Michael Zaudig

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Michael Zaudig (* 9. April 1950 in München) ist ein deutscher Psychiater, Psychosomatiker und Verhaltenstherapeut.

Zaudig leitete von 1992 bis 2016 die Psychosomatische Klinik Windach. Er hat einen Lehrauftrag für Psychiatrie an der Ludwig-Maximilians-Universität München inne. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in Diagnostik, Klassifikation und Therapie der Zwangsstörungen, der Persönlichkeitsstörungen und Demenzen. Er gilt als Spezialist für psychiatrische Diagnostik- und Klassifikationssysteme von DSM-II bis DSM-5 und ICD-10.

Leben und beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1970 studierte Zaudig Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. 1977 bestand er das ärztliche Prüfung (Staatsexamen). Von Dezember 1977 bis April 1979 arbeitete er als Medizinalassistent an der kardiologischen Klinik des Klinikums Großhadern, München, in der chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses Feuchtwangen sowie im Max-Planck-Institut für Psychiatrie. Dort arbeitete er auch nach der Approbation am 30. April 1979 bis zum Mai 1982. Er promovierte 1981 bei Schrader, Ärztlicher Direktor der neurologischen Klinik des Klinikums Großhadern über das Thema Die Phakomatosen aus neurologischer Sicht.

Von Juni 1982 bis März 1983 sammelte er Erfahrungen als Praktischer Arzt, um ab April 1983 die psychiatrische Weiterbildung im Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren fortzusetzen. Sein neurologisches Weiterbildungsjahr absolvierte er 1985 bis 1986 im Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren. Ab Mai 1986 wechselte er zurück in das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München als stellvertretender Leiter der psychiatrischen Poliklinik. Von 1989 bis 1992 leitete er die geschlossene Abteilung als Oberarzt.

Vom 1. Februar 1992 bis zum 30. Juni 2016 war er Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Psychosomatischen Klinik Windach, der ersten verhaltenstherapeutischen Klinik in Kontinental-Europa. Im Mai 2007 eröffnete er zudem die Tagesklinik Westend, die er weiterhin als Ärztlicher Direktor leitet.

Zaudig ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Verhaltenstherapeut. 1994 wurde er zum ordentlichen Mitglied des Prüfungsausschusses der Bayerischen Landesärztekammer in den Gebieten Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychotherapeutische Medizin, seit 1999 auch für Qualitätsmanagement berufen. Zudem ist er Prüfer für die staatliche Prüfung für Psychologische Psychotherapeuten bei der Regierung von Oberbayern.

Michael Zaudig lebt mit seiner Frau in München. Das Paar hat zwei Kinder.

Lehrtätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1984 übernahm Zaudig einen Lehrauftrag der Universität Mannheim im Fachbereich Psychologie für Psychopathologie und Diagnostik. Seit 1986 ist er Dozent beim Verein zur Förderung der klinischen Verhaltenstherapie, München, einem verhaltenstherapeutischen Ausbildungsinstitut. Zum Supervisor und Ausbilder für Verhaltenstherapie wurde er 1992 berufen. An der Ludwig-Maximilians-Universität München erhielt er 1987 einen Lehrauftrag, habilitierte 1995 mit der Arbeit Die Früherkennung der Demenz und der leichten kognitiven Beeinträchtigung, wurde zum Privatdozenten ernannt und erhielt die Lehrbefugnis für das Fachgebiet Psychiatrie und Psychotherapie. 2003 wurde er zum außerplanmäßigen Professor der LMU München berufen.

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1980 bis 1987 beschäftigte sich Zaudig mit neurobiologischen Fragestellungen, wie die Anwendung von ƴ-Endorphin als Antipsychotikum bei Schizophrenen oder psychotoxischen Effekten von Ofloxacin. Fragen der Epidemiologie, Diagnostik, Psychopathologie und Psychometrie durchziehen das wissenschaftliche Werk Zaudigs.

In der Münchner Follow-up-Studie untersuchte er zusammen mit von Zerssen, Hans-Ulrich Wittchen und Möller die Diagnostik, den Verlauf und den Ausgang von schizoaffektiven Psychosen über mehrere Jahre. Er überprüfte die Test-Retest-Reabilität des Composite International Diagnostic Interview (CIDI) und des Strukturierten Klinischen Interviews für DSM-III-R (SKID). Ab 1986 war er Mitübersetzer der ICD-10 und beteiligte sich an ICD-10-Feldstudien. Ab 1986 war er Mitherausgeber und Übersetzer der deutschen Ausgabe des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen (DSM-III-R, DSM-IV und DSM-5).

Zaudig entwickelte das Strukturierte Interview zur Diagnose demenzieller Störungen nach den Kriterien von DSM-III-R und ICD-10 (SIDAM) sowie die Münchner Diagnosen-Checklisten/Internationale Diagnosen-Checklisten (MDCL/IDCL), die 1990 von der WHO in die ICD-10 „Family of Instruments“ übernommen wurden. Parallel dazu führte er Untersuchungen zu kognitiven Beeinträchtigungen bei asymptomatischen HIV-positiven Patienten in Brasilien, Kenia, Zaire, Thailand, USA, BRD und Italien durch. Im Rahmen einer WHO-Multicenterstudie, die von Zaudig mitinitiiert wurde, wurden die frühesten kognitiven Veränderungen bei HIV-Infektionen weltweit untersucht werden und eventuelle Prädiktoren für die spätere Entwicklung einer HIV-bedingten Demenz festgestellt werden. Seine Forschungstätigkeiten in diesem Bereich trugen insbesondere zu einer besseren Früherkennung von Demenzen und leichten kognitiven Beeinträchtigungen bei.

Die Forschungsschwerpunkte während Zaudigs Tätigkeit in der Psychosomatischen Klinik Windach von 1992 bis 2016 lagen in katamnestischen Verlaufs- und Therapiestudien bei Zwangsstörungen, Untersuchungen zur Neuropsychologie, Neurobiologie, Genetik und Epigenetik von Zwangsstörungen, in Therapieeffektivitätsstudien, u. a. auch zur Verhaltenstherapie von therapieresistenten Diabetes Typ II-Patienten, in der Burnout- und Persönlichkeitsforschung sowie im Bereich der Schmerz- und Psychosomatischen Grundlagenforschung. Er trug wesentlich zur Einführung des Konzepts der Zwangsspektrumstörungen bei. Das von ihm etablierte Konzept der multimodalen Zwangsstörungstherapie mit dem Kernelement der Expositionsbehandlung diente als Vorbild für zahlreiche stationäre Therapiekonzepte in Deutschland.

Seine wissenschaftliche Tätigkeit führte zu Studienaufenthalten bei Spitzer (New York), Kane (New York), Helzer (St. Louis), Benson und Cummings. Von 1989 bis 1991 war er wissenschaftlicher Berater (temporary advisor) der WHO für den Bereich neuropsychiatrische und neuropsychologische Probleme bei HIV-Infektionen, seit 1989 internationaler wissenschaftlicher Berater (advisor) der DSM-III-R- und DSM-IV-Arbeitsgruppe der American Psychiatric Association (APA), von 1993 bis 1999 Schatzmeister der Sektion Classification, Diagnostic, Assessment and Nomenclature des Weltverbands für Psychiatrie (World Psychiatric Association, WPA). Von 1994 bis 2002 war er Mitglied des „Board of Directors“ der International Psychiatric Association (IPA).

Verbandsaktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der klinischen und Forschungstätigkeit nimmt Zaudig zahlreiche berufspolitische und Verbandsaufgaben wahr. Er ist Mitglied des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte e.V. (BVDN), des Dachverbands für Verhaltenstherapie (DVT), der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie (DGGP), der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), der Deutschen Gesellschaft für Verhaltensmodifikation und Verhaltensmedizin (DGVM), der International Psychiatric Association (IPA), des Weltverbands für Psychiatrie (WPA).

Des Weiteren ist er Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (DGPM) und fungierte hier langjährig als Mitglied des deutschen sowie des bayerischen Vorstands, und war langjähriger Landesbeauftragter der Deutschen Ärztlichen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DÄVT). Er ist Vorstandsmitglied des Vereins zur Förderung der klinischen Verhaltenstherapie (VFKV), des Vereins für Prävention, Jugendhilfe und Suchttherapie – PROP e.V. und der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zaudig ist Mitherausgeber der Zeitschrift Persönlichkeitsstörungen Theorie und Therapie (PTT) sowie der Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

  • mit P. Falkai, H. U. Wittchen, M. Döpfner, W. Gaebel, W. Maier, W. Rief und H. Saß (Hrsg.): Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen DSM-5. Hogrefe, Göttingen 2015.
  • mit R. D. Trautmann (Hrsg.): Therapielexikon – Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Springer Verlag, Berlin/ Heidelberg/ New York 2006.
  • mit R.-M. Frieboes und M. Nosper (Hrsg.): Rehabilitation bei psychischen Störungen. Urban & Fischer, 2005.
  • mit M. Bergener, H. Hampel und H.-J. Möller (Hrsg.): Gerontopsychiatrie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2005.
  • mit W. Hauke und U. Hegerl: Die Zwangsstörung. Diagnostik und Therapie. 2. Auflage. Schattauer Verlag, Stuttgart/ New York 2002.
  • mit G. Berberich: Demenzen im Alter. Aktuelle Diagnostik und Therapie für die Praxis. Unimed Verlag, Bremen/ London/ Boston 2001.
  • mit U. Hegerl und H.-J. Möller: Depression und Demenz im Alter. Abgrenzung, Wechselwirkungen, Diagnose, Therapie. Springer Verlag, Wien/ New York 2001.
  • mit H.-U. Wittchen und H. Saß: DSM-IV und ICD-10 Fallbuch. Hogrefe Verlag, Göttingen/ Bern/ Toronto/ Seattle 2000.
  • mit H. Saß und H.-U. Wittchen: Handbuch der Differentialdiagnosen. DSM-IV. Hogrefe Verlag, Göttingen/ Bern/ Toronto/ Seattle 1999.
  • mit W. Hauke und U. Hegerl: Die Zwangsstörung. Diagnostik und Therapie. 1. Auflage. Schattauer Verlag, Stuttgart/ New York 1998.
  • mit S. I. Finkel, J. Luxenberg, H. Brodaty, P. Rabins, B. Lawlor und A. Homma: Behavioral and psychological symptoms of dementia. IPA. Educational pack. International Psychogeriatric Association. Gardiner-Caldwell Communication, London 1998.
  • mit H. Saß, H.-U. Wittchen und I. Houben: Diagnostische Kriterien des Diagnostischen und Statistischen Manuals psychischer Störungen. DSM-IV. Hogrefe Verlag, Göttingen/ Bern/ Toronto/ Seattle 1998.
  • mit W. Hiller: SIDAM-Handbuch. Strukturiertes Interview für die Diagnose einer Demenz vom Alzheimer Typ, der Multi-Infarkt- (oder vaskulären) Demenz und Demenzen anderer Ätiologie nach DSM-III-R, DSM-IV und ICD-10. Verlag Hans Huber, Bern/ Göttingen/ Toronto/ Seattle 1996.
  • mit H. Saß und H.-U. Wittchen: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen (DSM-IV). Herausgegeben von der American Psychiatric Association. Deutsche Bearbeitung. Hogrefe Verlag, Göttingen/ Bern/ Toronto/ Seattle 1996.
  • Diagnostik und Therapie der „leichten kognitiven Beeinträchtigung“ und der Demenz. Huber Verlag, Bern/ Göttingen/ Toronto/ Seattle 1995.
  • mit H. Reinecker: Langzeiteffekte bei der Behandlung von Zwangsstörungen. Pabst Science Publishers, Lengerich, Berlin/ Riga/ Wien/ Zagreb 1995.