Michel Bouquet

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Michel Bouquet (2010)

Michel Bouquet (* 6. November 1925 in Paris; † 13. April 2022 ebenda) war ein französischer Schauspieler.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Jugendlicher begann Bouquet eine Bäckerlehre und war zu Beginn des Zweiten Weltkriegs bei einer Bank angestellt. 1942 nahm er Schauspielkurse bei Maurice Escande am Pariser Conservatoire d’art dramatique und debütierte wenig später an der Seite von Gérard Philipe in Caligula. Insbesondere in Stücken von Jean Anouilh gewann er an Profil.

Im Film debütierte Bouquet im Jahr 1946, doch wurde er erst im mittleren Alter durch Regisseure der Nouvelle Vague, François Truffaut und Claude Chabrol, berühmt. Meist verkörperte er Charaktere aus dem französischen Bürgertum, insbesondere in Filmen von Chabrol, dort oft an der Seite von Stéphane Audran wie in Vor Einbruch der Nacht, Die untreue Frau, Der Riss und Hühnchen in Essig. Truffaut besetzte ihn als eines der Opfer der rachsüchtigen Witwe (Jeanne Moreau) in Die Braut trug schwarz und als von Jean-Paul Belmondo ermordeten Privatdetektiv in Das Geheimnis der falschen Braut. Weitere bedeutende Rollen hatte er in der Simenon-Verfilmung Zwischen Tod und Leben (1977, nach dem Roman Die Glocken von Bicêtre), in der er einen Mann darstellt, der nach einem Schlaganfall von Claude Jade ins Leben zurückgeholt wird, und in Endstation Schafott als Kommissar, der hartnäckig die Rehabilitierung eines Strafentlassenen (Alain Delon) sabotiert. Zu seinen weiteren Arbeiten zählen Die Legion der Verdammten (1982) und Robert Hosseins Verfilmung von Victor Hugos Die Elenden, in der er als Inspektor Javert Lino Ventura verfolgt. Auch im neuen Jahrtausend beeindruckte Bouquet mit großen Rollen, so 2012 in der Titelrolle in Renoir. Zuletzt trat er 2020 in Villa Caprice in Erscheinung. Bouquets Schaffen für Film und Fernsehen umfasste mehr als 110 Produktionen.

Neben seinem Filmschaffen war Bouquet auf der Theaterbühne präsent, so im Théâtre National Populaire von Jean Vilar und beim ersten Festival d'Avignon sowie in Inszenierungen von Jean Anouilh, Claude Régy, Jean-Louis Barrault, Michel Fau u. a. Michel Bouquet wird als einer der bedeutendsten Charakterdarsteller Frankreichs betrachtet. In den Jahren 2002 und 2006 wurde er mit einem César ausgezeichnet, 1998 und 2005 mit einem Molière. Im Jahr 2014 erhielt er einen Ehren-Molière.

Bouquet war zweimal verheiratet: ab 1954 mit der Schauspielerin Ariane Borg, die er 1945 kennengelernt hatte, ab 1970 mit der Schauspielerin Juliette Carré. Bouquet starb am 13. April 2022 im Alter von 96 Jahren. Ein nationales Gedenken zu seinen Ehren fand am 27. April im Pariser Invalidendom statt, dem auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron beiwohnte.[1]

Arbeitsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michel Bouquet galt als überzeugender Darsteller biederer, berechnender und gefühlskalter Ehe- und Geschäftsmänner der französischen Kleinstadt-Bourgeoisie. Die Schauspielerin Claude Jade, seine Partnerin in Zwischen Tod und Leben, beschreibt Bouquet, der darin eine seiner schwierigsten Rollen spielte, in ihrem Buch Baisers envolés als freundlichen Perfektionisten: „Michel Bouquet ist äußerst präzise und überlässt nichts dem Zufall. Ich bin sehr beeindruckt von seiner Konzentration und seiner Fähigkeit, so präzise zu arbeiten. Er bereitete sich vollkommen auf die Rolle des Pressemagnaten vor, der plötzlich nach einem Schlaganfall von Hemiplegie und Aphasie befallen ist. Er sagt seinen Text in den ersten zwei Dritteln des Films nur im Voice-over. Wenn die Dreharbeiten stattfinden, ist nichts oder fast nichts wie das, was wir uns vorgestellt haben; die äußeren Beeinträchtigungen sind verwirrend, die Anordnung des Krankenzimmers, in einem Haus wiederhergestellt, ist anders. Doch trotz all dieser Vorgaben passt sich Michel Bouquet an, manchmal macht er das Gegenteil dessen, was er geplant hatte, und er ist dabei großartig. Und er ist zudem ein Mann von perfekter Höflichkeit.“

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2002: César in der Kategorie bester Hauptdarsteller in Comment j’ai tué mon père
  • 2006: César als bester Hauptdarsteller in Letzte Tage im Elysée (als François Mitterrand)
  • 2014: César-Nominierung als bester Hauptdarsteller in Renoir

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Michel Bouquet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. William Grimes: Michel Bouquet, Award-Winning French Actor, Dies at 96. In: nytimes.com. 13. April 2022, abgerufen am 13. April 2022 (englisch).