Milada Horáková

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Milada Horáková (1949).
Kenotaph für Milada Horáková auf dem Vyšehrader Friedhof
Kolorierter Ausschnitt aus den Filmaufnahmen vom Gerichtsprozess

Milada Horáková (* 25. Dezember 1901 in Prag; † 27. Juni 1950 ebenda) war eine tschechoslowakische Widerstandskämpferin und Frauenrechtlerin. In einem Schauprozess wurde sie 1950 zum Tode verurteilt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horáková wurde 1926 an der juristischen Fakultät der Prager Karlsuniversität promoviert. Als junge Frau engagierte sich Horáková in der tschechischen Frauenbewegung. In den 1930er Jahren gehörte sie zu den Anführerinnen des Nationalen Frauenrats. Dem Münchner Abkommen, in dem die tschechoslowakische Republik Nazideutschland praktisch ausgeliefert wurde, folgte wenige Monate später die Besetzung des Landes durch die Deutschen. 1939 ging Horáková in den Widerstand und arbeitete in den Widerstandsgruppen Petiční výbor Věrni zůstaneme, Politické ústředí sowie in der Dachorganisation ÚVOD. Bereits nach kurzer Zeit wurde sie von der Gestapo verhaftet und über zwei Jahre im KZ Theresienstadt festgehalten, anschließend zu Zwangsarbeit in einer Munitionsanstalt in Leipzig verurteilt. Als Agitatorin wurde sie erneut ins Gefängnis geworfen, zum Tode verurteilt, begnadigt und schließlich 1945 von der US Army befreit.

Nach ihrer Befreiung lebte sie in Prag, wo sie gegen die Kommunistische Partei eintrat. Sie trat für politischen Pluralismus ein, der allein ihrer Meinung nach Freiheit und Individualismus schützen konnte. Horáková war Abgeordnete der Volkssozialisten im tschechoslowakischen Parlament. Nach dem kommunistischen Umsturz vom Februar 1948 legte sie ihr Mandat nieder. Als Regimekritikerin unter dem stalinistischen Regime Klement Gottwalds verfolgt, musste sie erneut in den Untergrund gehen. Schließlich wurde sie verhaftet und in einem Schauprozess wegen „antisowjetischer Konspiration“, „Hochverrats“, „Spionage“ und „umstürzlerischem Verhalten“ am 8. Juni 1950 zum Tode verurteilt.[1] Im selben Prozess ebenfalls zum Tod verurteilt wurden Jan Buchal, Záviš Kalandra und Oldřich Pecl.

Viele Persönlichkeiten setzten sich vergebens für Horákovás Begnadigung ein, darunter Albert Einstein, Bertrand Russell, Winston Churchill und Eleanor Roosevelt. Sie wurde am 27. Juni 1950 im Prager Gefängnis Pankrác hingerichtet.

Am 30. Juli 1968, in der Endphase des Prager Frühlings, hob das höchste Gericht der ČSSR das Urteil postum auf und ordnete die Überprüfung des Falles durch die Staatsanwaltschaft an. Zu einer vollständigen Rehabilitierung kam es im Jahr 1990 nach der Samtenen Revolution. Die Anklägerin Horákovás, Ludmila Brožová-Polednová (1921–2015), wurde am 9. September 2008 vom Obergericht in Prag wegen Beteiligung am Justizmord zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt; nach acht Monaten Haft wurde sie begnadigt.[2]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horáková-Denkmal vor dem Gefängnis Pankrác

Der tschechoslowakische Präsident Václav Havel verlieh Milada Horáková 1991 postum den Tomáš-Garrigue-Masaryk-Orden 1. Klasse, eine der höchsten staatlichen Auszeichnungen. Auf dem Vyšehrader Friedhof wurde im Jahr 2000 ein Kenotaph für sie errichtet, ihr tatsächliches Grab befindet sich auf dem Gelände des Krematoriums Strašnice. Horáková wird als Märtyrerin für die Freiheit verehrt, was sich etwa daran zeigt, dass das Mahnmal für die Opfer am Eisernen Vorhang bei Cheb an ihrem 56. Todestag 2006 eingeweiht wurde. Im Jahr 2009 wurde vor dem Gefängnis Pankrác, ihrer Hinrichtungsstätte, ein Denkmal mit ihrer Büste von Milan Knobloch für sie errichtet. 2010 wurde der 1998 entdeckte Asteroid (44530) Horáková nach ihr benannt. Auch eine Straße auf dem Letná-Hügel im Norden Prags trägt ihren Namen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Milada Horáková – Sammlung von Bildern

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Urteil vom 8. Juni 1950.
  2. Christian Falvey: Former show-trial prosecutor freed by presidential pardon. In: Radio Prag, 22. Dezember 2010 (englisch).