturm ins Rampenlicht: Prominente Wissenschaftler in populären Massenmedien. Springer, Wiesbaden 2012, S. 259–280
    (Lebenslauf und Interview der Herausgeberin mit Wolffsohn zu seinem Verhältnis zu den Medien, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Michael Wolffsohn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DTS Nachrichtenagentur: Michael Wolffsohn: Zeit bei israelischer Armee war ein Wendepunkt. In: presse-augsburg.de. 28. Mai 2019, abgerufen am 7. April 2020.
  2. Gernot Kramper: Kämpfernatur. In: Die Zeit. 1993, abgerufen am 22. Juni 2017.
  3. Michael Wolffsohn: Industrie und Handwerk im Konflikt mit Staatlicher Wirtschaftspolitik? Duncker & Humblot, 1977, S. 5.
  4. Cora Stephan: Abschied eines akademischen Soldaten: Michael Wolffsohn verlässt Bundeswehr-Uni. In: Die Welt. 21. Juni 2012, abgerufen am 24. Juni 2012.
  5. Christian Düringer: Hart aber fair: Für Trump empfindet Michael Wolfssohn Ekel und Bewunderung. In: DIE WELT. 17. April 2018 (welt.de [abgerufen am 1. September 2018]).
  6. "70 Jahre Fehlschlag einer Politik sind doch kein Grund für eine Fortsetzung". Abgerufen am 1. September 2018 (deutsch).
  7. Die Autoren wurden nicht eingeladen: Von Wolffsohn bis Blüm – diese Leute debattieren bei “Maischberger” über die Antisemitismus-Doku › Meedia. Abgerufen am 1. September 2018.
  8. Maybrit Illner gerät zwischen die Erdogan-Fronten. In: stern.de. 22. Juli 2016 (stern.de [abgerufen am 1. September 2018]).
  9. Michael Wolffsohn: Vielen Dank für den USB-Stick. Welt am Sonntag, 14. Oktober 2012, abgerufen am 20. Oktober 2012.
  10. goethe-gesellschaft.org Webseite der Goethe-Gesellschaft in Weimar
  11. Waltraud Schwab: Wolffsohns Revier. taz, 16. Mai 2007.
  12. Neuer Glanz in alten Mauern. Bericht von Theresa Adlmaier auf berlin.de über die Gartenstadt, Dezember 2006.
  13. Jochim Stoltenberg: Michael Wolffsohn weiß, wie Integration funktioniert. In: Berliner Morgenpost. 26. September 2014, (morgenpost.de) abgerufen am 2. April 2016.
  14. Pressemitteilung von Professor Wolffsohn (Memento vom 12. Februar 2013 im Webarchiv archive.today) vom 11. September 2009 (abgerufen von seiner Homepage).
  15. Historiker Michael Wolffsohn im Interview: Deutschland und Israel - fremde Freunde. In: Der Tagesspiegel. 10. Mai 2015, (tagesspiegel.de) abgerufen am 5. März 2021.
  16. Neu-Staaten-Lösung. In: Jüdische Allgemeine. 30. Juni 2011, abgerufen am 3. Juli 2011.
  17. Michael Wolffsohn: Krisen und Kriege: Was hatten wir in Afghanistan und im Kosovo zu suchen? welt.de, 21. Mai 2016, abgerufen am 29. Mai 2018.
  18. «Wir haben eine immer grösser werdende muslimische Minderheit, die sich radikalisiert» | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 5. April 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 1. September 2018]).
  19. Michael Wolffsohn: Immer mehr Juden werden Europa verlassen. 29. April 2018, abgerufen am 7. Mai 2018.
  20. Antisemitismus - Hier irrt (nicht nur) die Kanzlerin https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/antisemitismus-hier-irrt-nicht-nur-die-kanzlerin-62329984.bild.html Bild vom 1. Juni 2019, abgerufen am 17. März 2021
  21. Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vom 11. März 2008 (Nachgewiesen bei Beatrice Dernbach: Vom Elfenbeinturm ins Rampenlicht. Wiesbaden 2012, S. 260).
  22. Michael Wolffsohn: Nicht die Beschneidung macht den Juden. welt.de, 28. August 2012, abgerufen am 31. August 2012.
  23. „Wahrlich nicht das Schlechteste“. Historiker plädiert für Wiedereinführung des Eisernen Kreuzes. Interview in Deutschlandradio Kultur, 7. März 2008.
  24. Analyse. Die Bundeswehr ist eine Unterschichtenarmee. In: Welt Online, 21. August 2009.
  25. Die Bundeswehr ist keine Armee für Lyriker. In: Welt Online, 24. Februar 2010.
  26. Stirbt in Zukunft nur der Osten fürs Vaterland? Die Welt, 4. April 2011, abgerufen am 25. Juni 2011.
  27. Die Bundeswehr ist keine Unterschichtenarmee! Die Welt, 12. April 2011, abgerufen am 25. Juni 2011.
  28. welt.de: Russlands Vorgehen zeigt zurück zur Wehrpflicht
  29. Michael Wolffsohn: Unser Staat ist keiner mehr. welt.de, 17. April 2015, abgerufen am 29. Mai 2018.
  30. Sinnvollste Strafe für Jakiw Palij wäre Armbinde „Ich war KZ-Wächter“ www.pnp.de, 22. August 2018
  31. Professor Dr Michael Wolffsohn: Folterdebatte: J’accuse! In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 28. Juni 2004 (faz.net).
  32. Lichtburg-Stiftung: wolffsohn.de
  33. Deutsche Bank: Verzeichnis der Beiratsmitglieder, Stand: Februar 2012 (für Michael Wolffsohn siehe S. 66).
  34. Vita Michael Wolffsohn auf wolffsohn.de, abgerufen am 2. April 2016 (nennt alle hier aufgelisteten Auszeichnungen).
  35. Wer wird „Hochschullehrer/in des Jahres“? Deutscher Hochschulverband, 27. Juni 2019, abgerufen am 1. März 2011 (Pressemitteilung).
  36. Michael Wolffsohn: Menschenrechte? Welche Menschenrechte?, Welt Online, 21. Oktober 2018.