Michel de Montaignes Turmbibliothek

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Michel de Montaignes Turmbibliothek befindet sich auf dem über Jahrhunderte hinweg mehrfach umgestalteten Gebäudekomplex des Familiensitzes von Michel de Montaigne, dem Château de Montaigne[1]. Er liegt in der Gemeinde Saint-Michel-de-Montaigne, im Département Dordogne, Region Nouvelle-Aquitaine im Südwesten von Frankreich.[2]

La tour de Montaigne aus südlicher Sicht, mit drei Etagen[3]
Erdgeschoss: Das Oratorium von de Montaigne, im Erdgeschoss des Turms; zwei Gebetsstühle davor. Der Gebetsraum ist mit Fresken dekoriert. Der Eingang liegt links (nicht im Bild)
1. Etage: Kammer im Turm des Château de Montaigne, in der ersten Etage. In Blickrichtung Montaignes Reisetruhe, rechtsseitig sein Bett. Hier starb wahrscheinlich der Philosoph. Blick vom Eingang
1. Etage: Truhe auf dem Château de Montaigne, in der Abbé Prunis das Manuskript des Journal de voyage fand

.

2. Etage: Hier hatte Montaigne in der zweiten Etage seine Privat-Bibliothek. Man sieht auch den Seitenturm mit der darin aufsteigenden steinernen Wendeltreppe.
2. Etage:Ausschnitt aus der Decke der Bibliothek.
Drei lateinische Bibelzitate, im Auftrag Montaignes in die Balken gebrannt
2. Etage: Montaignes Arbeitszimmer ohne die Bücherregale, Blick von Eingang aus; nach rechts (nicht im Bild) Zugang zur Garderobe
2. Etage: Skizzierte Rekonstruktion einer Bibliothekswand im Turm, Blickrichtung: hinter dem Schreibtisch und vor dem (ehemaligen) Kaminplatz in südwestlich bzw. südöstlicher Richtung der beiden Fenster. Rechts im Bild nicht sichtbar Treppenaufgang und Zugang zur Garderobe
2. Etage: Blick aus der Garderobe mit über dem Ausgang angebrachten, stark erodierten Fresken. Darüber Blick auf die Bibliothek (süd-westliche Richtung). Hiervon im Hintergrund; das Fenster mit Ausblick auf den „Frauenturm“ (siehe nächstes Foto)

Bauliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss erfuhr in seiner Geschichte mehrere bauliche Veränderungen. Es handelt sich um eine zweigeschossige, geschlossene Vierflügelanlage mit annähernd quadratischem Innenhof, dessen rautenförmige Lage in Nord-Südrichtung ausgerichtet ist. In südlicher Richtung befindet sich das Eingangstor und rechtsseitig (in östlicher Richtung) der „Bibliotheksturm“ der angrenzende Flügel führt in östlicher Richtung zum „Frauenturm“[4][5]

2. Etage: Blick aus einem Fenster im Seitenbereich der Bibliothek, der Garderobe in östlicher Richtung. Der Turm (weißer Verputz mit spitzkegeligem Dach) am Ende des östlichen Schlossflügels gehörte seiner Frau, Françoise de La Chassaigne.

Der südlich des Hauptgebäudes gelegene „Bibliotheksturm“ besteht aus einem großen und einem kleineren runden Turm mit einem kleinen Wohngebäude und einem Wendeltreppenaufgang. Der Turm ist der einzige authentische Überrest der Gebäude des 16. Jahrhunderts.

Holzbalkendecke mit Einschubbrettern im Bibliotheksturm.[6]

Die Deckenbalken sind jeweils mit Inschriften versehen. Jede Etage weist eine leicht variierte Richtung der Fensteröffnungen auf.

Die Inschriften sind dabei in verschiedenen Schreibrichtungen, je nach Perspektive des Betrachters „auf dem Kopf stehend“ oder in üblicher Leserichtung lesbar.

Man betritt den Turm über eine schmale Tür und gelangt zunächst in eine kleine Kapelle.[7] Die Decke des gewölbten Oratoriums hat einen blauen Anstrich. An der Wand hinter dem kleinen in einer Mauernische befindlichen Altar ist links und rechts das Familienwappen als Fresko dargestellt. Dazwischen befindet sich eine Abbildung des Heiligen Georgs als Drachentöter.[8]

Über eine schmale in der Wand verlaufende Wendeltreppe erreicht man den sich an den Mauerinnenbereich anlehnenden, seitlichen Rundturm und gelangt durch eine Tür in einen runden Wohn- und Schlafraum im ersten Stock; hier starb der Philosoph.[9] Es finden sich ein großer Kamin sowie drei kleine Fenster. Im zweiten Stock gelangt man zur Bibliothek, die gleichzeitig Montaignes Arbeitszimmer war. Auch hier sind drei Fenster vorhanden. Die Bücher waren auf fünf im Rund angebrachten Regalbrettern aufgereiht.[10] Montaigne hatte durch die vielen Fenster einen Blick auf Wiesen, Felder und den Wirtschaftshof, das Château de Montaigne liegt auf einem kleinen Hügel.[11] Montaigne selbst beschreibt den Ort in den Essais:

Zuhause begebe ich mich ein wenig öfter in meine Bibliothek, von wo aus ich so nebenbei meinen Haushalt regle....… Sie befindet sich im dritten Stock eines Turms. Im Erdgeschoss ist meine Kapelle, im ersten Stock ein kompletter Schlafraum, wo ich mich häufig hinlege, um allein zu sein. Darüber befindet sich eine große Garderobe; das war in der Vergangenheit der überflüssigste Ort meines Hauses. In meiner Bibliothek verbringe ich die meisten Tage meines Lebens und die meisten Stunden des Tages. Nachts bin ich dort nie…… Meine Bibliothek ist rund; sie hat keine gerade Linie, außer den üblichen an meinem Tisch und meinem Stuhl, und sie bietet mir in ihrer Krümmung auf einen Blick die Ansicht aller meiner Bücher, die auf fünf Regalbrettern im gesamten Umkreis aufgereiht sind. Sie hat drei Fenster mit reichlichem und freiem Ausblick und hat sechzehn Schritt im Durchmesser. Im Winter bin ich weniger lange dort, denn mein Haus sitzt auf einem Hügel, wie der Name schon sagt, und hat keinen Raum, der höher ist als dieser. Deshalb bin ich gerne etwas empfindlich und nehme Abstand sowohl von der Arbeit als auch vom Lesen. Dort ist mein Lebensmittelpunkt.

Essais, III, 3

Über die steinerne Wendeltreppe im Seitenturm, ebenfalls im zweiten Stock und in nördlicher Richtung, erreicht man aus der Bibliothek heraus die Garderobe. Sie ist mit zum Teil stark arrodierten Fresken geschmückt.

Umstände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von seinem achtunddreißigsten Lebensjahr an, im Februar 1571, zog sich Michel de Montaigne in seine Turmbibliothek im Château de Montaigne zurück. Er hatte sein Amt als Richter in Bordeaux verkauft. Hier in seinem „Turm“ nahm er sein umfangreiches Lebenswerk, die Essais, in Angriff. Die ersten beiden Bände erschienen 1580. Bis zu seinem Tode im Jahre 1592 schrieb Montaigne an seinem Werk, das er häufig überarbeitete und mit Hilfe von Notizen ständig erweiterte.

Eine lateinische Inschrift an der Wand der Bibliothek lautet auf Deutsch:

Im Jahre des Heils 1571, im 38. Lebensjahr, am 28. Februar, seinem Geburtstag, hat sich Michael Montaigne, schon lange müde des Dienstes bei Gericht und in öffentlichen Ämtern, in voller Manneskraft in den Schoß der gelehrten Jungfrauen zurückgezogen, um in Ruhe und aller Sorgen ledig, wenn es das Schicksal ihm vergönnt, den kleinen Rest seines schon zum großen Teil verflossenen Lebens zu vollenden; er hat diese Stätte, diesen teuren von seinen Ahnen ererbten Zufluchtsort, seiner Freiheit, seiner Ruhe und seiner Muße geweiht.

Der Buchbestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundstock dieser Bibliothek stammte größtenteils aus dem Vermächtnis seines Freundes Étienne de La Boétie der im Jahre 1563 an der Dysenterie oder der Pest verstarb. Es waren hier etwa tausend Bücher auf den Regalen aufgereiht. Die wenigen Bücher, die aus seinem Bestand noch erhalten sind, weisen häufig von Montaigne verfasste Randnotizen, sogenannte Scholien auf.

Verzeichnis der dreiundfünfzig Inschriften auf den Deckenbalken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Holzbalkendecke im Bibliotheksraum weißt zwei große tragende Balken in nord-östlich bzw. süd-westlicher Ausrichtung auf. Zwischen diesen spannen sich die beschrifteten Querbalken. Montaignes Schreibtisch stand wahrscheinlich mit Blick auf die beiden nach Süden (süd-westlich bzw. -östlich) hin ausgerichteten Fenstern, vor einem (nicht mehr erhaltenem) Kaminfeuerplatz.[12]

Die Inschriften geben nicht das Denken Montaignes’ wieder! Dieses Denken in dauernder Bewegung, und über alles kann nur die Lektüre seiner Essais, wenn schon nicht in vollem Umfang verständlich machen, so doch wenigstens streifen, vorausgesetzt, man reduziert es nicht auf einige wenige Sprüche.

Alain Legros, s.u.
Die Inschriften auf den Deckenbalken in der Turmbibliothek von Michel de Montaigne.
1. Balken Extrema homini scientia ut res sunt boni consulere, caetera securum. Höchstes Geschick des Menschen ist es, die Dinge zu nehmen wie sie sind, und das Übrige nicht zu fürchten.
2. Balken aus Prediger, I, 13 Cognoscendi studium homini dedit Deus eius torquendi gratia. Solche unselige Mühe hat Gott den Menschen gegeben, dass sie sich damit quälen müssen.
3. Balken von Ioannis Stobaei Sententiae Τους μέν κένους άσκούς τό πνεύμα διίστησι, τούς δε άνοήτους άνθρώππυς τό όίημα. Die leeren Schläuche bläst der Wind auf, den leeren Kopf der Dünkel.
4. Balken aus Prediger, IX, 3 Omnium quae sub sole sunt fortuna et lex par est. Alles unter der Sonne hat gleiches Schicksal und Gesetz.
5. Balken von Sextus Empiricus, Hypot., I, 19 Ού μάλλον ούτως έχει ή έκείνως ή ούδετέρως. Ebenso wenig ist es so, noch so, als vielmehr auf keine Weise von beiden.
6. Balken Nullius vel magnae vel parvae earum rerum quas Deum tam multas fecit notitia in nobis est. In uns ist keinerlei Kenntnis dessen, ob groß oder klein, was Gott so mannigfaltig geschaffen hat.
7. Balken aus Sophokles, Ajax, V, 124 Όρώ γάρ ήμάς ρύδέν όντας άλλο πλήν είδωλ’ δσοιπερ ζώμεν ή χούφην σκιάν. Ich sehe, dass wir alle, die wir leben, nichts sind als Schemen oder flüchtige Schatten.
8. Balken von Lucrez: De rerum natura. II, 14 O miseras hominum mentes O pectora caeca qualibus in tenebris vitae, quantisque periclis degitur hoc aevi quodcunque est! Ach unselige Geister, blinde Herzen des Menschen! In welch finsterer Nacht, und unter welchen Gefahren wird dies Leben verbracht mit unbestimmter Dauer!
9. Balken von Ioannis Stobaei Sententiae Κρίνει τίς άυτόν πώπούσ’ όλον. Wer je an seine Menschengröße glaubt, den stürzt die erste beste Gelegenheit in gänzliches Verderben.
10. Balken von Lucrez, VI, 668 Omnia cum coelo terraque marique. Sunt nihil ad summam summaï totius. Himmel, Erde und Meer, sie alle sind nichts gegen die Summe der Summen des nie zu ermessenden Ganzen.
11. Balken aus Sprüche Salomonis, XXVI, 12 Vidisti hominem sapientem sibi videri? Magis illo spem habebit insipiens. Wenn du einen siehst, der sich weise dünkt, dann ist von einem Narren mehr zu erhoffen.
12. Balken aus Prediger, XI, 5 Sicut ignoras quomodo anima conjungatur corpori sic nescis opera Dei. Da du nicht weißt, wie die Seele mit dem Körper verbunden ist, kennst du nicht Gottes Werk.
13. Balken von Sextus Empiricus, Hypot., I, 21 Ενδέχεται και ούκ ενδεχεται. Dieses ist möglich und nicht möglich.
14. Balken von Platon, Kratylos Aγαδόν ἀγαςτόν. Bewundernswert ist das Gute.
15. Balken Paulus / Erasmus κέραμος ἄνθρωπος. Der Mensch ist wie ein tönernes Geschirr.
16. Balken aus Paulus Apostolus Segregatus Ad Evangelium Dei Rom, XII, 16 Nolite esse prudentes apud vosmetipsos. Haltet euch nicht selbst für weise.
17. Balken von Ioannis Stobaei Sententiae, De superbia, sermo XXII Ή δεισιδαιμονία καδάπερ πατρί τώ τύφώ πείδεται. Der Aberglaube folgt seiner eigenen Blindheit mit kindlichem Vertrauen.
18. Balken von Herodot, VII, 10 Ού γάρ έά φρονέειν ό δεός μέγα άλλόν ή έωυτόν. Denn es lässt der Gott nicht zu, dass ein anderer außer ihm sich für groß erachte.
19. Balken von Martial X, 47 Summum nec metuam diem nec optem. Den letzten Tag sollst du nicht fürchten und nicht ersehnen.
20. Balken aus Prediger XI, 6 Nescis, homo, hoc an illud magis expediat, an aeque utrumque. Du weißt nicht, Mensch, ob dies oder das besser ist, oder ob beides gleich gut ist.
21. Balken von Terenz, Heautontimoroumenos I,1 Homo sum, humani a me nihil alienum puto. Mensch bin ich, nichts Menschliches ist mir fremd.
22. Balken aus Prediger, VII,17 Ne plus sapias, quam necesse est, ne obstupescas. Sei nicht weiser als nötig, dass du dich nicht verderbest.
23. Balken aus Paulus Ad Corinthus Si quis existimat se aliquid scire, nondum cognovit quomodo oporteat illud scire. Wenn sich jemand einbildet, etwas zu wissen, hat er noch nicht die Einsicht, wie man wissen soll.
24. Balken aus Paulus, Ad Galat., 6 Si quis existimat se aliquid esse, cum nihil sit, ipse se seducit. Wenn jemand, da er noch nichts ist, wähnt, er sei etwas, so irrt er als Tor.
25. Balken aus Paulus, Ad. Rom., 12 Ne plus sapite quam oportet, sed sapite ad sobrietatem. Seid nicht weiser als geboten ist, aber freilich mit Maß.
26. Balken Καί τό μέν ούν σαφές ούτις άνήρ ίδεν έσται έίδώς. Und niemals aber wusste ein Mann etwas Gewisses, noch wird es einer wissen.
27. Balken von Euripides, aus einer verlorenen Tragödie Τίς δ’ οίδεν εί ζήν τούδ’, ό κέκληται δανείν, το ζήν δε δνήσκεν έστι; Wer aber weiß, ob das, was Sterben heißt, nicht Leben, dass leben aber Sterben ist?
28. Balken aus Prediger, I, 8 Res omnes sunt difficiliores quam ut eas possit homo consequi. Die Dinge sind so komplex, dass dem Menschen die Worte fehlen.
29. Balken Έπέον δε πολύς νόμος ένδα καί ένδα. Hier wie dort, ein weites Feld der Worte.
30. Balken von Lucrez, IV, 598 Humanum genus est avidum nimis auricularum. Allzu sehr ist das Geschlecht der Menschen auf Fabeln erpicht.
31. Balken von Persius, I, 4 Quantum est in rebus inane. Wie leer ist doch alles!
32. Balken Per omnia vanitas. Alles ist eitel.
33. Balken von Lucan, XI, 381 Servare modum, finemque tenere, naturamque sequi. Maß bewahren, Grenzen einhalten, der Natur folgen.
34. Balken Quid superbis, terra et cinis? Was überhebst du dich, Staub und Asche?
35. Balken aus Jesaia, V, 21 Vae qui sapientes estis in oculis vestris. Wehe denen, die sich selbst für klug halten.
36. Balken aus Prediger, III, 22 Fruere jucunde praesentibus caetera extra te. Freue dich an der Gegenwart, der Rest ist nicht erreichbar.
37. Balken von Sextus Empiricus, Hypot., I, 6 Πάντι λόγος ίσος άντίκειται. Jedem Grunde steht ein gleicher gegenüber.
38. Balken von Michel de l’Hôpital Nostra vagatur in tenebris nec caeca potest mens cernere verum. Im Dunkeln irrt unser Geist, und blind vermag er die Wahrheit nicht zu unterscheiden.
39. Balken aus Prediger, VII, 1 Fecit Deus hominem similem umbrae de qua post solis occasum quis judicabit? Gott hat den Menschen gleich einem Schatten geschaffen. Wer soll diesen richten, wenn die Sonne untergegangen ist?
40. Balken von Plinus, Hist. nat. II, 7 Solum certum nihil esse certi et homine nihil miserius aut superbius. Das einzig Gewisse ist, dass nichts gewiss ist, und nichts elender und aufgeblasener als der Mensch.
41. Balken Ex tot Dei operibus nihilo magis quidquam homini cognitum quam venti vestigium. Von allen Werken Gottes ist dem Menschen nicht mehr bekannt als die Spur des Windes.
42. Balken von Euripides, Hippolytos, 104 Αλλοισιν άλλος δεών τε κ’ άνδρώπων μέλει. Unter Göttern wie unter Menschen, die Geschmäcker sind verschieden.
43. Balken Έφ’ ώ φρονείς μέγιστον, άπολεί τούτό σε, τό δοκείν τίν’ είναι. Was dich am höchsten dünkt, der Wahn, etwas zu sein, er wird dich verderben.
44. Balken von Epiktet, Enchiridion, X Παράσσει πούς άνδρώπους ού τά τά πράγματα, άλλά τά περί τών πραγμάτον δόγματα. Nicht die Dinge verwirren die Menschen, sondern die Meinungen über die Dinge.
45. Balken von Ioannis Stobaei Sententiae, De superbia Καλόν φρονείν τόν δνητόν άνδρώποις ίσα. Dem Sterblichen gebührt es, menschlich zu denken.
46. Balken von Horaz, Carm. II, 11 Quid aeternis minorem consiliis animum fatigas? Was plagst du mit ewigen Plänen deinen unmündigen Geist?
47. Balken aus Psalmen, XXXVI, 7 Iudicia domini abyssus multa. Die Entscheidungen des Herrn sind abgrundtief.
48. Balken von Sextus Empiricus Hypot., I, 22, 23, 26 Ούδέν όρίζω. Ού καταλαμβάνω. Έπέχω. Σκέπτομαι. Ich bestimme nichts (setze nichts fest). Ich verstehe nicht. Ich enthalte mich des Urteils. Ich erwäge.
49. Balken More duce et sensu. Geleitet von den Sitten und den Sinnen.
50. Balken Iudicio alternante. Im Wechsel urteilen.
51. Balken Άκαταληπτώ. Ich begreife nicht.
52. Balken Ούδέν μάλλον. Ebenso wenig.
53. Balken Άρρεπώς. Ohne Schwanken.

[13][14][15]

Einfluss auf das Schreiben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Historiker, so etwa Edouard Galy und Léon Lapeyre (1861)[16][17] nahmen an, so ihre Hypothese, dass die Umgebung des Turms von Montaigne dessen Schreiben beeinflusst hat. Montaigne selbst geht auf die Bedeutung der Bibliothek für sein Schreiben im dritten Teils seines Essay hierzu ein. Montaigne habe sich nicht nur von den Büchern in seiner Bibliothek inspirieren lassen, sondern auch von den Gemälden sowie den Zitaten, die an allen Wänden und Decken angebracht waren, wie die Verwendung der Zitate in den Aufsätzen zeigt. Das Ausmaß und die Art dieses Einflusses bleibt jedoch schwer zu bestimmen. Die neuere Forschung tendiert dazu, Montaignes grundlegende persönliche Herangehensweise des „sich inspirieren zu lassen“ oder durch die Anordnung der Objekte, „die eine Struktur, die auf Vergleich und Kontrast beruhte“, für Montaignes assoziative Schreibweise verantwortlich zu machen.[18]

Aktuelle Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Brand des Schlosses im Jahre 1885 blieb u. a. der Turm unbeschadet. Marie Thirion Mautauban veranlasste die Wiedererrichtung und Umgestaltung des Schlosses. Das Anwesen, als Teil der Domaine de Michel de Montaigne, ist immer noch im Privatbesitz der Familie Mähler-Besse (6. und 7. Generation nach Pierre Magne). Der Schlossinnenhof und auch der Turm sind der Öffentlichkeit, in Form von Führungen, regelmäßig zugänglich. Am Eingang können u. a. die Eintrittskarten erworben werden. Für behinderte Menschen bzw. schwerbeschädigte Personen aus der EU ist der Eintritt frei. Entlang eines Parkweges gelangt man zum Tor und darüber in den Schlosshof, der Turm Montaignes liegt rechter Hand nahe dem Eingang. Für Rollstuhlfahrer ist der Weg beschwerlich. Der Aufstieg zum Turm setzt ein unbeeinträchtigtes Gehvermögen voraus. Die fundierten Führungen finden nur in französischer Sprache statt. Audioguides sind nicht vorhanden; im Boutiquebereich werden aber laminierte Texte, mit Erläuterungen zu den einzelnen Etagen des Turmes, in verschiedenen Sprachen zur Verfügung gestellt.

Obgleich der französische Staat das Objekt im Jahre 1992, unter der Rubrik „Historische Denkmäler“, Monuments historiques[19] erfasste, scheint die kultur-historische Konservierung des Baudenkmals, also der Erhalt seiner Authentizität, unter Berücksichtigung des Alters und der Geschichte, ohne es dabei irreversibel zu verändern bzw. die vorhandenen Fresken etc. zu schützen bzw. zu restaurieren, trotz aller Bemühungen, die privaten Träger zu überfordern. Zuständig für die „Historischen Denkmäler“, Monuments historiques ist das Kulturministerium, Ministère de la Culture et de la Communication das die Base Mérimée unterhält.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Montaigne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Offizielle Website von Schloss Montaigne [1] (en/fr/es)
  2. Alain Legros: La librairie et ses sentences. 25 mars 2012, Société Internationale des Amis de Montaigne. B.S.A.M., online.
  3. Zeichnung des La tour de Montaigne mit den Grundrisszeichnungen der einzelnen Etagen [2] aus Claude Ignace François Michaud (Hrsg.), Michel de Montaignes: Essais de Montaigne (self-édition) Texte original, accompagné de la traduction en langage de nos jours by Montaigne, Michel de, 1533-1592. Firmin-Didot, Paris 1907 [3] auf archive.org, S. 12
  4. Google Earth, Luftbild der heutigen Schlossanlage [4]
  5. Luftbild mit Blick aus östlicher Richtung. Montaignes Turm liegt im Süden (links), der Tum seiner Ehefrau liegt im Bildvordergrund. [5] abgerufen auf cdt24.media.tourinsoft.eu
  6. Fotografie der aktuellen Situation der 2. Etage des Turms. [6] abgerufen auf luc.greliche.free.fr
  7. Fotografie des Turmeingangs. Montaigne : Journal de voyage.
  8. Richard Friedenthal: Entdecker des Ich. Montaigne, Pascal, Diderot. P. Piper, München 1969, S. 42 f.
  9. Ralf Nestmeyer: Der Turm des Philosophen. Montaigne in Montaigne. In: Ders: Französische Dichter und ihre Häuser. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 2005. ISBN 3-458-34793-3. S. 201–210.
  10. Uwe Schultz: Michel de Montaigne. Rowohlt, Reinbek 1989, ISBN 3-499-50442-1, S. 7–12.
  11. Richard Friedenthal: Entdecker des Ich. Montaigne, Pascal, Diderot. P. Piper, München 1969, S. 42 f.
  12. Rekonstruktion der 2. Etage des La tour de Montaigne auf f.hypotheses.org [7] [8]
  13. Wilhelm Wiegand: Michel de Montaigne. Diogenes Verlag, Zürich 1985, ISBN 3-257-21283-6, S. 215–226
  14. NOVEMBER 17, 2010, A Catalog of Montaigne’s Beam Inscriptions
  15. Alain Legros: La Société des Amis de Montaigne Catalogue des sentences de la librairie, abgerufen am 10. November 2017.
  16. Edouard Galy, Léon Lapeyre: Montaigne chez lui : Visite de deux amis à son château. J. Bounet., Périgueux 1861, S. 35.
  17. Helmut Pfeiffer: Montaignes Revisionen: Wissen und Form der Essais. Verlag Wilhelm Fink, Paderborn 2018, ISBN 978-3-8467-6354-4, S. 40[9] auf books.google.de
  18. George Hoffmann: Montaigne's Nudes: The Lost Tower Paintings Rediscovered. Yale French Studies (2006), No. 110, Meaning and Its Objects: Material Culture in Medieval and Renaissance France (2006), S. 122–133
  19. Monuments historiques, édifice / site Château de Montaigne, abgerufen auf www2.culture.gouv.fr [10]

Koordinaten: 44° 52′ 41″ N, 0° 1′ 48″ O