Miljenko Jergović

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Miljenko Jergović, Graz 2012
Miljenko Jergović, Graz 2015

Miljenko Jergović (* 28. Mai 1966 in Sarajevo) ist ein bosnischer Schriftsteller, Dichter und Essayist, der vornehmlich in kroatischer Sprache schreibt.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugoslawien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Zeitungs- und Buchartikel gab Jergović Ende der 1980er Jahre heraus. Neben der journalistischen Arbeit begann er zunächst, Gedichte zu schreiben. Für seine erste Gedichtsammlung Opservatorija Varšava (1988) wurde er mit den Poesiepreisen „Goran“ und „Mak Dizdar“ geehrt. Es folgten die Gedichtsammlungen Uči li noćas neko u ovom gradu japanski? (deutsch Lernt heut' Nacht in dieser Stadt irgendjemand japanisch?, 1990) und Himmel Comando (1992).

1993 verließ Jergović das seit dem 5. April 1992 von der Jugoslawischen Volksarmee belagerte Sarajevo.

Kroatien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Mai 1993 lebt er und veröffentlicht seine Werke in der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Der internationalen Leserschaft wurde er durch die Kurzgeschichtensammlung Sarajevski Marlboro (1994) (dt. Sarajevo Marlboro, 1996) bekannt, für die er internationale Preise gewann.

Mama Leone (1999), Buick Rivera (2002), Freelander (2007) und Dvori od oraha (deutsch Das Walnusshaus, 2008) sind die bekanntesten seiner neueren Bücher.

Am 16. April 2007 trat er aus dem kroatischen Schriftstellerverband mit der Begründung aus, dass seine Mitgliedschaft im Gegensatz zu seiner Haltung und seinem Verhältnis zur kroatischen Literatur und Literatur insgesamt stehe.

Jergović veröffentlicht auch Zeitungsartikel und Essays in kroatischen, serbischen und bosnisch-herzegowinischen Zeitungen. Nach jahrelanger Zusammenarbeit mit der linksorientierten satirischen politischen Wochenzeitung Feral Tribune aus Split schreibt er seit 2000 für das kroatische Nachrichtenmagazin Globus. Auch für das bosnisch-herzegowinische Nachrichtenmagazin BH Dani schreibt er regelmäßig Kolumnen.

Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jergović gehört zu den Literaten, die sich in ihren Werken auch dem Fußball als kulturelles Phänomen annähern, das Kontakte zwischen benachbarten Ethnien mitbestimmt.[1] Für das deutsche Publikum kommentierte er wiederholt Fußballspiele, so etwa die Partie Brasilien – Deutschland (1:7) bei der Weltmeisterschaft 2014; seinem Kommentar gab die ARD den Titel „Wenn Fußball zur Kunst wird“.[2]

2012 wurden in dem serbischen Sender RTS mehrere Kapitel aus dem Manuskript seines Romans „Wilimowski“ verlesen;[3] 2016 erschien der Roman vollständig auf Polnisch.[4] Anlass war der 100. Geburtstag des Dribbelkünstlers Ernst Willimowski, der nach der Torausbeute pro Spiel der effektivste Stürmer sowohl der polnischen als auch der deutschen Nationalmannschaft war.[5]

Seine Werke wurden in mehr als 15 Sprachen übersetzt.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Opservatorija Varšava, 1988.
  • Uči li noćas neko u ovom gradu japanski?, 1990.
  • Himmel Comando, 1992.
  • Sarajevski Marlboro, 1994.
  • Karivani, 1995.
  • Preko zaleđenog mosta, 1996.
  • Naci bonton, 1998.
  • Mama Leone, 1999.
  • Historijska čitanka, 2000.
  • Kažeš anđeo, 2000.
  • Hauzmajstor Šulc, 2001.
  • Buick Rivera, 2002.
  • Dvori od oraha, 2003.
    • deutsch: Das Walnusshaus, Roman, aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert, Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-89561-391-3.
  • Rabija i sedam meleka, 2004.
  • Inšallah Madona, inšallah, 2004.
  • Glorija in excelsis, 2005.
  • Žrtve sanjaju veliku ratnu pobjedu, 2006.
  • Ruta Tannenbaum, 2006.
  • Drugi poljubac Gite Danon, 2007.
  • Freelander, 2007.
  • Volga, Volga, 2009.
    • deutsch: Wolga, Wolga, Roman, aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert, Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-89561-394-4.
  • Otac, 2010.
    • deutsch: Vater, Roman, aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert, Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-89561-395-1.
  • Wilimowski. Zaprešić, 2016 (Teillesung 2012)
    • Wilimowski, 2016. Roman, aus dem Kroatischen ins Polnische übersetzt von Magdalena Petryńska. Książkowe klimaty, Warschau 2016.
  • Rod. Roman. Zaprešić, 2013.
    • Die unerhörte Geschichte meiner Familie. Roman. Aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert. Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-89561-396-8.

Preise und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Miljenko Jergović – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paranoia ist die neue Ideologie literaturmitte.de
  2. „Wenn Fußball zur Kunst wird“ ard-wien.de, 9. Juli 2014.
  3. Miljenko Jergović: Wilimowski (roman) rts.rs, 18. Juni 2012
  4. Miljenko Jergović WILIMOWSKI ksiazkoweklimaty.pl
  5. Być jak Wilimowski polityka.pl, 3. Mai 2016.