Michaela Merz

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Michaela Merz in der Bundespressekonferenz in Berlin am 14. Januar 2014

Michaela Merz (* 3. Januar 1960 in Kassel) ist eine deutsche Software-Entwicklerin, Internet-Pionierin und Unternehmerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmerin und Internet-Pionierin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrem Studium der Betriebswirtschaft startete sie 1991 die Free Software Association of Germany (FSAG), die für den Einsatz von Open Source Software in Unternehmen warb. Sie gehört seitdem der deutschen Niederlassung der Free Software Foundation an.[1] In dieser Zeit entwickelte sie u. a. den ersten Telnet Client für Linux, eine der ersten VOIP-Anwendungen (mtalk) und, gemeinsam mit ihrem Mann Rüdiger, die GREAT (Graphical Environment And Desktop), eine auf Motif basierende Grafische Benutzeroberfläche für Linux.[2] Seit 1992 ist sie Geschäftsführerin der callisto germany.net GmbH. 1993 startete sie die Entwicklung eines WWW-basierenden Onlinedienstes, der 1994 unter dem Begriff „Deutsche Datenautobahn“ online ging und 1995 unter dem Namen germany.net kommerzialisiert wurde und als Netzpionier gilt.[3][4][5][6][7]

1998 wurde Merz in den Vorstand der DENIC berufen.[8] Ein Jahr später trennte sich Merz von germany.net und ging 1999 in die Vereinigten Staaten, wo sie in die Geschäftsleitung der Steyla Technologies, Inc. eintrat. Seit dem 1. Oktober 2008 war Merz Geschäftsführerin, seit Januar 2009 auch Delegierte des Verwaltungsrates der Polepositioner AG in Zürich. Diese Firma ist seit 2011 nicht mehr aktiv.[9] Seit Anfang Mai 2011 ist Merz Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der Hermetos Datendienste GmbH in Eisenach.[10]

Merz lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Houston, Texas, in den Vereinigten Staaten, und in Eisenach.

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2013 wurde Michaela Merz in den Beirat „Junge digitale Wirtschaft“ beim Bundeswirtschaftsministerium berufen.[11][12] Schwerpunkt ihrer Arbeit sei es, so Merz, „jungen Firmen in den Bereichen Computer und Internet den Start in den Markt zu erleichtern, für mehr Datensicherheit zu sorgen“.[13]

Im Juli 2013 verließ Michaela Merz die Freie Demokratische Partei (FDP) und trat der Alternative für Deutschland (AfD) bei. Sie wurde dort zum Mitglied des Bundesvorstandes mit dem Aufgabenbereich Netzpolitik kooptiert.[14] Am 24. August 2013 wurde Merz zur Ersten Sprecherin des Landesverbandes Thüringen der AfD gewählt.

Um ihre Kompetenz als Internetpionierin prägnant zum Ausdruck zu bringen, die sie sich eigenen Angaben zufolge durch ihre Kooperation mit der Universität Karlsruhe (einer der ersten deutschen Internetknotenpunkte) und durch ihr Engagement bei der Gründung des Internetanbieters germany.net Anfang der 90er Jahre erworben hatte, wählte Michaela Merz im Juli 2013 als netzpolitische Vertreterin der AfD die Selbstbezeichnung einer „Mitgründerin des deutschen Internet“. Diese Selbstbezeichnung stieß auf Kritik, da sie übertrieben sei.[15][16]

Im Zusammenhang mit dem NSA-Skandal vertritt Michaela Merz als AfD-Netzbeauftragte die Auffassung, dass ein "europäisches Internet" keinen Schutz vor Ausspähung biete. Anti-Spionage-Abkommen seien zwar erstrebenswert, doch einen wirklichen Schutz biete nur eine abwehrfähige Technik.[17]

Anfang Februar 2014 trat Merz als Vorstandssprecherin der AfD Thüringen zurück[18] und im September aus der Partei aus.[19]

Erzeugnisse (Open Source)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michaela Merz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DIGITALE Anarchie, Focus Magazin Nr. 33/1994
  2. Elena Rauch:„Niemand schenkt uns Frauen etwas“, Interview mit Michaela Merz, Thüringer Allgemeine,8. März 2013
  3. Eva Müller: EXISTENZGRÜNDUNG. Geld wie Heu, Focus Magazin Nr. 19/1997, „Michaela Merz ist Computerfreak. Doch in ihren Jobs in Werbung und Marketing konnte sie ihre Begeisterung nicht nutzen. Deshalb machte sie sich mit einem Internet-Zugang selbständig. 1994 ließ sie sich die Adresse GermanyNet reservieren.“
  4. Computernews: Bayerisches Internet – fast kostenlos, Focus Magazin Nr. 18/1996
  5. Focus Magazin, Nr. 27/1999, online „…die Urmutter des Billig-Internet in Deutschland ist so unter Druck geraten. Spätestens ab August bietet Michaela Merz, Geschäftsführerin des Online-Dienstes germany.net, der bereits seit 1995 einen Netzzugang zum Ortstarif offeriert, ihren Kunden deshalb eine günstigere Inklusivgebühr.“
  6. Forschung und Technik, Focus Magazin Nr. 12/1998, online „… wollte Michaela Merz, Geschäftsführerin des Online-Dienstes germany.net, nicht warten. In Eigenarbeit hat sie für ihre 330 000 Nutzer eine einfache Kleingeldbörse programmiert, die sich im herkömmlichen Lastschriftverfahren füllen läßt…. Sie hat ihren Umsatz in vier Monaten verzehnfacht – durch schlichte Neugestaltung der umständlichen, langsamen Web-Seiten.“
  7. Florian Rötzer: Web Washer oder die Informationserschleicher. Die skurrile Kritik der Geschäftsführerin Michaela Merz von germany.net, heise.de, 9. März 1999
  8. Interview mit Michaela Merz, seit 1992 Geschäftsführerin der Colisto Germany net GmBH und Mitglied im Vorstand von Denic, Denic Magazin, März 1999, pdf
  9. [1]
  10. Besser als E-Mail: neuer Dienst für hochsichere Datenübertragung gestartet, Pressemitteilung von Perspektive Mittelstand
  11. BMWi startet den Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“, vc-magazin.de 15. Januar 2013
  12. Thüringer Allgemeine, 8. März 2013
  13. Dietmar Grosser: Michaela Merz berät Wirtschaftsminister Philipp Rösler, Thüringer Zeitung, 15. Januar 2013
  14. FDP-Internetexpertin wechselt zur AfD, Wirtschaftswoche, 7. Juli 2013
  15. Wahlplakat der AfD: Die Frau, die irgendwie ein bisschen das deutsche Internet erfand, STERN online, 30. Juli 2013
  16. Michaela Merz: Als ich neulich das Internet erfunden haben soll. Blog auf michaelamerz.com vom 5. August 2013
  17. Pressemitteilung AfD vom 4. November 2013: "Datensicherheit muss mehr als ein Lippenbekenntnis sein"
  18. Führungskrise bei der Thüringer AfD (Memento vom 6. März 2014 im Internet Archive), mdr.de, 2. Februar 2014
  19. Kritik an Rechtsruck: Netzpolitikerin tritt aus AfD aus, 16. September 2014