Mikwe (Busenberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mikwe in Busenberg (2007)

Die Mikwe in der rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Busenberg (Landkreis Südwestpfalz) ist ein Haus, das früher ein rituelles Tauchbad für Juden beherbergte. Das Gebäude wurde, nachdem es in Privateigentum gelangt war, zu einem kleinen Wohnhaus umgestaltet. Es ist in der Pfalz das einzige Mikwehaus, das bis in die heutige Zeit überdauert hat.[1][2]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Judenbad in der Talstraße[3] steht im Ortszentrum am Hang unterhalb der B 427, die das Dorf als Durchgangsstraße quert. Das benötigte Wasser stammte aus einer Grundwasserquelle, die zeitgenössischen Berichten[4] zufolge in unmittelbarer Nähe, vermutlich sogar innerhalb des Gebäudes auf demselben Grundstück lag.

Gegenüber der Mikwe stand früher die jüdische Schule; das Hausgrundstück hat heute die Anschrift Talstraße 8.[3]

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das eingeschossige Fachwerkhaus mit Satteldach liegt traufständig an der Straße und verfügt über einen ungefähr 60 cm hohen Sandsteinsockel. Die Grundfläche beträgt etwa sieben mal vier Meter. Die Eingangstür wird über eine dreistufige Sandsteintreppe von der Straße her erreicht. Das Gebäude enthielt früher nur einen einzigen Raum, in dessen eingetiefter Mitte sich eine gemauerte Wanne befand. Dort fanden die rituellen Waschungen statt. Die Vertiefung wurde später verfüllt, um einen ebenen Fußboden zu schaffen. Es wird angenommen, dass sich darunter noch die Reste der Wanne befinden.

Das Gebäude war jahrelang unbewohnt; es wirkte ungepflegt, der bauliche Zustand war sehr schlecht. In der ersten Hälfte der 2010er Jahre wurde es renoviert und ist mittlerweile wieder bewohnt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jüdischer Friedhof Busenberg

Die Mikwe wurde in Busenberg zu Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet, als offenbar die ersten Juden in den Wasgauort kamen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Busenberg zu einem der Zentren des Judentums in der Südwest- und Südpfalz. 1824 wurde ein großer jüdischer Friedhof angelegt. In den 1880er Jahren erreichte die jüdische Gemeinde mit 31 Familien und 170 Personen ihren zahlenmäßigen Höchststand.

In den Jahren nach dem Bau der Mikwe wurden, bedingt durch das Anwachsen der Bevölkerungszahl hundert Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg, in der Umgebung auch vermehrt Abtritte, Dunggruben und Schweineställe errichtet. Die ungefassten und ungeklärten Abwässer traten ins Grundwasser über und verunreinigten es. Damit erwuchsen der Mikwe erhebliche hygienische Probleme. Deshalb sollte die Anlage gemäß einer behördlichen Verfügung vom 17. November 1859[4] gesundheitspolizeilich geschlossen werden. Der Vollzug der Schließung konnte durch Einsprüche des Synagogenausschusses und ein neutrales Gutachten immer wieder hinausgezögert werden; entsprechende Akten[4] aus den Jahren 1864/65 sind erhalten, ohne dass daraus ein Ende der Angelegenheit ersichtlich ist.

Auch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts war die Mikwe noch in Gebrauch.[2] Gegen Ende des Jahrhunderts wurde sie endgültig aufgegeben und anschließend zu einem kleinen Wohnhaus umgebaut.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brigitte Schmalenberg: Reiches jüdisches Erbe. In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen 1. März 2008.
  2. a b Otmar Weber: Judentum im Wasgau. Erhaltenswerte jüdische Kulturdenkmäler im Wasgau. 2006, S. 6.
  3. a b Die Mikwe in Busenberg bei Dahn, Landkreis Südwestpfalz. Arbeitskreis „Judentum im Wasgau“, abgerufen am 8. Juni 2016.
  4. a b c Königlich-bayerisches Landkommissariat Pirmasens, Akten im Stadtarchiv Pirmasens.

Koordinaten: 49° 7′ 47,7″ N, 7° 49′ 47,2″ O