Michel Thomas

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Dieser Artikel erläutert den Linguisten Michel Thomas. Zu anderen Personen siehe Michel Thomas (Begriffsklärung).

Michel Thomas, geborener Moniek Kroskof (* 3. Februar 1914 in Łódź; † 8. Januar 2005 in New York, NY) war ein Polyglott, Linguist und Sprachlehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er verbrachte seine Kindheit in Deutschland und Frankreich. Mit dem Aufstieg von Adolf Hitler begann für ihn die Zeit der Verfolgung.[1] Er verbrachte zwei Jahre in Arbeitslagern, mit der ständigen Angst, nach Deutschland deportiert zu werden. Er flüchtete und schloss sich der französischen Résistance[2] an, wurde gefasst und überlebte die Verhöre durch Klaus Barbie und die Folterungen durch die Gestapo.[3]

Anfang Mai 1945 nahm Thomas als Mitglied des Counter Intelligence Corps der 45. Infanterie-Division an der Befreiung des KZ Dachau teil. Auf der Suche nach von der SS in den letzten Kriegstagen weggeschafftem Material gelang ihm am 20. Mai 1945 in der Josef Wirth Papier‑, Pappen- und Wellpappenfabrik in Freimann bei München ein bedeutender Dokumentenfund, nämlich das 8 Millionen Mitglieder-Karten umfassende Zentralarchiv der NSDAP, das dorthin geschafft worden war, um es einzustampfen. Hans Huber, der Geschäftsführer der Papiermühle, verzögerte jedoch die Vernichtung.[4] Robert Wolfe, der langjährige Leiter des US-Nationalarchivs NARA, würdigte Thomas' Beitrag zur Aufklärung der Struktur der NSDAP und von Naziverbrechen mit den Worten:

„Der Erfolg, den die Sieger bei der Bestrafung von Kriegsverbrechern und der Entnazifizierung Deutschlands hatten, beruhte zu einem großen Teil auf dem Besitz und dem Zugang zu den Personalakten der Nazipartei, die der CIC-Agent Michel Thomas entdeckt, identifiziert und gemeldet hatte.“[5]

Bis die Bedeutung der Unterlagen von den Besatzungsbehörden erkannt und die Dokumente entsprechend gesichert wurden, sollte jedoch noch bis zum Oktober 1945 dauern.[6] Die Umstände der gescheiterten Vernichtung der Nazikartei erscheinen auch in einer Erzählung von Stefan Heym.[7]

Nach dem Krieg entwickelte Thomas eine neuartige Sprachlehrmethode, die eine Reihe von Anhängern fand.[8]

Ab August 1965 war er kurze Zeit mit der Schauspielerin Christiane Schmidtmer liiert, die er im Chateau Marmont Hotel in Los Angeles kennenlernte.

Am Ende seiner Karriere befanden sich unter seinen Kunden Diplomaten, Industrielle, und Berühmtheiten wie Raquel Welch, Barbra Streisand, Emma Thompson, Woody Allen und Grace Kelly (welche nach ihrer Verlobung mit Rainier III. (Monaco) schnell Französisch lernen musste). Thomas garantierte seinen Studenten, niemals das durch ihn Vermittelte zu vergessen und bot im gegenteiligen Fall kostenlose Wiederholungskurse an.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christopher Robbins: Courage beyond words. The many lives and languages of Michel Thomas. Holocaust witness, Nazi hunter, language teacher to the stars. McGraw-Hill, New York 2008, ISBN 978-0-07-149911-8. (Zuvor unter dem Titel The Test of Courage erschienen.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christopher Robbins: Test of Courage: The Michel Thomas Story- New York Free Press/Simon & Schuster, 2000, ISBN 978-0-7432-0263-3. Neuauflage: Courage Beyond Words, New York McGraw-Hill 2007, ISBN 0-07-149911-3
  2. Official documents from French Bureau des Anciens Combattants
  3. Julian Nundy: Barbie Prosecutor Demands Life Term, Chicago Tribune, 1. Juli 1987
  4. Discovery of Party Documents in the Josef Wirth paper mill in Freimann by 45th CIC Detachment, 20 May 1945. Weekly Counterintelligence Report #16. In: Seventh Army, Western Military District, Annex No 2, Part 4 of 8, CIC Reports/Reporting Section G-2, period 20 May-20 June 1945. NARA.
  5. Zitiert bei Malte Herwig: Flakhelfer. 2013, vgl. Fußnote 31.
  6. Malte Herwig: Die Flakhelfer: Wie aus Hitlers jüngsten Parteimitgliedern Deutschlands führende Demokraten wurden. DVA, München 2013, ISBN 978-3-641-09116-3, Kap. 1.
  7. Stefan Heym: Eine wahre Geschichte. In: (ders.): Die Kannibalen und andere Erzählungen. Leipzig 1953, S. 51–76.
  8. Clare Wrathrall: Brush Up Your Bad Language. Daily Telegraph, 11. Dezember 2004, abgerufen am 3. November 2010.