Milicz

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Milicz
Wappen von Milicz
Milicz (Polen)
Milicz
Milicz
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Milicz
Fläche: 13,50 km²
Geographische Lage: 51° 32′ N, 17° 17′ OKoordinaten: 51° 32′ 0″ N, 17° 17′ 0″ O
Einwohner: 11.649
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 56-300
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DMI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: KrotoszynBreslau
Schienenweg: Oleśnica–Chojnice
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 91 Ortschaften
52 Schulzenämter
Fläche: 435,61 km²
Einwohner: 24.354
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 56 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0213033
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jacek Supeł
Adresse: ul. Trzebnicka 2
56-300 Milicz
Webpräsenz: www.milicz.pl



Milicz [ˈmʲiliʧ] (deutsch Militsch) ist eine Stadt im Powiat Milicki in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien mit etwa 12.000 Einwohnern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Militsch und seine Nachbarorte auf einer Landkarte von 1905.

Die Kleinstadt liegt an der Bartsch (Barycz) in Niederschlesien, etwa 55 km nordnordöstlich von Breslau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeit der schlesischen Piasten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruinen des ehemaligen Piastenschlosses aus dem 14. Jahrhundert

Die erste Besiedlung dürfte im 11. Jahrhundert erfolgt sein. Bereits 1136 wird die Burg Miliche in einer Bulle des Papstes Innozenz II. erwähnt, als Eigentum des Bistums Breslau. 1223 besaß Militsch eine Pfarrkirche. Im 12. Jahrhundert war es Sitz einer Kastellanei der Piasten, 1245 erfolgte die Erhebung zur Stadt. 1331 fiel die Stadt vorübergehend an Böhmen, 1358 wurde die Stadt mit der Burg von den Breslauer Bischöfen an die Piasten aus Oels verkauft, die die gotische Burg im heutigen Schlosspark erbauten.

Unter der Krone Böhmens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Militsch, 1591–1945 im Besitz der Grafen Maltzan

1492 starb der letzte piastische Herzog von Oels und das Ländchen wurde als erledigtes Lehen vom König Vladislav II. (Böhmen und Ungarn) Jagiellonicus eingezogen. Der König verlieh 1494 Militsch an seinen Kämmerer Sigismund III. Kurzbach. Dieser hatte bereits 1492 Trachenberg (heute Żmigród) von seinem König erhalten. Beide Herrschaften wurden zu einer Freien Standesherrschaft, der ersten in Schlesien, vereinigt.

Nach dem Tode Sigismunds wurden die Güter unter seinen Söhnen aufgeteilt und es entstanden zwei Mini-Staaten, die Standesherrschaften Trachenberg und Militsch. Die Kurzbach betrieben energisch die deutsche Kolonisierung des bisher dünn besiedelten, vornehmlich polnischen Landes, indem sie viele Bauern aus Schwaben anwarben; unter den Kurzbach wurde das Militscher Land zum schlesischen Zentrum der Karpfen-Zucht, viele riesige Teiche wurden angelegt, der größte hatte die Fläche von 500 Hektar. Die letzte Erbin der freien Standesherrschaft, Eva Popelia Kurzbach geb. Gräfin von Lobkowitz, trat 1591 ihr Erbe an ihren Ehemann Joachim von Maltzan ab. Somit ging die Herrschaft an die Familie Maltzan über, bei denen sie bis 1945 verblieb.

Preußische Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemälde Max Liebermann „Dorfstraße in Militsch“, 1883

1742 wurde Schlesien preußisch. Unter der preußischen Herrschaft betätigten sich die Grundherren von Militsch als Industriegründer, indem sie mehrere Tuchmanufakturen und andere Textilbetriebe schufen. Die Maltzans errichteten auch die evangelische Gnadenkirche, das barocke Schloss und die katholische Annenkirche. Ab 1816 war Militsch Sitz des gleichnamigen Landkreises Militsch. Das 19. Jahrhundert brachte weitere Entwicklung der Stadt: 1809 verloren die Maltzan ihre Feudalrechte, schon um 1850 besaß Militsch ein neues Rathaus (1945 beim Einmarsch der Roten Armee zerstört), Kanalisation und Wasserleitungen.

1875 erhielt die Stadt Eisenbahnverbindungen mit Oels, Breslau und Krotoschin, etwa 20 Jahre später auch eine Schmalspurbahn, die die Stadt u.a. mit Trebnitz, Trachenberg und Breslau verband. Um 1900 hatte Militsch eine evangelische Gnadenkirche von 1709, eine katholische und eine altlutherische Kirche, eine Synagoge und ein Amtsgericht.[2]

Das Schloss barg wertvolle Kunstschätze: Deutschlands größte Kollektion von Wanduhren, eine große Kupferstich-Sammlung (Wert im Jahre 1914: 13 Millionen Goldmark), eine Gemäldegalerie und eine reichhaltige Bibliothek. Dies alles, soweit nicht schon 1944 von den Maltzan nach Österreich oder Westdeutschland überführt (Maria Gräfin von Maltzansiehe unten Literatur – erzählt indessen, dass nichts gerettet werden konnte), verschwand 1945, um die sowjetischen Kunstsammlungen zu bereichern.

1945 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktplatz der Stadt (Aufnahme 2015).

Im Jahr 1945 gehörte Militsch zum Landkreis Militsch im Regierungsbezirk Breslau der preußischen Provinz Niederschlesien des Deutschen Reichs.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Militsch im Sommer 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt. In der Stadt waren noch monatelang sowjetische Soldaten stationiert. Sie plünderten die Gräber des Grafen Andreas († 1921) und seiner Frau und verstreuten deren Gebeine im ganzen Schlosspark.

Für Militsch wurde die polnische Ortsbezeichnung Milicz eingeführt. In der Folgezeit wurde die verbliebene deutsche Bevölkerung bis 1947 aus Militsch vertrieben.

Die Stadt war bis 1975 Sitz des Powiat Milicki (Militscher Distrikt), dann bis 1999 eine Stadt- und Landgemeinde in der Woiwodschaft Breslau.[3] Seit 2000 ist die Stadt wieder eine Kreisstadt.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1803 1.332 [4]
1810 1.896 [4]
1816 2.097 davon 1.600 Evangelische, 428 Katholiken und 69 Juden[4]
1821 2.110 [4]
1825 2.207 davon 453 Katholiken und 60 Juden[5]
1840 2.231 davon 1.839 Evangelische, 297 Katholiken und 95 Juden[6]
1875 3.385 [7]
1880 3.486 [7]
1890 3.822 davon 2.993 Evangelische, 690 Katholiken und 139 Juden[7]
1905 3.692 (mit der aus vier Schwaronen Ulanen vom Regiment Nr. 1 bestehenden Garnison), meist Evangelische [2]
1933 4.579 [7]
1939 5.402 [7]
Einwohnerzahlen seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
2009 11.899 [8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche zum Heiligen Andreas Bobola
St. Anna Kirche
Schlosspark

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt hat einen nicht mehr im Personenverkehr bedienten Bahnhof an der Bahnstrecke Oleśnica–Chojnice, früher gab es auch eine Kreisbahn.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde (Gmina)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Milicz ist flächenmäßig eine der größten in ganz Polen. Sie hat eine Flächenausdehnung von 435,6 km². 41 % des Gemeindegebiets werden landwirtschaftlich genutzt, 43 % sind mit Wald bedeckt.[9]

Die Bevölkerung beschäftigt sich mit der Land- und Forstwirtschaft.

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Milicz hat 11.899 und die Gemeinde hat insgesamt 24.341[8].

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Milicz verfügt über zwei Gymnasien (liceum), vier Mittelschulen (gimnazjum), sieben Grundschulen (Szkoła podstawowa) einen Kindergarten (Przedszkole).

Sołectwo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Milicz umfasst 91 Ortschaften, die in 52 Sołectwo (Schulzenämtern) zusammengefasst sind.

  • Czatkowice (Tschotschwitz, 1939–1945 Brandetal)
  • Duchowo (Duchawe, 1936–1945 Weinberge)
  • Dunkowa (Donkawe, 1937–1945 Freihufen)
  • Godnowa (Goidinowe, 1939–1945 Amwald)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten mit Verbindung zur Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich von Salisch (1846–1920), Gutsherr in Postel, verwandelte seinen dortigen Waldbesitz in ein forstliches Musterrevier, starb in Postel
  • Walter von Reichenau (1884–1942), deutscher Generalfeldmarschall, Schwager von Maria Gräfin von Maltzan, Heirat mit Alix von Maltzan 1919 in der Gnadenkirche

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens
  • Johann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Breslau 1830, S. 969–967.
  • Karl August Müller: Vaterländische Bilder, oder Geschichte und Beschreibung sämmtlicher Burgen und Ritterschlösser Schlesiens beider Antheile und der Grafschaft Glatz. Zweite Auflage, Glogau 1844, S. 198–204.
  • Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 872–873.
  • Fritz Bloch, Die Juden in Militsch. Ein Kapitel aus der Geschichte der Niederlassung von Juden in Schlesien, Breslau 1926
  • Hugo Weczerka (Hrsg.), Schlesien, Stuttgart 1977
  • Maria Gräfin von Maltzan, Schlage die Trommel und fürchte dich nicht. Erinnerungen, Ullstein, Frankfurt am Main und Berlin 1988, ISBN 3-548-20941-6
  • Klaus Ullmann, Schlesienlexikon, Würzburg 1992

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Milicz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 13, Leipzig/Wien 1908, S. 836.
  3. Dz.U. 1975 nr 17 poz. 92 (Memento vom 8. April 2009 auf WebCite) (polnisch)
  4. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 338–379, Ziffer 441.
  5. Johann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Breslau 1830, S. 969–967.
  6. Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 872–873.
  7. a b c d e Verwaltungsgeschichte.de, Landkreis Militsch (poln. Milicz), abgerufen am 11. Juli 2009
  8. a b Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ – STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“ (Memento vom 15. Mai 2011 im Internet Archive) Stand vom 30. Juni 2010
  9. regioste.pl (pl/en)