Millatu Ibrahim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Millatu Ibrahim bzw. Millatu-Ibrāhīm (arabisch ملة إبراهيم, ‚Religion Abrahams‘) ist eine salafistische und in Deutschland verbotene Organisation. Als Anführer gilt Mohamed Mahmoud,[1] der im April 2012 nach Ägypten ausreiste.[2] Ein weiteres hochrangiges Mitglied war Denis Cuspert, der im Bürgerkrieg in Syrien auf Seiten von Dschihadisten kämpft.[3] Der Name der Organisation ist koranischen Ursprungs (vgl. z. B. Sure 2:130; Sure 4:125).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Millatu Ibrahim wurde im Herbst 2011 gegründet, hatte seinen Sitz in einer Hinterhofmoschee in Solingen und bis zum Verbot knapp 50 Mitglieder.[4]

Zum 29. Mai 2012 verfügte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ein Vereinsverbot gegen Millatu Ibrahim „wegen Bestrebungen gegen die verfassungsmäßige Ordnung sowie den Gedanken der Völkerverständigung“. Als Beispiel dafür nannte er, dass Millatu Ibrahim die gewaltsamen Ausschreitungen Anfang Mai 2012 in Solingen und Bonn in „Kampfvideos“ legitimiert und zu weiteren Gewalttaten aufgerufen habe.[2][5] Bei den gewaltsamen Ausschreitungen am 1. Mai 2012 in Solingen, bei dem Islamisten gegen das Zeigen der Mohammed-Karikaturen durch die Bürgerbewegung pro NRW protestierten und in darauf folgenden Krawallen Polizisten verletzten,[6] hätten Protagonisten der Salafisten-Gruppe die Wortführerschaft übernommen. In einem Naschid vom 12. Mai 2012 hätten Anführer der Organisation zudem massive Gewalt angekündigt.[3]

Am 14. Juni 2012 erfolgte eine Razzia gegen das islamistische Netzwerk, die größte gegen extremistische Muslime in der Geschichte der Bundesrepublik.[4] Deutschen Sicherheitsbehörden zufolge zogen Mitglieder sich in der Folge nach Ägypten zurück, wo die Salafisten seit dem Sturz Mubaraks starken politischen Auftrieb erhalten haben, um sich neu zu formieren und ihre Propagandaaktivitäten weiterzuführen.[7]

Am 13. März 2013 gab das Bundesinnenministerium bekannt, dass die in Gladbeck ansässige[8] Organisation An-Nussrah als Teilorganisation von Millatu Ibrahim ebenfalls verboten wurde.[9] Gleichzeitig kam es zu Beschlagnahmungen und Durchsuchungen.[10]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2014 berichtete der Berliner Kurier, dass der ehemalige Rapper Denis Cuspert die Brigade der verbotenen Millatu Ibrahim am 24. August 2014 in Mossul angeführt habe.[11]

Auch der am 31. August 2016 in der alternativen Siedlung Christiania in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen verhaftete bosnisch-dänische Drogenhändler Mesa Hodzic, der sich der Festnahme durch mehrere Schüsse in den Kopf und die Beine der festnehmenden Polizisten sowie eines unbeteiligten Passanten widersetzte, gehörte der Gruppe Millatu Ibrahim an, er galt zudem als Sympathisant des Islamischen Staates, wobei die dänische Polizei keinen Zusammenhang zwischen der Tat und der islamistischen Organisation sieht.[12][13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Der Dschihad wird entgrenzt“. In: Der Tagesspiegel, 11. September 2012, abgerufen am 4. September 2016 (Interview mit Hans-Georg Maaßen).
  2. a b Verfassungsschutzbericht des Bundes 2012, S. 236 (PDF).
  3. a b Verbot von Salafisten-Verein: Schlag gegen gewaltbereite Deutschland-Hasser. In: Der Spiegel, 14. Juni 2012.
  4. a b Florian Flade, Martin Lutz: Razzia gegen Salafisten – Friedrich verbietet Netzwerk. In: Die Welt, 14. Juni 2012, abgerufen am 4. September 2016.
  5. Salafisten: Razzia und Vereinsverbot. Bundesministerium des Inneren, Pressemitteilung vom 14. Juni 2012, abgerufen am 4. September 2016.
  6. Arrest für gewalttätigen Salafisten, solinger-tageblatt.de, 26. September 2013.
  7. Florian Flade: Salafisten planen „Abrechnung“ mit Deutschland. In: Die Welt, 8. Oktober 2012, abgerufen am 4. September 2016.
  8. http://www.nrw.de/landesregierung/erneuter-schlag-gegen-salafisten-14165/
  9. Bundesinnenminister geht konsequent gegen salafistische Strukturen in Deutschland vor. Bundesministerium des Inneren, Pressemitteilung vom 13. März 2013, abgerufen am 4. September 2016.
  10. Maßnahmen gegen Salafismus: Vereinsverbote erfolgreich durchgeführt. Bundesministerium des Inneren, Pressemitteilung vom 13. März 2013, abgerufen am 4. September 2016.
  11. Deso Dogg: „Wir schlachten euch alle!“', in: Berliner Kurier, 3. September 2014
  12. Politi: Sigtet for drabsforsøg på betjente sympatiserer med Islamisk Stat. Danmarks Radio (DR), abgerufen am 3. September 2016.
  13. http://www.dr.dk/nyheder/indland/politi-intet-tyder-paa-sammenhaeng-mellem-christiania-nedskydning-og-sympatier