Michał Urbaniak

Michał Urbaniak (* 22. Januar 1943 in Warschau; † 20. Dezember 2025)[1] war ein polnisch-amerikanischer Jazz-Multiinstrumentalist (Violine, Saxophon, Lyricon).[1]
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Urbaniak studierte in Warschau Violine und erlernte als Autodidakt Saxophon. Von 1962 bis 1964 spielte er im Quintett von Krzysztof Komeda. Nach Auflösung der Band zog er bis 1969 nach Schweden, um nach seiner Rückkehr nach Polen seine eigene Formation zu gründen. Mit dieser gastierte er beim Montreux Jazz Festival 1971. Mitte der 1970er Jahre wanderte er mit seiner damaligen Frau, der Jazzsängerin Urszula Dudziak, in die USA aus, wo sie in New York City lebten und sich in der Fusionszene etablieren konnten.
1986 spielte Urbaniak als Gastmusiker auf dem Album Tutu von Miles Davis, was ihm weitere internationale Aufmerksamkeit verschaffte und endgültig Anerkennung als einer der wichtigsten Geiger der modernen Jazz-Szene einbrachte; er arbeitete auch mit Quincy Jones, Herbie Hancock und Joe Zawinul. Urbaniak nahm noch weitere Alben unter eigenem Namen auf. Auch als Komponist von Filmmusiken machte er sich einen Namen.
2004 nahm Urbaniak in New York die CD I Jazz Love You auf, auf dem er mit einer Talkbox experimentierte. Das Resultat klingt so, als würde er durch seine Violine „hindurchsprechen“; einfache Textpassagen konnten so für den Zuhörer angedeutet werden. Bei dieser Aufnahme wirkten wiederum einige Stars der New Yorker Jazzszene mit, u. a. Kenny Barron, Lenny White, Ron Carter, Roy Haynes.
Des Weiteren ist er auf Alben mit dem polnischen Ausnahme-Sänger Czesław Niemen zu hören, so auf dem psychedelischen Album Niemen Enigmatic (Muza 1969) und auf dem New Yorker Album Mourners Rhapsody (CBS 1974) mit u. a. Niemen, Jan Hammer, Rick Laird und John Abercrombie. In den späten achtziger Jahren produzierte er mit Niemen noch eine US-Single und trat mit ihm bei Jazzfestivals in Polen auf. 2005 wirkte Urbaniak als Stargast an einem Benefiz-Konzert zugunsten eines Kinderhilfsprojektes im Paulus-Saal in Freiburg im Breisgau mit.[2]
Die Sängerin Mika Urbaniak ist seine Tochter.
Michał Urbaniak starb am 20. Dezember 2025 im Alter von 82 Jahren. Am 7. Januar 2026 fand die Trauerfeier auf dem Warschauer Powązki-Militärfriedhof statt. Die Trauerrede sprach der Stadtpräsident (Bürgermeister) Warschaus Rafał Trzaskowski, der Sohn von Andrzej Trzaskowski, mit dem er gemeinsam in der Band The Wreckers spielte. Der Schauspieler Artur Żmijewski las einen Auszug aus Andrzej Makowieckis autobiografischem Buch „Ich, Urbanator“. Seine Beerdigung war ein Staatsakt.[3]
Preise und Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Urbaniak gewann beim Montreux Jazz Festival 1971 den Grand Prix als bester Solist. 2016 erhielt er den Goldenen Fryderyk für sein Lebenswerk.[4]
Diskografie (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Michal Urbaniak's Group Live Recording (Michal Urbaniak, Adam Makowicz, Paweł Jarzębski, Czesław Bartkowski 1971, LP: Muza Polskie Nagrania SX0733; CD: Muza Polskie Nagrania PNCD 924)
- New Violin Summit (mit Don Sugarcane Harris, Jean-Luc Ponty, Nipso Brantner, Terje Rypdal, Wolfgang Dauner, Neville Whitehead, Robert Wyatt; MPS 1972)
- Fusion (mit Urszula Dudziak, Wojciech Karolak, Adam Makowicz, Czesław Bartkowski; Columbia 1973)
- Body English (mit Urszula Dudziak, Harold Ivory Williams, Joe Caro, Basil Fearrington, Steve Jordan, Bernard Kafka, Earl Crusher Bennetts. Arista Records 1976)
- Urbaniak (mit Zbigniew Namyslowski, Urszula Dudziak, Kenny Kirkland, Tony Bunn, Lurenda Featherstone; 1977)
- Recital – Michal Urbaniak/Vladyslav Sendecki (Four Leaf Clover Records – FLC 5073, 1984)
- Urbaniax – Burning Circuits (Michał Urbaniak/Urszula Dudziak/Vladyslav Sendecki, Sonet – SNTF 917, 1984)
- Songs for Poland (Michal Urbaniak/Vladyslav Sendecki, UBX Productions Inc./Sonet – SNTF 1025, 1988)
- New York Five at the Village Vanguard (1989)
- I Jazz Love You (2004)
- Urbanator III (2005)
- Jazz Legends #1 (2006)
- Miles of Blue (2009, PL:
Platin)[5]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ian Carr, Digby Fairweather, Brian Priestley: Rough Guide Jazz. Der ultimative Führer zum Jazz. 1800 Bands und Künstler von den Anfängen bis heute. 2., erweiterte und aktualisierte Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2004, ISBN 3-476-01892-X, S. 700.
- Barry Kernfeld: Urbaniak, Michal [Michał]. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- Nicolas Slonimsky, Laura Kuhn, Dennis McIntire: Urbaniak, Michal. In: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians. 2001 (englisch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Webpräsenz
- Michał Urbaniak bei Myspace
- Werke von und über Michał Urbaniak im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Michał Urbaniak bei IMDb
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Nie żyje Michał Urbaniak. Artysta miał 82 lata. In: Polsat News. 20. Dezember 2025, abgerufen am 20. Dezember 2025 (polnisch).
- ↑ Michał Urbaniak. Abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Pogrzeb Michała Urbaniaka. Państwowy charakter ostatniego pożegnania legendy jazzu. 7. Januar 2026, abgerufen am 7. Januar 2026 (polnisch).
- ↑ Jazzmusiker Michał Urbaniak mit 82 Jahren gestorben. In: Polskie Radio. 21. Dezember 2025, abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Auszeichnungen für Musikverkäufe: PL
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Urbaniak, Michał |
| ALTERNATIVNAMEN | Urbaniak, Michal; Urbaniak, Michael |
| KURZBESCHREIBUNG | polnisch-amerikanischer Jazz-Musiker |
| GEBURTSDATUM | 22. Januar 1943 |
| GEBURTSORT | Warschau |
| STERBEDATUM | 20. Dezember 2025 |