Militärprostitution

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Französisches Feldbordell (Bordel militaire de campagne), Marokko, 1922
Soldatenbordell, Brest, 1940

Militärprostitution ist Prostitution im Kontext mit dem Militärwesen in Friedenszeiten und im Krieg.

Neuere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Militärgeschichte erstreckt sich die Prostitution über Tross- und Lagerhuren bis hin zu den Militärbordellen.

Seit den militärischen Expansionen Japans von 1904 bis 1920 wurden für die dort stationierten japanischen Soldaten japanische Frauen als Prostituierte ins Ausland verkauft; man geht von etwa 100.000 betroffenen Frauen aus.[1] Das japanische Militär verschleppte etwa 200.000 Mädchen und Frauen im Alter von 11 bis 29 Jahren während des Zweiten Weltkriegs von 1937 bis 1945 aus ehemaligen Kolonien Japans wie Korea und Taiwan und aus elf besetzten Ländern wie China, den Philippinen und Indonesien, um sie als „Trostfrauen“ arbeiten zu lassen.[2]

Vom Ersten Weltkrieg bis zum Indochinakrieg betrieb Frankreich im 20. Jahrhundert Militärbordelle.

Während des Zweiten Weltkriegs richtete die deutsche Wehrmacht unter Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch[3] ab Sommer 1940 in den besetzten Gebieten rund 500 Wehrmachtsbordelle ein, unter anderem in Frankreich, Polen, Italien und Norwegen.[4] Lothar-Günther Buchheim beschrieb seine Eindrücke aus Brest:[5] „Wenn ein Dickschiff eingelaufen war, blieben die Nutten zwischen den Nummern einfach liegen.“ Für die deutschen Soldaten gab es eine Desinfektionsspritze in die Harnröhre. Es galt: „Nur das von der Truppenführung freigegebene Bordell darfst Du besuchen. Benutze stets ein Kondom (Gummischutz) und lasse Dich nach dem Geschlechtsverkehr sanieren.“ Es gab auch Zwangsprostitution durch die deutsche Wehrmacht.[6][7]

Während des Vietnamkriegs (1955 bis 1975) entstand eine Militärprostitution in den US-amerikanischen Stützpunkten auf den Philippinen und in Thailand.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Militärprostitution ist in erster Linie darauf gerichtet, die Kampfmoral der Soldaten zu festigen und zu steigern. Durch den regulierten, institutionalisierte Zugang zu Geschlechtsverkehr in Militärbordellen sollen Desertionen, unkontrollierte sexuelle Feindkontakte, die Ansteckung der Soldaten mit Geschlechtskrankheiten, Homosexualität sowie die psychische Dekompensation verhindert werden.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Military prostitution – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Antje Hilbig, Claudia Kajatin, Ingrid Miethe: Frauen und Gewalt: interdisziplinäre Untersuchungen zu geschlechtsgebundener Gewalt in Theorie und Praxis. Königshausen & Neumann, 2003.
  2. Barbara Drinck (Hrsg.): Zwangsprostitution in Kriegs- und Friedenszeiten. Tagungsdokumentation, 2004 (online (Memento des Originals vom 17. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/cp27.xsadmin.de).
  3. Franz Seidler: "Prostitution, Homosexualität, Selbstverstümmelung. Probleme der deutschen Sanitätsführung 1939–1945. Kurt Vowinckel Verlag. Neckargmünd; 323 Seiten.
  4. Angaben nach: Helke Sander/Barbara Johr (Hrsg.): Befreier und Befreite – Krieg – Vergewaltigung – Kinder. Frankfurt a.M. 2005, S. 65.
  5. Fortlaufende Nummer. Der Spiegel, 31. Oktober 1977
  6. Katharina Schiederig: Die Sexsklaverei der Achsenmächte. In: WeltTrends: Zeitschrift für internationale Politik, Jg. 14, H. 52, 2006, S. 119–131. ISSN 0944-8101.
  7. Thomas Gaevert, Martin Hilber: Frauen als Beute. Wehrmacht und Prostitution. (Beschreibung (Memento vom 8. Februar 2007 im Internet Archive)).
  8. Udo Gerheim: Die Produktion des Freiers: Macht im Feld der Prostitution. Eine soziologische Studie. transcript Verlag, 2012.