Migdal haEmek

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Migdal haEmek /
al-Mudschaidil
Wappen von Migdal haEmek /al-Mudschaidil
Blick auf die Stadt
Blick auf die Stadt
Basisdaten
hebräisch: מגדל העמק
arabisch: مالمجيدل
(مجدال هاعيميك)
Staat: Israel Israel
Bezirk: Nord
Koordinaten: 32° 40′ N, 35° 14′ OKoordinaten: 32° 40′ 17″ N, 35° 14′ 26″ O
Fläche: 7,637 km²
 
Einwohner: 24.959 (2015[1])
Bevölkerungsdichte: 3.268 Einwohner je km²
 
Postleitzahl: 23100 - 23109
 
Gemeindeart: Entwicklungsstadt
Website:
Migdal haEmek /al-Mudschaidil (Israel)
Migdal haEmek /al-Mudschaidil
Migdal haEmek /
al-Mudschaidil

Migdal haEmek (hebräisch מגדל העמק, „Turm des Tales“; arabisch مجدال هاعيميك, DMG Miǧdāl Hāʿīmīk) ist eine Stadt in Israel, die nach der Nakba auf den Trümmern des palästinensischen Dorfes al-Mudschaidil (arabisch مالمجيدل, DMG al-Muǧaydil) errichtet wurde.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Al-Mudschaidil bzw. Migdal ha-Emek liegt in der Jesreelebene im Nordbezirk des Landes, wenige Kilometer südwestlich von Nazaret und hatte 2015 24.959 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1945 hatte al-Mudschaidil 1900 palästinensische Einwohner, davon 1640 Muslime und 190 Christen,[2] und zwar griechisch-orthodoxe, von denen allerdings einige zum Protestantismus konvertiert waren.[3]

Im Juli 1948 zogen die Zionisten im Rahmen der Operation »Dekel« (»Palme«) ihre Truppen in Galiläa zusammen, und zwischen 15. und 18. Juli fiel unter anderem al-Mudschaidil. Da das Schicksal der Palästinenser von Haifa und Deir Yassin unter der Bevölkerung bekannt war, waren viele Bewohner von al-Mudschaidil bereits vor der Eroberung durch die Zionisten nach Nazareth geflüchtet, [4] vor allem Frauen und Kinder.[5]

Sofort nach der Eroberung des Dorfes sprengten die zionistischen Truppen zehn Häuser »als Warnung«.[6] Jene Bewohner von al-Muschaidil, die geblieben waren, wurden Richtung Nazareth vertrieben;[7] die Zionisten vertrieben – so wie an vielen anderen Orten – die gesamte Bevölkerung des Dorfes.[8] In den folgenden Wochen sprengten die zionistischen Truppen auch die übrigen Häuser des Dorfes.[9]

Die palästinensischen Flüchtlinge wurden vom israelischen Militär an der Rückkehr in ihr Dorf gehindert.[10] Im August stießen israelische Truppen auf mehrere Gruppen palästinensischer Frauen, Flüchtlinge, die auf ihren eigenen Feldern arbeiteten. Nach Angaben eines israelischen Offiziers gaben sie zuerst Warnschüsse ab und schossen dann auf die zurückgekehrten Flüchtlinge bzw. richteten sie hin. Der verantwortliche Offizier gab nochmals den Befehl, die Flüchtlinge an der Rückkehr zu hindern.[11]

1950 bot das israelische Regime nach einer Intervention des Papstes den christlichen Flüchtlingen eine Möglichkeit an, nach al-Mudschaidil zurückzukehren, doch diese lehnten es ab, ohne ihre muslimischen Nachbarn wieder in das Dorf zu ziehen.[12]

Die Trümmer des palästinensischen Dorfes sind zum Teil noch bis heute sichtbar, vor allem die Ruinen einer griechisch-orthodoxen und einer römisch-katholischen Kirche,[13] obwohl der Jüdische Nationalfonds kurz nach der ethnischen Säuberung und Zerstörung so wie in vielen anderen palästinensischen Dörfern Kiefern pflanzte,[14] um die Trümmer des palästinensischen Dorfes zu verbergen.[15]

Die Entwicklung der neuen, rein jüdischen Stadt »Migdal ha-Emek« an der Stelle des palästinensischen Dorfes al-Mudschaidil hatte zwei Ziele: erstens ganz allgemein die »Judaisierung von Galiläa« (ייהוד הגליל), und zweitens konkreter, das weitere Wachstum der nahegelegenen palästinensischen Stadt Nazareth nach Süden zu verhindern.[16]

Die überlebenden palästinensischen Flüchtlinge aus al-Mudschaidil leben zum Großteil bis heute in Nazareth.[17]

Die Moschee von al-Mudschaidil wurde 2003 vom israelischen Regime zerstört[18] und an ihrer Stelle wurde ein Einkaufszentrum errichtet.[19]

Aufgrund der starken Einwanderung konnte Migdal ha-Emek seinen »rein jüdischen« Charakter bewahren. Fast die Hälfte der heutigen Einwohner ist im Ausland geboren, vor allem in der ehemaligen Sowjetunion.[20]

Seit 2016 hat al-Mudschaidil / Migdal ha-Emek mit der Bahnstrecke Haifa–Bet Sche’an Anschluss an das Eisenbahnnetz der Israel Railways.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Migdal haEmek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.cbs.gov.il/ishuvim/reshimalefishem.pdf abgerufen am 5. März 2017
  2. Chad F. Emmett: Beyond the Basilica. Christians and Muslims in Nazareth. University of Chicago Press, 1995; S. 157.
  3. Alex Carmel: Activities of the European Powers in Palestine, 1799–1914. In: Asian and African Studies Bd. 19, Nr. 1 S. 70.
  4. Chad F. Emmett: Beyond the Basilica. Christians and Muslims in Nazareth. University of Chicago Press, 1995; S. 41.
  5. Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited. Cambridge University Press, 2004.
  6. Chad F. Emmett: Beyond the Basilica. Christians and Muslims in Nazareth. University of Chicago Press, 1995; S. 43.
  7. Chad F. Emmett: Beyond the Basilica. Christians and Muslims in Nazareth. University of Chicago Press, 1995; S. 41.
  8. Rosemarie M. Esber: Under the Cover of War. The Zionist Expulsion of the Palestinians. Arabicus, 2008; S. 349; Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited. Cambridge University Press, 2004.
  9. Chad F. Emmett: Beyond the Basilica. Christians and Muslims in Nazareth'. University of Chicago Press, 1995; S. 43.
  10. Chad F. Emmett: Beyond the Basilica. Christians and Muslims in Nazareth. University of Chicago Press, 1995; S. 45.
  11. Benny Morris: 1948. A History of the First Arab-Israeli War. Yale University Press, 2008; S. 303; Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited. Cambridge University Press, 2004.
  12. Dominique Vidal, Sébastien Boussois: Comment Israël expulsa les Palestiniens (1947–1949). Éditions de l’Atelier, 2009; S. 213; Ilan Pappe: Le nettoyage ethnique de la Palestine. Fayard, 2008.
  13. Chad F. Emmett: Beyond the Basilica. Christians and Muslims in Nazareth. University of Chicago Press, 1995; S. 157.
  14. Ilan Pappe: Le nettoyage ethnique de la Palestine. Fayard, 2008.
  15. Šejla Haračić: Memoricide. A Punishable Behavior? In: Vjeran Pavlaković, Davor Pauković, Višeslav Raos (Hg.): Confronting the Past. European Experiences. CPI, 2012; S. 249.
  16. Witt Raczka: Unholy Land. In Search of Hope in Israel/Palestine. Rowman & Littlefield, 2015; S. 46.
  17. Witt Raczka: Unholy Land. In Search of Hope in Israel/Palestine. Rowman & Littlefield, 2015; S. 157–159.
  18. Ilan Pappe: Le nettoyage ethnique de la Palestine. Fayard, 2008.
  19. Marshall J. Breger, Yitzhak Reiter, Leonard Hammer (Hg.): Sacred Space in Israel and Palestine. Religion and Politics. Routledge, 2013; S. 76.
  20. Witt Raczka: Unholy Land. In Search of Hope in Israel/Palestine. Rowman & Littlefield, 2015; S. 46.