Mikołajki

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Eine Beschreibung des polnischen Dorfes in der Gemeinde Kalinowo befindet sich unter Mikołajki (Kalinowo)
Mikołajki
Wappen von Mikołajki
Mikołajki (Polen)
Mikołajki
Mikołajki
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Mrągowo
Geographische Lage: 53° 48′ N, 21° 35′ OKoordinaten: 53° 48′ 0″ N, 21° 35′ 0″ O
Einwohner: 3826
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 11-730
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NMR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Landesstraße 16
MrągowoEłk
Schienenweg: OlsztynMrągowoEłk
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 256,41 km²
Einwohner: 8308
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 32 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2810023
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Piotr Jakubowski
Adresse: ul. Kolejowa 7
11-730 Mikołajki
Webpräsenz: www.mikolajki.pl



Mikołajki [mʲikɔˈwajkʲi] (deutsch Nikolaiken) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Sie gehört zum Powiat Mrągowski (Sensburger Distrikt) und hat etwa 3800 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt an einem langen Arm des Spirdingsees (Śniardwy), des größten der masurischen Seen, etwa 20 Kilometer ostsüdöstlich der Stadt Sensburg (Mrągowo) und 70 Kilometer östlich der Stadt Allenstein (Olsztyn) auf einer Höhe von 120 Metern über dem Meeresspiegel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nikolaiken südöstlich der Stadt Königsberg i. Pr. und östlich der Stadt Allenstein auf einer Landkarte von 1908

Das ehemalige alte Kirchdorf in Masuren wurde 1444 erstmals als Nickelsdorf (oder St. Niclas) erwähnt. Benannt ist die Ortschaft nach dem Kirchenpatron Sankt Nikolaus, dem Schutzpatron der Fischer. Ab 1610 findet sich der Ort dann erneut unter dem Namen Nikolaiken. Die drei Siedlungskerne mit Koniec und Koslau waren im 18. Jahrhundert so weit zusammengewachsen, dass der Ortschaft 1726 durch den preußischen König Friedrich Wilhelm I. die Stadtrechte gewährt wurden. 1911 wurde Nikolaiken an das Bahnnetz angeschlossen. Durch die Lage am Spirdingsee war die Fischerei von jeher ein bedeutender Erwerbszweig in Nikolaiken. Namentlich die Nikolaiker Maränen (Speisefisch) machten die kleine Stadt weit über Ostpreußen hinaus bekannt. Bis 1945 gehörte die Stadt zum Landkreis Sensburg in der Provinz Ostpreußen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Nikolaiken als eine der wenigen Städte in Ostpreußen nicht zerstört. Während des Krieges war dort die deutsche Abwehr unter Admiral Canaris stationiert.

Gegen Kriegsende besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde Nikolaiken zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Danach begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen Bevölkerung bemächtigten. Die Stadt erhielt den polnischen Ortsnamen Mikołajki. Der Großteil der Einwohner, soweit nicht bereits während der Kriegsereignisse geflohen, wurde 1945 von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben bzw. später ausgesiedelt.

Bereits vor dem Krieg war Nikolaiken ein Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr. Heute ist der Ort eines der größten touristischen Zentren – insbesondere für den Wassersport – in Masuren. Im Winter ist das Eissegeln eine besondere Attraktion.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ein-
wohner
Anmerkungen
1782 1.202 ohne die Garnison (eine Schwadron Husaren)[2]
1831 1.981 größtenteils Polen[3]
1875 2.192 [4]
1880 2.277 [4]
1890 2.327 davon 40 Katholiken und 75 Juden[4]
1905 2.284 davon 75 Juden[5]
1933 2.668 [4]
1939 2.631 [4]
2007 3.806 [6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mikołajki[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirche zur heiligen Dreifaltigkeit, an der Stelle eines 1535 erstmals erwähnten Vorgängerbaus neu erbaut 1840–1842, aus der Schule von Karl Friedrich Schinkel, Turm von 1880, noch heute evangelisch.
  • Figur des Stinthengstes unter der Brücke; der Sage nach ist der Stinthengst der König der Fische, dessen Anwesenheit den Nikolaikenern den Fischreichtum sichert.
  • Jüdischer Friedhof in der Ul. Dybowska.
  • Umgebung mit einigen der schönsten der masurischen Seen, darunter Spirdingsee, Beldahnsee (Jezioro Bełdany) und Talter Gewässer (Jezioro Tałty).
Blick auf Mikołajki vom See aus

In der Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südwestlich von Mikołajki fließt im Masurischen Landschaftspark zwischen den Seen Jezioro Mokre (deutsch Mucker-See) und Jezioro Bełdany (dt. Beldahn-See) der Fluss Krutynia (dt. Kruttinnen-Fluss), der sich gut für Kanufahrten eignet.

Bootfahren auf der Krutynia

Östlich von Mikołajki liegt der Jezioro Łuknajno (dt. Lucknainer See), ein geschütztes Biosphärenreservat, insbesondere für Schwäne.[7] Im Dorf Łuknajno gibt es eine Aussichtsplattform.

  • Sehr sehenswert ist kurz südlich von Nikolaiken die Halbinsel Wiersba/Popielnen (heute mit Tarpan-Pferdezucht und Hotel des Warschauer akademischen Segelklubs). Hier trifft der Nikolaiker See auf den Spirdingsee und geht in den Beldahnsee über. Von Nikolaiken aus erreicht man Wiersbau/Popielnen über eine alte Fähre, die schon die Gräfin Dönhoff beförderte.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Geviert; Feld 1 und 4 Silber, Feld 2 Rot, Feld 3 Blau; das ganze überdeckt von einem golden gekrönten, natürlichen Stint (Fisch), der am Unterkiefer mit einer vom linken Obereck ausgehenden, langen goldenen Kette gefesselt ist.“[8]

Das Wappen wurde 1922 zur Erinnerung an das 200-jährige Bestehen der Stadt geschaffen. Blau, Silber und Rot gelten als die Farben von Masuren. Der Fisch ist der Stinthengst des Spirdingsees, der einmal gefangen, aber vom Stadtrat nicht getötet, sondern an die Brücke gefesselt wurde, weshalb die Stinte nun stets um die Stadt schwärmen. Die Sage nimmt Bezug auf den angeketteten Sperrbalken, der die Durchfahrt erst freigab, wenn der Schiffer den Brückenzoll entrichtet hatte.[9]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Stilllegung des Personenverkehrs auf dem Streckenabschnitt MrągowoEłk am 1. September 2009 hatte der Ort einen Bahnhof an der Bahnstrecke Czerwonka–Ełk. Seither ist Mikołajki nur mit planmäßig verkehrenden Bussen zu erreichen.[10]

Fremdenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt war bereits vor dem Ersten Weltkrieg ein bekannter Fremdenverkehrsort. Heute ist sie ein Zentrum des Segelboot­tourismus; auch Hausboote werden vermietet. Es haben sich einige Marinas angesiedelt. Von hier aus lassen sich ausgedehnte Touren über die Masurische Seenplatte unternehmen. Es gibt zahlreiche Hotels und Restaurants. Es gibt nun eine Reihe von Ports, das sind Marinas oder Häfen am Masuren Waterway von denen Hausboote und Segelboote starten, auch Ecomarinas (Ökomarinas) gibt es nun in denen die Fäkalientanks umweltgerecht entsorgt werden können. Dies alles wurde in einem Touristikplan mit EU Mitteln neu angelegt.

Gmina Mikołajki[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Mikołajki gehören außerdem die folgenden kleineren Ortschaften:

Polnischer Ortsname Deutscher Ortsname
Baranowo Baranowen
1928–1938 Barranowen
1938–1945 Hoverbeck
Cimowo Zymowo
1929–1945 Winterau
Cudnochy Zudnochen
1938–1945 Siebenhöfen
Długi Grąd Dlugigrund
1928–1945 Langengrund
Dybowo Diebowen
1938–1945 Dommelhof
Faszcze Faszen
1938–1945 Fasten
Górkło Gurkeln
Grabek Neuhof-Grabowken
1929–1945 Neuhof-Buchenhagen
Grabnik Mały Klein Grabnick
Grabówek
Grabówka Grabowken
1929–1945 Buchenhagen
Inulec Inulzen
1938–1945 Neufasten
Jora Mała Klein Jauer
Polnischer Ortsname Deutscher Ortsname
Jora Wielka Groß Jauer
Klon Klonn
1938–1945 Zwerghöfen
Kolonia Mikołajki
Kulinowo Kulinowen
1928–1945 Waldesruh
Lelek Julienthal
Leśny Dwór Grünhof
Lisiny
Lisunie Lissuhnen
1936–1945 Lißuhnen
Lubiewo Lubjewen
1938–1945 Grünbruch
Łuknajno Lucknainen
Małaszewo
Mateuszek Matheussek
1938–1945 Mathießen
Mikołajki Nikolaiken
Nadawki Nadafken
1938–1945 Kuppenhof
Nowe Nadawki Radawken
1895–1945 Vollmarstein
Polnischer Ortsname Deutscher Ortsname
Nowe Sady Neu Schaden
Olszewo Olschewen
1938–1945 Erlenau
Osa Ossa
1930–1945 Schwanhof
Prawdowo Prawdowen
1929–1945 Wahrendorf
Pszczółki Karlshorst
Sady Schaden
Śmietki Schnittken
Śmietki Małe Klein Schnittken
Stawek Dörenthal
Szymonka Mała Klein Schimonken
1938–1945 Kleinschmidtsdorf
Tałty Talten
Urwitałt Georgenthal
Wesołowo Wessolowen
1938–1945 Wesselhof
Wioska Neuwalde
Woźnice Wosnitzen
1938–1945 Julienhöfen
Zełwągi Selbongen
Zielony Gaj Grünwalde

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Społeczne Gimnazjum i Liceum Ogólnokształcące im. Marion Dönhoff w Mikołajkach ist ein Zusammenschluss einer Mittelschule und des Gymnasiums der Stadt. Benannt sind sie nach Marion Gräfin Dönhoff.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mikołajki – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, S. 41–42, Nr. 5.
  3. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 456–457, Nr. 69.
  4. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/sensburg.html
  5. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 14, Leipzig/Wien 1908, S. 693.
  6. Für den 30. Juni 2007: Główny Urząd Statystyczny: Ludność – Stan i struktura w przekroju terytorialnym, Stand vom 30. Juni 2007 (Memento vom 16. Februar 2008 im Internet Archive)
  7. UNESCO-Beschreibung des Biosphärenreservats Luknajno
  8. Erich Keyser: Deutsches Städtebuch – Handbuch städtischer Geschichte, Band I Nordostdeutschland. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1939, S. 89, 90.
  9. Otto Hupp: Deutsche Ortswappen. Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft, Bremen 1925.
  10. Linia Czerwonka – Ełk. In: Ogólnopolska Baza Kolejowa. Abgerufen am 18. Januar 2015 (polnisch).