Militärputsch in der Türkei 1960

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Der Militärputsch vom 27. Mai 1960 in der Türkei war eine Reaktion auf Proteste gegen die zunehmend autoritärer werdende Regierung unter Adnan Menderes. Es war der erste Staatsstreich seit Gründung der Republik. Im Mai 1971 und im September 1980 putschte das Militär erneut.

Zur Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zustimmung zur Regierung von Adnan Menderes und zur Demokratischen Partei (DP) ließ während der 1950er Jahre nach. Bei der Parlamentswahl in der Türkei 1950 erhielt sie 54,5 % der Stimmen, 1954 57,5 % und bei der Wahl im Oktober 1957 nur 47,9 %. Das Wahlrecht bewirkte, dass die DP 69,5 % der Sitze erhielt. In der Folge gab es innerhalb der DP von bekannten Mitgliedern Kritik an Menderes' autoritärem Regierungsstil. Parteiaustritte waren eine Folge. Das Regime verlor bei der Bevölkerung auch an Rückhalt, weil der wirtschaftliche Fortschritt nur Wenigen zugutekam.

Auf Kritik reagierte die Regierung sehr gereizt. Im Parlament setzte die Mehrheit der Regierungspartei einen Ausschuss ein, dem es erlaubt war, die Presse zu zensieren, Zeitungen zu verbieten und Haftstrafen zu verhängen. Daraufhin kam es im Frühjahr 1960 zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Sicherheitskräften. Auch nach Verhängung des Ausnahmezustandes rissen die Proteste nicht ab. Den Protesten schlossen sich auch Kadetten der Militärakademie in Ankara an. Unterstützt wurden die Proteste von Teilen der akademisch gebildeten Elite und Angehörigen des Militärs unterhalb der Generalsebene.[1]

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Mai 1960 übernahmen die Türkischen Streitkräfte die Macht in der Türkei. Zu den 38 Offizieren, die Adnan Menderes stürzten, der später zum Tode verurteilt werden sollte, gehörte der General Alparslan Türkeş. Dieser überwarf sich jedoch mit dem Komitee der Nationalen Einheit und wurde mit 13 weiteren Offizieren aus dem Kreis ausgeschlossen.

Einer der offiziellen Gründe für den Aufstand war der Vorwurf, die DP hätte sich über kurdische Stammesführer und Scheichs in ihren Reihen für einen Regionalismus zugunsten der Kurden eingesetzt.[2] Unter General Gürsel, der später Präsident der Türkei wurde, bildete sich das Komitee der Nationalen Einheit; die DP wurde verboten. Die Putschisten leiteten ein Gerichtsverfahren, die Yassıada-Prozesse, gegen Adnan Menderes und Funktionäre seiner Regierung und der DP ein, gegen insgesamt 592 Menschen.

Der umstrittene Schweizer Historiker Daniele Ganser behauptete in seiner 2005 veröffentlichten Dissertation, die Central Intelligence Agency (CIA) sei am Militärputsch beteiligt gewesen. Der Historiker Christopher Gunn wies diese These 2015 im Detail zurück: Ganser habe seine Angaben ungeprüft von Selahattin Çelik übernommen. Er gebe keinen Beleg für Vorkenntnisse der US-Botschaft in Istanbul von den Putschzielen.[3]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Kreiser, Christoph K. Neumann: Kleine Geschichte der Türkei. Bonn 2005, S. 427 f.
  2. Martin Strohmeier, Lale Yalçın-Heckmann: Die Kurden, C.H.Beck Verlag, München 2000, ISBN 3-406-42129-6, S. 103
  3. Christopher Gunn: 1960 Coup in Turkey: A U.S. Intelligence Failure or a Successful Intervention? In: Journal of Cold War Studies. 17, Nr. 2, 2015, S. 103–139, hier S. 115 f. doi:10.1162/JCWS_a_00550.