Migrant

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Nettomigrationsraten für 2006: positiv (blau), negativ (orange) und stabil (grün)

Als Migranten werden jene Menschen bezeichnet, die von einem Wohnsitz/Land zu anderen Wohnsitzen/Ländern wandern beziehungsweise durchziehen. Sie geben (wie viele Expatriates) ihren bisherigen Wohnsitz auf, um an einen anderen Wohnsitz zu ziehen (das lateinische Verb migrare bedeutet auswandern, wandern, reisen).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Sicht ihres Herkunftslandes sind Migranten Auswanderer (Emigranten), aus Sicht des Aufnahmelandes Einwanderer (Immigranten). Die Umschreibung „Menschen mit Migrationshintergrund“ fasst Migranten und ihre Nachkommen unabhängig von der tatsächlichen Staatsbürgerschaft zusammen.

Der Begriff Migranten bzw. Migrantenfamilien wird in den deutschsprachigen Medien oft jedoch auch zur Bezeichnung von Familien verwendet, die dauerhaft eingewandert sind.

Arbeitsmigranten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitsmigranten sind die wichtigste Gruppe von Migranten. Innerhalb der Europäischen Union wird Arbeitsmigration durch die Freizügigkeitsregelung erleichtert.

Flüchtlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Flüchtling

Völkerrechtlich gelten jene Migranten als Flüchtlinge, deren Status durch die Genfer Flüchtlingskonvention geregelt ist. Nach dieser politischen Vereinbarung haben so definierte "Flüchtlinge" gewisse Rechte, die Migranten insgesamt nicht zugestanden werden, zum Beispiel das Recht auf Asyl. Der Begriff des Flüchtlings umfasst nach dem Genfer Abkommen ausschließlich Personen, die in ihrem Herkunftsland aufgrund von Hautfarbe, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe (Ethnie) oder politischer Überzeugung verfolgt werden und deshalb ihr Land verlassen.

Vom Flüchtlingsstatus nach der Genfer Flüchtlingskonvention abzugrenzen sind alltagsübliche und politisch induzierte Zuschreibungen wie Umweltflüchtlinge, Klimaflüchtlinge, Steuerflüchtlinge oder Elendsflüchtlinge. Während die Anerkennung der ersten beiden Gruppen als Flüchtlinge mindestens seit Beginn des 21. Jahrhunderts völkerrechtlich in der Diskussion steht, gilt das für die anderen nicht. Diese Zuschreibungen sind im öffentlichen Diskurs oft negativ konnotiert.

2006 schätzte man weltweit 175 Millionen Immigranten (siehe unten).[1] Darunter befanden sich 8,4 Millionen Flüchtlinge.[2] Laut einem UNHCR-Bericht erreichten geschätzt mehr als 69.000 Migranten und Flüchtlinge 2011 die europäischen Küsten, wobei über 1.500 Migranten dabei beim Überqueren des Mittelmeeres gestorben oder verschollen sind.[3]

Die deutsche Rechtsordnung unterscheidet zwischen der Anerkennung der Asylberechtigung (Art. 16a Grundgesetz), der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung subsidiären Schutzes.

Zuwanderung sowie Abwanderung von Migranten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zuwanderung beziehungsweise Abwanderung von Migranten kann politische und/oder ökonomische Probleme verursachen.[4] Während bei Emigranten das Herkunftsland oftmals unter der Abwanderung qualifizierter junger Menschen leidet, hängen die Probleme bei den Immigranten mit den meist geforderten Sprachkenntnissen beziehungsweise der sogenannten Integration in die Kultur des Aufnahmelandes zusammen. Der Trend zur Assimilation unterscheidet sich von Aufnahmeland zu Aufnahmeland. Während er in der französischen Gesellschaft relativ stark ausgeprägt ist, wird in Deutschland zumindest seitens der Politik von Immigranten keine Assimilation gefordert. Exemplarische Zahlen für Deutschland enthalten zehn Grafiken eines Spiegel-Online-Artikels.[5]

Der Wirtschaftswissenschaftler und Migrationsforscher Herbert Brücker hob 2013 hervor, dass Einwanderer aus EU Staaten in Deutschland derzeit im Schnitt besser ausgebildet sind als Deutsche.[6] Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration spricht von einer „Freizügigkeitsdividende“, da Deutschland insgesamt von Zuwanderern aus anderen europäischen Ländern profitiere, weil diese durchschnittlich zehn Jahre jünger sind als die Mehrheitsbevölkerung in Deutschland.[7] Das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) zieht als Ergebnis einer Analyse den Schluss, dass Befürchtungen einer Verdrängung einheimischer Arbeitnehmer durch EU-Zuwanderer sich im Nachhinein als unbegründet herausgestellt haben: die Analyse habe keine Belege dafür gefunden, dass Einheimische in Folge der EU-Osterweiterung zunehmend ihre Arbeitsplätze an Zuwanderer verloren hätten.[8]

Migrantenkinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterstützung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprachliche und kulturelle Unterstützung in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Integrationskurse wurden im Jahr 2005 im Rahmen des Zuwanderungsgesetzes eingeführt.

Die Leichte Sprache kann Migranten mit unzureichenden Deutschkenntnissen helfen, sich in Behörden besser zurechtzufinden oder amtliche Mitteilungen zu verstehen.

Unterstützung bei der Integration in den Arbeitsmarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge des Gesetzes zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen wurde ein Beratungsangebot in Form eines Internetportals und einer Telefon-Hotline in deutscher und englischer Sprache eingerichtet.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mark Terkessidis; Martin Hoffmann (Hrsg.): Migranten. Rotbuch, Hamburg 2000, ISBN 3-434-53504-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Migrant – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Deutschland

Die gesellschaftliche Akzeptanz von Zuwanderern in Deutschland (PDF, 16 Seiten)

Österreich

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. International Organization for Migration, World Migration Report 2005, p. 13.
  2. 2006 UNHCR. Zur Zusammensetzung der Flüchtlinge und IDPs siehe diese Grafik. (UNHCR 2006)
  3. Europa: Mehr Todesfälle im Mittelmeer
  4. Deutschlandfunk vom 17. Oktober 2010
  5. Spiegel-Online-Artikel
  6. Herbert Brücker: Migration: Die falsche, deutsche Einwanderungsdebatte. In: Gastbeitrag. Die Zeit, 13. Dezember 2013, abgerufen am 26. April 2014.
  7. Matthias Krupa: Einwanderung: Sie kommen. Die Zeit, 28. Dezember 2013, abgerufen am 26. April 2014.
  8. Arbeitsmarkt: EU-Osterweiterung hat Deutschen nicht geschadet. Die Zeit, 26. April 2014, abgerufen am 26. April 2014.
  9. Anerkennung in Deutschland, Internetportal im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung