Michel Mort

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Kopie des Michel-Mort-Denkmals von Robert Cauer dem Jüngeren (Eiermarkt Bad Kreuznach)

Michel Mort ist ein Sagenheld vom Mittelrhein, der Johann I. von Sponheim 1279 in der Schlacht von Sprendlingen gerettet haben soll. Die Sage wird von Trithemius erzählt.

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auslöser der Schlacht bei Sprendlingen war der 1279 vereinbarte Verkauf der Burg Schloßböckelheim durch Heinrich I. von Sponheim-Dannenfels, den Bruder Johanns, an Werner von Eppstein, den Erzbischof vom Mainz, bei dem Heinrich das 1277 in einem Erbvertrag vereinbarte Vorkaufsrecht seines Bruders überging. Johann widersetzte sich dem Verkauf, woraufhin der Mainzer Erzbischof die Herausgabe der Burg mit Waffengewalt erzwingen wollte und es bei Sprendlingen zur Schlacht kam. Trotz zahlreicher Verbündeter drohte Johann die Niederlage und Gefangennahme, als die Kreuznacher Metzgerzunft mit dem riesenhaften Michel Mort an der Spitze den Grafen unter dem Kampfruf „Hie Kreuznach! Mein edler Graf!“ freikämpfte und ihm die Flucht ermöglichte. Michel Mort tötete im Kampf zahlreiche Gegner, wurde aber schließlich tödlich verwundet.[1]

Eine der frühesten Erwähnungen stammt aus der 1539 gedruckten Weltchronik des Kaspar Hedio. Dort heißt es:[2]

„In dem iar M.cc.lxxix beschahe die schlacht zwischen Wernhero Erzbischof zu Mentz / und Graf Hansen von Spanheym [...] und seind auff beyden teylen vil umbkomen [...]. Under denen was eyn metziger von Creutzenach / genant Michel Mort / eyn freudig und starck mann / der für seinen herrn den Grafen mannlich gestritten hat / darumb er / wie ein anderer Machabeer / ewiger gedächtnüs bei den nachkommen wirdig ist. Dann als er von den feinden umbgeben was auff allen seiten / hat er so mannlich in sie gehawen / das er alleyn mehr als xx umbbracht / und mit seinem schwert im den weg durch die feind gemacht hat. Zuletst ward er auß vile der feind an seinen füssen beschädigt / das er zu boden fiel / da hat er eilends sich erholet / auff den knewen sich beholffen / als er nit gemöcht gar auffkomen / hat onerschrocken umb sich gehawen / und noch fünf erlegt / und vil auß denen die umb in waren / verwundet. Zuletst [...] / ist er herrlich gestorben.“

Auch die Rettung des Grafen Johann von Sponheim wird geschildert:

„Johannes Graf von Spanheym [...] / der hanck an eynem fuß / und als er mit eygner hand gar tapffer darein schlug / ist er von den feinden beinach gefangen worden. Das sahe vorgenanter Michel Mort / samt andern metzgern von Creutzenach / hat dest mutiger in die feind gesetzt / und seinen herrn mit seinem eygnen blut erledigt.“

Eine weitere Sage berichtet von Michel Mort als hörigem Kriegsknecht Graf Johanns, der aufgrund einer Wette seines Herrn auf Burg Sayn sieben Gegner im Ringkampf besiegt und in einen Sack gesteckt habe. Daraufhin habe Johann ihn freigegeben.[3]

Erinnerungskultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinerner Löwe (Kauzenburg)

Die Grafen von Sponheim errichteten vermutlich noch im 13. Jahrhundert am Ort der Schlacht ein Denkmal, das im 18. Jahrhundert verfiel und vergessen wurde. Sein Fundament wurde 1828 beim Bau der Straße von Gau-Bickelheim nach Bingen, der heutigen B 50, zufällig wiederentdeckt. Die Umgebung des Denkmalstandorts trägt die Flurbezeichnung Am Michel Mort.[4] In Sprendlingen wurde 1979 ein neuer Gedenkstein in der Graf-Johann-Straße errichtet.[5]

In Bad Kreuznach erinnert ein von Robert Cauer dem Jüngeren entworfenes Denkmal auf dem Eiermarkt in der Neustadt an die Legende.[6] Das 1902 eingeweihte Original aus Savoniere-Kalkstein wurde durch eine Kopie ersetzt und befindet sich heute im Stadthaus Bad Kreuznach.

Nach der Sage soll ein steinerner Löwe auf der Kauzenburg, der ursprünglich von Schloss Dhaun stammt, ebenfalls an Michel Mort erinnern.

In Bad Kreuznach und in Sprendlingen wurden Straßen nach Michel Mort benannt, die Bad Kreuznacher Michel-Mort-Gasse ist eine Nebenstraße der Metzgerstraße, die Sprendlinger Michel-Mort-Straße verläuft am Rande des historischen Schlachtfelds.

Literarische Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erzählung Michel Mort der Kreuznacher: eine romantische Ausstellung aus der vaterländischen Geschichte mit historischen Farben gezeichnet von Christoph Sigismund Grüner erschien 1805.[7] Otto Gros veröffentlichte 1914 eine weitere literarische Bearbeitung der Sage unter dem Titel Michel Mort: Historische Erzählung.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sigrid Bingenheimer: Die Flurnamen der Gemeinden um den Wissberg in Rheinhessen. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-515-06216-5.
  • Willy Mathern, Otto Gros: Michel Mort: Gedenkschrift zur Erinnerung an den Kampf zwischen der Sponheim-Grafschaft und dem Erzbistum Mainz auf dem Michel-Mort-Feld bei Sprendlingen vor 700 Jahren. Fiedler, Bad Kreuznach 1979, ISBN 3-924824-18-5.
  • Rainer Schlundt (Hrsg.): Sagen aus Rheinland-Pfalz. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1983, ISBN 3-424-00757-9.
  • W. O. von Horn: Der Rhein, Geschichte und Sagen seiner Burgen, Abteien, Klöster und Städte. Niedner, 1867, S. 364 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michel Mort – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rainer Schlundt (Hrsg.): Sagen aus Rheinland-Pfalz, Köln 1983
  2. Kaspar Hedio: Ein Außerleßne Chronick von anfang der welt bis auff das jar nach Christi unsers eynigen Heylands gepurt M.D.XXXIX. Straßburg 1539, S. 561 f.
  3. W. O. von Horn: Der Rhein, Geschichte und Sagen seiner Burgen, Abteien, Klöster und Städte. 1867, S. 366–369.
  4. Zur Geschichte von Sprendlingen. Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz; abgerufen am 3. Dezember 2012.
  5. Gewann Michel Mort. Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz; abgerufen am 3. Dezember 2012.
  6. Michel Mort und die Schlacht von Sprendlingen 1279. Ortsgemeinde Sprendlingen/Rhh.; abgerufen am 3. Dezember 2012.
  7. Christoph Sigismund Grüner: Michel Mort der Kreuznacher: eine romantische Ausstellung aus der vaterländischen Geschichte mit historischen Farben gezeichnet. 1805, urn:nbn:de:0128-1-41930.
  8. Otto Gros: Michel Mort: Historische Erzählung. 1914.